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Wirtschaft
Freiheit muss im Alltag ankommen

Was Liberale in Deutschland von Javier Mileis Wirtschaftskommunikation lernen können
Javier Milei nach den Kongresswahlen in Argentinien.

Javier Milei nach den Kongresswahlen in Argentinien.

© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Rodrigo Abd

Weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung, bessere Bedingungen für Unternehmen: Liberale Forderungen sind bekannt. Doch was verändert sich dadurch im Leben der Menschen? Welche Konsequenzen hat das für jede und jeden Einzelnen?

Genau an dieser Frage setzt die Studie „Freiheit erzählen in Krisenzeiten“ von Jenny Joy Schumann und Anthea Wendland an. Die beiden Autorinnen haben die Kommunikationstechniken von Javier Milei untersucht und ziehen daraus Schlussfolgerungen für Deutschland. Ihre zentrale These: Liberale haben gute Argumente, erklären aber häufig zu wenig, was ihre Politik für den Einzelnen verbessert.

Was Mileis Botschaften so einprägsam macht

Ein paar Beispiele: Inflation ist bei Milei keine abstrakte Kennzahl. Sie bedroht das Geld, das Menschen sich erarbeitet und zurückgelegt haben. Bürokratie ist kein bloßes Verwaltungsproblem. Sie steht den Menschen im Weg, die ein Unternehmen gründen oder ihren Betrieb erweitern wollen. Wer arbeitet, investiert und Risiken übernimmt, verdient in dieser Erzählung Anerkennung.

Milei verbindet wirtschaftliche Probleme mit persönlichen Erfahrungen. Seine Botschaften lassen sich leicht wiederholen, seine Symbole bleiben im Gedächtnis. Seine Kritik ist dabei immer mit einer positiven Botschaft verbunden: Er verspricht, dass Menschen wieder stärker über ihr Leben und ihr Geld bestimmen können.

Diese Zuspitzung hat allerdings einen Preis. Die Gegenüberstellung von produktiver Gesellschaft und politischer „Kaste“ lässt wenig Platz für Differenzierung. Nicht jede staatliche Aufgabe ist überflüssig, nicht jede Regel ein Hindernis. Die Studie benennt deshalb auch die Gefahr, dass vereinfachende Botschaften in pauschale Feindbilder umschlagen.

Warum Deutschland anders angesprochen werden muss

Mileis Aufstieg lässt sich nur vor dem Hintergrund der langjährigen wirtschaftlichen Krise Argentiniens verstehen. In Deutschland sehen viele Menschen im Staat weiterhin einen Garanten für Sicherheit und Verlässlichkeit. Seine Rolle grundsätzlich infrage zu stellen, dürfte deshalb viele Menschen abschrecken, die durchaus Reformbedarf sehen.

Hier liegt eine wichtige Schlussfolgerung: Liberale sollten konkret zeigen, wie der Staat seine Aufgaben besser erfüllen kann. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, verständliche Verfahren und Entscheidungen, auf die Bürger und Unternehmen nicht unnötig lange warten müssen. Auch mehr Eigenverantwortung muss erklärt werden. Eine Kommune braucht Spielraum, um Probleme vor Ort zu lösen. Eine Schule muss Entscheidungen treffen können, die zu ihren Schülern passen. Wer Verantwortung trägt, sollte auch die Möglichkeit haben, etwas zu verändern.

Hinter einem Wort wie „Bürokratieabbau“ muss der Handwerker sichtbar werden, der nach Feierabend noch Formulare ausfüllt. Hinter „Gründungsfreiheit“ die Frau, die eine Geschäftsidee hat und auf eine Genehmigung wartet. Erst solche Beispiele machen deutlich, warum eine Reform nötig ist und wem sie hilft. Dasselbe gilt für den Umgang mit öffentlichen Mitteln. Effizienz klingt zunächst technisch. Werden Verfahren einfacher und Mittel gezielter eingesetzt, kann das aber ganz praktische Verbesserungen zur Folge haben: Eine Schule wird schneller saniert, eine öffentliche Leistung kommt verlässlicher an.

Fazit

Die zentrale Lehre lautet: Reformen überzeugen dann, wenn sie ein konkretes Problem benennen, eine verständliche Lösung anbieten und zeigen, was die Menschen davon haben. Für Liberale heißt das: Freiheit muss im Alltag als echte Verbesserung erkennbar werden.