Extremismus

Wie umgehen mit dem neuen Rechtsextremismus?

„Wir brauchen eine Repolitisierung der Bürger"

Nachricht15.05.2019
Identitaere
Wie geht man mit rechten Parolen um?picture alliance/ZUMA Press

Wieder Schlagzeilen um die Rechtsextremen, doch wie geht man mit rechten Parolen um? Das erklärt Christoph Giesa, der für die Stiftung einen Ratgeber zum Thema verfasst hat, im Interview. 

Martin Sellner gilt als Leitfigur und Anführer der "Identitären Bewegung Österreich". Der 30-jährige bekommt Spenden von Hunderten Menschen aus Europa – unter anderem auch aus Deutschland, das berichtet die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch.  Auch der spätere Christchurch-Attentäter gehörte zu seinen Gönnern.

1.500 Euro soll der Attentäter an Sellner Anfang 2018 gespendet haben. Ein gutes Jahr später stellte sich heraus, dass der Spender 51 Menschen beim Angriff auf zwei Moscheen in Christchurch ermordet hatte.

 

Christoph Giesa
Kommunikationsexperte Christoph Giesa: "Alte Parolen im neuen Gewand sind bis in die Mitte der Gesellschaft hinein anschlussfähig geworden."

Welche neuen Strategien empfehlen Sie im Umgang mit Populisten, was hilft, ihre Anziehungskraft zu schmälern? Und welche Rolle können dabei politische Stiftungen einnehmen?

Die Radikalen sind auch in eine Lücke hineingestoßen, die durch Zweifel und Unzufriedenheit, aber auch eine gewisse Lethargie entstanden ist. Kaum jemand hätte doch geglaubt, dass wir fundamentale Fragen wie die europäische Einigung oder die Demokratie noch einmal grundsätzlich begründen und verteidigen müssen. Wir brauchen eine Repolitisierung der Bürger, die wir derzeit mit Initiativen wie Pulse of Europe, #ichbinhier oder Schmalbart in Teilen schon sehen. Dann fühlt sich der Einzelne in einer Konfrontation mit radikalem Denken auch nicht mehr so überfordert oder alleine. Das ist wichtig, denn nur, wer selbst überzeugt ist, kann auch andere überzeugen. Für diese Agenda bieten sich die politischen Stiftungen als Partner geradezu an.

Ganz praktisch: Wenn jemand im Bekanntenkreis gegen die vermeintliche „Überfremdung“ wettert oder Minderheiten diskriminiert – welche Kommunikations-Tipps können Sie geben, um bestmöglich zu kontern?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Die richtige Reaktion hängt nicht nur davon ab, was gesagt wird, sondern auch von wem und in welchem Kontext. Hat man es mit jemandem zu tun, der unsicher Parolen nachbetet? Dann sollte man sich darum bemühen, mögliche Ängste zu verstehen, Missverständnisse zu beheben. Bei einem hartgesottenen Anhänger rechter Ideologie verbietet sich genau das wiederum, alleine schon, um diesem Denken keine Plattform zu bieten. Und auch, um sich selbst zu schützen. Grundsätzlich gilt: Bei den Fakten bleiben, aber sich nicht alleine auf die Fakten verlassen. Je besser man jemanden kennt, desto mehr Möglichkeiten hat man, positiv Einfluss zu üben. Und je mehr Menschen das Gespräch - online oder offline - verfolgen, desto wichtiger ist es, dass man nicht zurücksteckt. Zwei Strategien, die meistens ganz gut funktionieren: Nachfragen, statt sich selbst zu rechtfertigen und Solidarität organisieren, um nicht alleine zu kämpfen.

Dieser Artikel wurde am 28.08.2018 aktualisiert.

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