Zeitgeisterjagd

Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens

Nachricht08.06.2016
Foto von Matthias Heitmann und Andreas Christ, Lesung "Zeitgeisterjagd" am 07.06.2016 in Trier
v.l.n.r. Matthias Heitmann, Buchautor und Andreas Christ, ForenleiterRoman Straub

Widerspruch erwünscht! – Mit dieser klaren Ansage präsentierte der Frankfurter Publizist und Autor Matthias Heitmann sein Buch „Zeitgeisterjagd“  auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Trier. Der Geist steht in diesem Fall für den aktuellen Stand unseres politischen und gesellschaftlichen Denkens. Schwarzmalerei, Misanthropie und Bedenkenträgerei bestimmen dabei viel zu viele Bereiche des Lebens. Nur zu gerne werden heutzutage Ängste und Zweifel betont, richtiges Handeln und vor allem positive Hoffnung bleiben für ihn dabei zu oft auf der Strecke.

Mit einer großen thematischen Breite zeigte Matthias Heitmann in seinen betont rational gehaltenen Analysen einen spannenden Blick auf unser modernes Denken und die dahinterliegenden Muster. Die vielen lebensnahen Episoden aus seinem Buch sorgten auch  schnell dafür, dass eine lebhafte Diskussionsatmosphäre zwischen Autor und den Zuhörern entstand.

Echte Toleranz setzt Konflikte voraus

Matthias Heitmann stellte als eine der zentralen Ursachen unseres eher negativen Zeitgeistes den starken Konsensdrang in öffentlichen Debatten heraus. Dieser unterdrückt oft den notwendigen  Mut zu offenem Hinterfragen um drängende Themen, Probleme und Lösungen neu und eigenständig zu denken. Daran anknüpfend präsentierte Heitmann den Lesungs-Teilnehmern sieben Gründe für echte Toleranz. Sie darf eben kein Zuckerschlecken sein, schließlich  gilt es gerade kaum noch zu ertragendes zu tolerieren. Auch darf man in ihrem Namen keine Konflikte scheuen.

Foto Matthias Heitmann, Lesung "Zeitgeisterjagd" am 07.06.2016 in Trier

"Toleranz setzt die Verschiedenheit von Ansichten und Vorstellungen und Menschen voraus."

Matthias Heitmann

Emanzipation ja – aber von wem?

Ein weiteres Thema des Abends betraf den heutigen Zeitgeist der Emanzipation. Wie Matthias Heitmann mit seinem Buch darlegte, existiert für ihn die klassische Frauenbewegung so nicht mehr. Ihre zentralen inhaltlichen Aspekte sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen und zeigen sich in der deutlich verbesserten Stellung von Frauen. Inzwischen beherrsche vielmehr eine Frauenbewegung „von oben“ den politischen Diskurs. Durch eher autoritäre Quotengesetze werden sogar reale Probleme wie beispielsweise eine ausgebaute und flächendeckende Kinderbetreuung noch überlagert.

Zum Abschluss seiner Lesung gab der Autor noch einen wichtigen Rat mit auf den Weg: „Scheuchen Sie den Zeitgeist aus seinem Versteck und befreien sie seine Beute: Die Freiheit!“