„Wie gefällt Ihnen Pakistan?“

Pakistan - das (noch) unentdeckte Reiseland

Analyse22.08.2017Dr. Almut Besold
Der Nanga Parbat im Himalaya ist mit 8126 m neunthöchster Berg weltweit und gilt als sehr schwierig zu besteigen.
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Nach Pakistan reisen nicht eben viele Touristen – und im Übrigen auch nicht sonderlich viele Geschäftsleute. Pakistan hat weltweit einen schlechten Ruf: Armut, Bomben, Terroristen, politisch nicht unbedingt stabil - und dysfunktional dazu. Darüber hinaus katastrophale Überschwemmungen, und dann immer wieder Dürren, die vielen Menschen das Leben kosten. Aber auf die Mutigen, die eine Reise nach Pakistan wagen, warten kulturelle und historische Schätze, sowie großartige landschaftliche Schönheit.

Nichts ist hier vergleichbar mit dem, was wir in Deutschland gewohnt sind. Das Land ist mit über 800.000 km2 deutlich größer als Deutschland und hat eine Bevölkerung von rund 200 Millionen Menschen. Es gibt nicht nur eine Amtssprache (nebst zwei anerkannten Minderheitensprachen) wie bei uns. Nein, in Pakistan gibt es zwei Amtssprachen und dazu noch rund 60 weitere Sprachen und entsprechend viele ethnische Gruppen. Von den vier benachbarten Ländern Iran, Afghanistan, China und Indien sind, bis auf den großen Nachbarn China im Norden, alle ungeliebt.

Einem in Pakistan lebenden Ausländer stellen Einheimische gerne die Frage: „Wie gefällt es Ihnen hier?“ Wem es gelingt, diese Frage positiv zu beantworten, wird Pakistan auch als Reiseland preisen. Was wäre also ein Grund, in ein solches Land zu reisen? Wer reist, möchte sich im Regelfall erholen, zumindest aber etwas Schönes erleben und sich nicht fürchten müssen. Und trotz alledem: Es gibt ausländische Touristen in Pakistan – nicht viele, aber es gibt sie.

Pakistans Hauptmagnet für Reisende aus dem Ausland sind nicht primär die sehr sehenswerten sechs Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes, sondern – es mag nicht überraschen – die Berge. Pakistans Landschaft ist vielfältig, von Sonne bis Schnee, von Meer bis Berge, alles ist da. Mit China teilt sich Pakistan vier Achttausender, die alle im Karakorum Gebirge liegen. Der fünfte Achttausendmeterberg (Nanga Parbat) liegt im Himalaya auf pakistanischem – allerdings umstrittenem – Territorium. Dem Nanga Parbat galt in den 1930er Jahren die Aufmerksamkeit der deutschen Bergsteigerelite: Er ist die größte sichtbare, freistehende Massenerhebung der Erde und die gen Süden gelegene Wand des Nanga Parbat ist mit 4500 Metern die höchste Gebirgswand weltweit. Im Juni 2013 töteten Taliban-Kämpfer dort zehn ausländische Bergsteiger und ihren pakistanischen Bergführer zur Rächung eines durch eine US-Drohne getöteten Talibanführers.

In Gilgit-Baltistan im Norden Pakistans treffen die drei gewaltigen Gebirgszüge Hindukusch, Himalaya und Karakorum zusammen.
In Gilgit-Baltistan im Norden Pakistans treffen die drei gewaltigen Gebirgszüge Hindukusch, Himalaya und Karakorum zusammen.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Terror über Terror?

Das ist leider nicht zu leugnen, auch wenn die Größe des Landes die Schreckenszahlen zu relativieren vermag. Die wirklich am Land Interessierten schreckte der Terror bislang nicht ab, vor allem da dieser sich nicht – anders als in anderen Ländern – gezielt gegen Ausländer richtet. Wer Pakistan kennengelernt hat, ist begeistert ob der Gastfreundschaft und der Farbenvielfalt – sei es in der Natur oder bei den Kleidern. Gleichzeitig beeindruckt die Einfachheit und Ursprünglichkeit des Lebens.

Es ist unwahrscheinlich, dass der internationale Tourismus in den nächsten Jahren signifikant ansteigen wird. Pakistans Infrastruktur ist im Übrigen auch kaum auf anspruchsvolle Reisende ausgelegt. Der Inlandstourismus wächst jedoch deutlich an, denn die Pakistaner beginnen die Schönheit ihres eigenen Landes, insbesondere die Bergregion im Norden, zu entdecken.

Sommerfrische in Pakistan

Von Islamabad, der grünen, erst in den 1960ern großzügig angelegten Hauptstadt kommend, erreicht der Reisende nach nur einer Autostunde auf rund 2300 Metern Höhe die Kleinstadt Murree. Sie ist die bekannteste unter den vielen kleinen Fremdenverkehrsorten in den Bergen („hill stations“), die von den Briten Mitte des 19. Jahrhunderts zur Erholung angelegt wurden. Hinter Murree beginnen die sogenannten „Galiyats“ – kleine Dörfer, die sich an der durch die Berge windenden Straße von Murree nach Abbottabad wie Perlen aneinanderreihen. Es sind beliebte Feriendomizile im Sommer, da sich dort der in der Tiefebene herrschenden Hitze entkommen lässt. Viele Pakistaner haben hier ihre Ferienhäuser und verbringen oft Wochen in der angenehmen frischen Bergluft, weshalb sie die lange Anreise aus Lahore (fünf Autostunden) oder gar Karatschi (zwei Flugstunden) ohne weiteres in Kauf nehmen.

