„Wir befördern in einem Jahr 30 Millionen Menschen.“

FlixBus-Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein über Mobilitätsinnovationen, Erwartungen an die Politik und die Zukunft des Fernbusmarktes

Nachricht04.08.2016
FlixBus
FlixBus-Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein im Interviewflixbus.de

Mit der Freigabe des Fernlinienbusverkehrs für Strecken, die vormals der Deutschen Bahn vorbehalten waren, entwickelte sich ein wahrer Boom auf dem deutschen Fernbusmarkt. Das Unternehmen Flixbus gilt dabei als Marktführer und bietet heute das größte Streckennetz Europas. Im Interview spricht Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein zu Mobilitätsinnovationen, Erwartungen an die Politik und die Zukunft des Fernbusmarktes.

Herr Schwämmlein, was sind die großen Trends der Digitalisierung im Fernbusmarkt und wie reagiert FlixBus darauf?

FlixBus reagiert nicht auf Trends sondern treibt Innovationen auf dem Fernverkehrsmarkt. Wir schaffen ein neuartiges Reiseerlebnis, denn auch unsere Entwickler arbeiten täglich an innovativen Lösungen, die die Standardprozesse von der Reiseplanung bis hin zur Ankunft am Reiseziel vereinfachen. Die Digitalisierung reicht bei FlixBus von der intuitiven Buchung auf unserer Webplattform oder die Mobiltelefon-App über den digitalen Check-In am Bus bis hin zu unserem digitalen Delay-Management-Tool. Unsere Fahrzeugflotte von über 1.000 Bussen wird ebenso digital in Echtzeit überwacht und gemanagt. In puncto Sicherheit und Arbeitserleichterung für unsere Fahrer ist dieser Aspekt nicht mehr wegzudenken. Unsere Kunden profitieren von der Digitalisierung, denn digitale und automatisierte Prozesse sind nicht nur schneller und transparenter sondern letztendlich auch effizienter und ressourcenschonender. Wir arbeiten täglich an weiteren digitalen Lösungen, die das Reisen angenehmer machen.       

FlixBus
Die Fahrzeugflotte von FlixBus umfasst über 1.000 Busse MichaSpa CC-BY-SA 4.0

FlixBus bietet Routen in ganz Europa an und hat Tochtergesellschaften in mehreren europäischen Ländern. Welche Unterschiede gibt es zwischen den Ländern hinsichtlich der politischen Rahmenbedingungen?

Jedes Land hat seine eigene Kultur, dies spiegelt sich auch am Fernbusmarkt wider. Neben bereits seit Jahrzehnten liberalisierten Märkten denken einige Länder in Zentraleuropa noch über die Öffnung des Fernbusmarktes nach. Aus diesem Grund war für uns völlig klar, dass wir nationale Gesellschaften in unseren Kernmärkten etablieren müssen, um mit einheimischem Know-how den Markt zu bearbeiten. Entsprechend unterschiedlich sind die Entwicklungsstadien der nationalen Märkte, was uns als grenzüberschreitendes Verkehrsunternehmen vor gewisse Herausforderungen stellt. Frankreich kam uns  beispielsweise 2015 mit einer sehr spontanen und relativ unbürokratischen Liberalisierung entgegen. Unter dem Strich helfen uns aber die Erfahrungen, die wir am deutschen Markt und den anderen Ländern machen. Denn weitere Staaten werden den Fernbusmarkt freigeben und wir wollen natürlich dort auch von der Pole Position starten.       

Sie sind auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen, sowohl auf gut ausgebaute Autobahnen als auch auf gut zu erreichende Haltestellen in den Städten. Wo sehen Sie den größten Nachholbedarf? Was erwarten Sie von der Politik?

Es nicht unser Stil uns zu beklagen. Wir erwarten von der Politik, dass der bis heute erreichte Standard erhalten bleibt, wir also neuerlich keine Steine in den Weg gelegt bekommen. Und viele Städte – außer Köln – realisieren die positiven Auswirkungen des Fernbusverkehrs und sind beim Thema Infrastruktur auch kooperativ. Gemeinsam mit vielen Städten entstehen verbesserte, zentrale Haltestellen mit guter Anbindung an den Nahverkehr, so wie es unsere Kunden bevorzugen. Wir müssen auch zukünftig die Städte und Kommunen davon überzeugen, dass zweckmäßige Infrastruktur nicht Unsummen kosten muss. Wir wollen nichts geschenkt bekommen aber die Entscheider müssen auch anerkennen, dass unsere mittelständische Partnerschaft eigenwirtschaftlich fährt und keinen Cent Subventionen erhält. Dieses Jahr werden wir so rund 30 Millionen Menschen befördern, eine Zahl, die ziemlich beeindruckend ist. Ein offener Dialog und die Einbeziehung unserer Spezialisten bilden in den Regionen die besten Voraussetzungen für die Schaffung einer guten verkehrlichen Infrastruktur.      

Wie wird sich Mobilität in den nächsten 15 Jahren verändern? Welche Rolle spielt hier der Fernbus?

Der Fernbus wird auch über die Grenzen Europa hinaus als soziale und moderne Alternative zu schienengebundenem Fernverkehr eine immer wichtigere Rolle spielen. Der Mobilitätsbedarf wird in der nächsten Dekade weiter ansteigen und damit auch der Grad der Vernetzung der einzelnen Verkehrsträger. Unser Ziel ist nicht zuletzt die Reduzierung des globalen Individualverkehrs durch einen nationenübergreifenden öffentlichen Fernverkehr. Und dies ist wiederum nur sinnvoll durch digitale Exzellenz erreichbar. Wir sind hier auf einem guten Weg.