Umfrage
Wie Deutschland attraktiver für Korea werden kann
Wer die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Korea ausbauen will, muss auch zu Hause ansetzen. Koreanische Führungskräfte wünschen sich von Deutschland und Europa mehr Engagement für Asien, schnellere politische Entscheidungen sowie einfache und schnellere Verwaltungsverfahren. Das zeigt eine Befragung von 100 koreanischen Managern durch Gallup Korea im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
Die Rivalität zwischen den USA und China gibt der Zusammenarbeit mit Korea zusätzliche Dringlichkeit. 80 Prozent der Befragten sehen durch die verschärfte Konkurrenz einen höheren Bedarf an Kooperation mit der EU.
Dieser Bedarf macht Deutschland und Europa allerdings nicht automatisch zu attraktiven Partnern. Sowohl Deutschland als auch die EU werden häufiger als wichtig denn als attraktiv bewertet. Die Umfrage zeigt damit eine Lücke zwischen wirtschaftlicher Bedeutung und Attraktivität.
In Südkorea wird, wie anderswo auch, gesehen, dass wir unserer Wirtschaft immer noch zu viele bürokratische Fesseln anlegen, dass die Steuerbelastung in Deutschland im internationalen Vergleich viel zu hoch ist und dass die Energiepreise weiterhin explodieren", kommentiert Martin Hagen, Generalsektretär der FDP, die Umfrage. "Wenn sich das nicht ändert, verfestigt sich international ein Bild der Reformunfähigkeit mit Blick auf unser Land."
Bedingungen verbessern
Verbesserungsbedarf sehen die Koreaner bei Arbeitskosten, steuerlichen Bedingungen und der Effizienz von Regulierung, Genehmigungen und Verwaltung.
Dabei bringt Deutschland eigentlich gute Voraussetzungen mit: Es punktet bei koreanischen Managern mit langfristiger Verlässlichkeit, technologischen Fähigkeiten sowie der Stabilität und Berechenbarkeit von Politik und Institutionen.
Interessant ist auch die Einschätzung zur Verlässlichkeit anderer Partner: Koreanische Führungskräfte bewerten die USA trotz des teils erratischen Verhaltens von US-Präsident Donald Trump als vergleichsweise verlässlich. Deutlich größer ist dagegen die Skepsis gegenüber Peking. Damit widersprechen die befragten Manager dem Narrativ der Kommunistischen Partei Chinas, China sei ein stabilisierender Faktor in der Weltwirtschaft.
Fehlendes strategisches Engagement für Korea und Asien sowie langsame Entscheidungen und komplexe Verwaltungsverfahren bremsen aus Sicht der Befragten die Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU. Bei Deutschland fällt zusätzlich die nachlassende wirtschaftliche und industrielle Wettbewerbsfähigkeit ins Gewicht: 53 Prozent nennen sie als Hindernis, gegenüber 30 Prozent der EU.
Offenheit ist Standortfaktor
Zur Attraktivität gehört auch das gesellschaftliche Umfeld. In einer zusätzlichen Frage zu Deutschland sehen 68 Prozent negative Auswirkungen des wachsenden Einflusses rechtsextremer Kräfte und migrationsfeindlicher Diskurse auf die Attraktivität für ausländische Investoren.
Deutschland und die EU können das wachsende Interesse an Zusammenarbeit nutzen. Dafür müssen sie koreanischen Partnern überzeugende wirtschaftliche Bedingungen bieten – und zeigen, dass deren Unternehmen und Beschäftigte willkommen sind.
Ansonsten droht Europa im Wettlauf mit China und den USA unterzugehen. Schon heute gehen mehr südkoreanische Führungskräfte davon aus, dass China und die USA künftig an Bedeutung gewinnen werden, als die EU wichtiger werden wird.
Zur Befragung: Gallup Korea befragte im September 2026 im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit 100 Führungskräfte aus der koreanischen Wirtschaft mit bestehenden oder geplanten Wirtschaftsbeziehungen zur EU.