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Kanada
Kanadas Trümpfe gegen Trumps Zölle

Canada/USA

Im Juli 2026 steht die Revision des USMCA-Handelsabkommens an. Das Abkommen zwischen Kanada, den Vereinigten Staaten und Mexiko hat in der Vergangenheit zu Handelswachstum und einer stärkeren Verflechtung der Märkte geführt. Durch die neuen Zölle der Trump-Administration sind viele Staaten betroffen, darunter auch Kanada. Trump behauptet, dass die USA nichts vom Nachbarn im Norden bräuchten. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache.  

Kanada ist historisch ein essenzieller Handelspartner der Vereinigten Staaten und pflegt lange und enge Beziehungen mit der Weltmacht. Die von der US-Administration erhobenen Zölle treffen die kanadische Wirtschaft schwer, denn ca. 76 % aller Exporte Kanadas gehen in die USA. Die Vereinigten Staaten hingegen exportieren zu gerade einmal 17 % nach Kanada. Ein klares einseitiges Verhältnis.

Eine zerrüttete Wirtschaftsbeziehung der beiden Länder schadet aber auch der US-Industrie sehr, da sie den Zugang zu einem 40-Millionen-Einwohner-Markt vor der Haustür erschwert.  2024 wurden 350 Milliarden US-Dollar in Produkten und nochmal 90 Milliarden US-Dollar in Dienstleistungen auf dem kanadischen Markt erzielt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle auf bestimmte einzelne Staaten der USA sind teilweise gravierend. Die Automobilbranche spielt eine immense Rolle für den an Kanada grenzenden US-Bundesstaat Michigan. 60 % aller importierten Güter Michigans aus Kanada sind fertige Autos oder Autoteile. 53 % aller exportierten Güter Michigans nach Kanada sind fertige Autos oder Autoteile. Hier bestehen eng verflochtene Märkte, vor allem für die Automobilbranche. Die US-Zölle waren von Präsident Trump gedacht, um neue Investitionen anzuregen. Bisher belasten sie allerdings Unternehmen und Konsumenten, ohne dass die Investitionen kommen.    

Die USA importieren 2025 durchschnittlich 3,9 Millionen Fässer Rohöl pro Tag aus Kanada, mehr als aus allen anderen Ländern der Welt summiert. Wenn man alle Formen von Energie (Erdölprodukte, Elektrizität und natürliche Gase, etc.) zusammennimmt, importieren die Vereinigten Staaten über viermal mehr als Kanada von den USA. Mit den Entwicklungen im Nahen Osten und den steigenden Kosten für Erdöl ist mit einem ansteigenden Trend zu rechnen. Ein Hebel, den Kanadas Premierminister Carney nutzen könnte, um wirtschaftlichen Druck auf die USA bei der Revision des USMCA auszuüben.

Gespräche Kanadas mit der Weltmacht China sind ein weiterer Rückschlag für Trump. Das kanadische Raps wird nun zu besseren Konditionen in Ostasien mit einer Zollsenkung von 84% auf 15% verkauft. Im Gegenzug lassen die Kanadier bis zu 49.000 chinesische Elektroautos ins Land zu einem moderateren Zoll von 6.1%. Eine Entwicklung, die klar den neuen Kurs Carneys zeigt: Diversifizierung für mehr Unabhängigkeit von den USA.

Zudem baut Kanada große Mengen an kritischen Mineralien ab. Donald Trump und seine Administration haben öffentlich das Ziel ausgerufen, die Abhängigkeit von China auf dem kritischen Mineralienmarkt zu reduzieren und die chinesische Vormachtstellung zu begrenzen. Ein weiteres wichtiges Argument für die kanadische Regierung gegenüber den USA. 

Mit den anstehenden USMCA-Revisionsgesprächen hat Regierungschef Carney wohl die eine oder andere Trumpfkarte, um einen aus kanadischer Sicht fairen Handelsvertrag zu erreichen. Trotz nicht zu unterschätzender Argumente Kanadas sitzt jedoch Trump weiterhin am längeren Hebel. Mark Carney hat sich aber bislang als geschickter Verhandlungspartner gezeigt.