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70. Geburtstag
Ein Leben für Wissenschaft, Politik und Freiheit

Karl-Heinz Paqué zum 70. Geburtstag
Karl-Heinz Paqué

Prof. Karl-Heinz Paqué

© FNF

70 Jahre sind ein guter Anlass, zurückzublicken – und zugleich nach vorn. Bei Karl-Heinz Paqué zeigt sich dabei ein ungewöhnlich weiter Horizont: ein Leben für die Wissenschaft, für die Politik und immer für die Freiheit des Individuums. Diese drei Felder stehen nicht nebeneinander wie Stationen eines Lebenslaufs. Sie greifen ineinander und prägen eine Haltung, die ihn auszeichnet: neugierig auf die Welt, offen für Argumente mit Lust am Meinungsstreit und überzeugt davon, dass Menschen ihr Leben selbst gestalten können.

Als Wissenschaftler hat er sich den großen Fragen der Ökonomie gestellt – nicht, um sie in geschlossenen Modellen einzuschließen, sondern um die Wirklichkeit besser zu verstehen. Gute Wissenschaft weiß um ihre Grenzen. Sie fragt nach, prüft Annahmen und hält Widerspruch aus. Gerade darin liegt ihre öffentliche Bedeutung. Karl-Heinz Paqué weiß und lebt: Wissenschaftler haben eine Bringschuld gegenüber dem öffentlichen Leben – Erkenntnisse dürfen nicht im Seminarraum bleiben, wenn sie helfen können, politische Entscheidungen verständlicher und die Debatte aufgeklärter zu machen. Er hat diese Verantwortung angenommen – als Professor für Volkswirtschaftslehre in Magdeburg, als Autor und als jemand, der sich auch dort zu Wort meldet, wo Antworten nicht einfach sind. Und schließlich in der Politik und in der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Paqués Weg in die Politik war kein Abschied von der Wissenschaft, sondern eine Fortsetzung ihres Anspruchs mit anderen Mitteln. Als Finanzminister in Sachsen-Anhalt von 2002 bis 2006 und in weiteren politischen Aufgaben hat er erfahren, dass Ideen sich in der Wirklichkeit bewähren müssen: an knappen Ressourcen, widerstreitenden Interessen und der Verantwortung für konkrete Entscheidungen. Gerade diese Erfahrung macht den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik so wertvoll. Sie schützt die eine vor Weltfremdheit und die andere vor zu viel Selbstgewissheit. Und sie erinnert daran, dass politische Gestaltung nicht bei der Diagnose stehen bleiben darf: Sie muss in der Realität Möglichkeiten für ein besseres Leben eröffnen.

Im Zentrum seiner Überzeugungen steht die Freiheit des einzelnen Menschen – nicht als abstrakte Formel, sondern als Möglichkeit, eigene Wege zu wählen und Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört für ihn der Blick nach vorn. Die Zukunft ist offen; sie ist kein Schicksal, das wir nur verwalten. Diese Offenheit verlangt Mut und Urteilskraft, aber auch Optimismus: den begründeten Glauben, dass Menschen lernen, Fortschritt schaffen und Probleme lösen können. Optimismus heißt dabei nicht, Schwierigkeiten kleinzureden. Er heißt, ihnen nicht das letzte Wort zu überlassen.

Gerade in seinem Wirken als Vorstandsvorsitzender unserer Stiftung hat er diesen Optimismus-Kompass unermüdlich zum Einsatz gebracht. So immer wieder beim Thema von Globalisierung und internationalem Handel. Denn Austausch über Grenzen hinweg ist viel mehr als nur das Hin und Her von Warenströmen. Er bringt durch Begegnungen Ideen und neues Wissen in Bewegung. Handel kann Wohlstand schaffen, neue Perspektiven eröffnen und Menschen miteinander verbinden. Wer diese Chancen nutzen will, muss die Welt nicht idealisieren. Er muss sie offen betrachten – und bereit sein, aus Wandel Fortschritt zu machen. Paqués Arbeit erinnert daran, dass Freiheit auch darin besteht, an dieser offenen Welt teilzuhaben und sie gerade in den Mühen der Ebene immer wieder zu gestalten.

Lieber Herr Paqué, zu Ihrem 70. Geburtstag gilt Ihnen mein herzlicher Dank: für Ihre intellektuelle Klarheit, Ihre politische Erfahrung und Ihre Ermutigung, Freiheit nicht als Besitzstand, sondern als Aufgabe zu verstehen. Grundsätze, denen die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit mehr denn je verpflichtet ist.

Mögen Neugier, Zuversicht und Freude am Gespräch Sie weiter begleiten. Auf die kommenden Jahre – und auf viele neue Gedanken, die unser öffentliches Leben bereichern.

Herzlich,

Ihr Steffen Saebisch