Auch unser Stiftungsbüro, von dem aus die Projektarbeit in vielen Landsteilen gesteuert wird, befindet sich in der Hauptstadt und heißt auch deutsche Besucher gerne willkommen!

Eine Reise durch die Geschichte Pakistans

Pakistan in seiner Ursprünglichkeit zu erleben ist mehr als eine (einzige) Reise wert! Diejenigen, die ihren Weg nach Pakistan finden, sind begeistert und kommen oft wieder. Kleinodien sind insbesondere die eingangs erwähnten Weltkulturerbestätten. Für die an der bronzezeitlichen Indus-Kultur Interessierten ist das am Unterlauf des Indus gelegene Mohenjo-Daro, eine historische stadtähnliche Siedlung, von größter Bedeutung. Es ist das vermutete Hauptzentrum einer der drei frühen Hochkulturen der Menschheit: der Induskultur (2600-1800 v.Chr.). Ein ganz besonderer Höhepunkt ist der Besuch der beiden Weltkulturerbestätten, die an die buddhistische Vergangenheit Pakistans erinnern: Taxila, die Hauptstadt des Ghandara-Reiches, sowie Takht-i Bahi mit seinen weitläufigen Anlagen einer buddhistischen Klosterruine. Wer sich mehr für die jüngere Geschichte, insbesondere das indische Mogulreich interessiert, der wird die Rohtas-Festungsanlage unweit Islamabads besuchen wollen: Es handelt sich um ein Beispiel für die Anfänge islamischer militärischer Architektur im asiatischen Raum aus dem Jahre 1541. Ebenfalls zur Mogulzeit gehören die Shalimar-Gärten in Lahore. Die heutige Provinzhauptstadt des Punjab mit ihren rund sieben Millionen Einwohnern war einst Prunkstätte des indischen Mogulreiches. Die als viergeteilter Garten erdachte Anlage in Form eines persischen Gartens wurde ab 1642 von Kaiser Shah Jahan gebaut: auf dass die Liebenden umgeben von wohlduftenden Blumen und Singvögeln aus aller Welt dort ihr Glück finden. Den Abschluss der Reise von einer Weltkulturerbestätte zur nächsten bildet die kleine, rund 100 Kilometer östlich von der Hafenmetropole Karatschi gelegene Stadt Thatta. Hier kann der Besucher eine der schönsten Moscheen – wiederum aus der Mogulzeit –besichtigen: die 1647 fertiggestellte Shah-Jahan-Moschee. Ebenfalls zum Weltkulturerbe in Thatta gehört eine gewaltige Nekropole (Friedhofsanlage) mit mindestens 300.000 zum Teil prächtigen Grabmälern aus der Zeit  zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert. Hier sind auch viele Sufi-Mystiker beigesetzt.

Der oben genannte – islamische – Sufismus spielt bis heute in Pakistan eine große Rolle. Er ist allerdings stark durch den von Saudi-Arabien und den Golfstaaten ausgehenden wahhabitischen Einfluss unter Druck geraten. Nicht nur in Thatta wurden bedeutende Sufi-Mystiker beigesetzt. Zu den bekanntesten Schreinen in Pakistan gehören der des Lal Shahbaz Qalander (gest. 1275) in Sehwan (130 Kilometer nordwestlich von Hyderabad/Sindh). Wiederholt gab es in den letzten Jahren Anschläge auf Schreine, so etwa am 16. Februar 2017 in Sehwan, wo ein Selbstmordattentäter über 80 Personen mit in den Tod riss. Schreine sind traditionell Stätten der Toleranz und des Friedens – die Menschen kommen zum Beten unabhängig von ihrer Religion. Das ist muslimischen Extremisten ein Dorn im Auge.

Für die Daheimgebliebenen

Beliebte Mitbringsel aus Pakistan sind Schmuck aus Halbedelsteinen, Lederprodukte oder das hübsche, in der südpunjabischen Stadt Multan gefertigte, Geschirr. Gerne kaufen Besucher auch Tabletts, Tassen, ja selbst Flaschen, die im Truck-Art-Design bemalt sind.

Die ideale Reisezeit hängt vom Reiseziel ab. Für die Berge im Norden ist der Sommer die beste Reisezeit, für die südlichen Gebiete ist wetterbedingt der Winter zu empfehlen.

Fünf Fakten, die überraschen:

1) Jeder Pakistaner weiß, was für einen schlechten Ruf das Land hat – aber sie sind immer wieder überrascht, dass Nichtpakistaner außer Terror tatsächlich nichts (oder kaum etwas) mit Pakistan verbinden.

2) Die meisten Pakistaner lieben Chai. Das ist ein starkes, mit Milch und Zucker versetztes Schwarzteegetränk. In Pakistan kann anders als im Nachbarland Indien aus klimatischen Gründen Tee nicht angebaut werden.

3) Sanddorn kommt ursprünglich aus Pakistan. Obwohl er nach wie vor hier wächst, wird er nicht verarbeitet.

4) Nicht überall in Pakistan ist das Essen scharf. Im Norden kann das Essen erstaunlich mild sein.

5) In Pakistan haben Pfefferstreuer drei bis fünf Löcher und Salzstreuer nur ein Loch, ganz im Einklang mit der Verwendung von beidem: In Pakistan isst man, im Vergleich zu Deutschland, eher salzarm, aber dafür scharf!

Dr. Almut Besold ist Projektleiterin Pakistan der Stiftung für die Freiheit.

Für Medienanfragen kontaktieren Sie unsere Pakistan-Expertin der Stiftung für die Freiheit:

Dr. Almut Besold
Friedrich Naumann Foundation for Freedom - Pakistan
Tel.: +92 51 2 65 57 50