Wie arbeiten wir in der Zukunft?

Enterprise 2.0, Wissensmanagement, Recruiting und Kreativität

Analyse21.06.2016René Sternberg
Wie arbeiten wir in der Zukunft?
Arbeitsumgebungen der Zukunft erfordern auch neue Organisationsformen des Arbeitrenspikto-graf / flickr / CC-BY-NC 2.0

Arbeiten 4.0, NEW WORK, Working Out Load: Buzzwords, die momentan in aller Munde sind. Politiker und Personalabteilungen beschäftigt die Frage, wie Menschen in der Zukunft zusammen arbeiten. Digitalisierung, Netzwerkorganisation, agiles Arbeiten, Partizipation, und Führen 2.0 sind einige mögliche Antworten und Zielimages für moderne Organisationen. Wir fragten Experten: Sind diese neuen Organisationsbilder realistisch? Kann die Netzwerkorganisation Hierarchien obsolet machen? Was braucht es, um die Benefits solcher neuer Organisationsformen für eigene Projekte nutzbar zu machen?

René Sternberg, der das Seminar inhaltlich konzipierte und moderierte, veranschaulichte, wie sich die Gesellschaft durch das Internet verändert. Manche Wissenschaftler sprechen von einer Revolution. Ort und Zeit spiele in der Kommunikation keine wichtige Rolle mehr, da mit jedem Menschen auf der Erde per (Video-)Chat kommuniziert werden kann. Früher war dies per Brief deutlich komplizierter. Die Digitalisierung verändere auch die Arbeitswelt. Früher litten Mitarbeiter unter Informationsdefiziten und heute unter Informationsüberflutungen, wie der eigene E-Maileingang jeden Tag beweist. Intensiv wird beispielsweise die Frage diskutiert, ob Netzwerke die Hierarchien abschaffen. René hat dazu eine klare Position. Es komme auf die Situation an, ob Netzwerke oder Hierarchien genutzt werden. Netzwerke ersetzen demnach nicht die Hierarchien, sondern ergänzen sie.

René Sternberg

In fast allen Firmen, die ich berate finden wir "Schatten-IT": Mitarbeiter suchen sich unabhängig von der IT-Abteilung des Unternehmens für sich passende Werkzeuge, um Ihre Arbeit zu machen. Das ist natürlich ein großes Compliance-Risiko.

René Sternberg, Informationsarchitekt HIRSCHTEC GmbH & Co. KG

Dieser Frage wurde auch am Filmabend nachgegangen. Verschiedene Ausschnitte aus den "Augenhöhe"-Filmen und von Vorträgen von Gunter Dück sowie Thomas Sattelberger regten die Diskussion über neue Formen des Wirtschaftens an. Beispiele zeigen, wie Führungskräfte von der Belegschaft gewählt werden oder welche Freiheiten Mitarbeitern eingeräumt werden. Wie der Name schon sagt, ging es darum, wie das tägliche Miteinander auf Augenhöhe erreicht werden kann.

Wie arbeiten wir in der Zukunft?

CC by AUGENHÖHEworks

Hans-Georg Schnauffer, Präsident der Gesellschaft für Wissensmanagement, stellte an verschiedenen Beispielen (Semco S/A, Poult, CHRONO Flex, The Dark Horse) dar, wie sich Unternehmen radikal wandelten und welche Erfahrungen sie damit machten. Entscheidungsfindung, Wissensgenerierung und die Rolle von Strukturen ändern sich immer mehr.

     

    Hans-Georg Schnauffer, Vorstand und Präsident, Gesellschaft für Wissensmanagement e.V.

    Wenn Sie einem Mitarbeiter einen Schraubenzieher auf den Tisch legen, können Sie auch nich verhindern, dass er damit Gartentore aufbricht."

    Hans-Georg Schnauffer, Vorstand und Präsident der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V.

    Der Schlüssel zum Erfolg ist laut Schaufler das Vertrauen in die Mitarbeiter. Schnauffer veranschaulichte, wie Wissensorganisationen funktionieren müssen, damit sie nicht mehr Jahre brauchen, um von Produktidee zur Marktreife zu gelangen. Dies gelinge, indem die folgenden drei Dimensionen einer Organisation gut ineinandergreifen:

    1. Primärorganisation – hierarchische Linienstruktur zur effizienten Abwicklung von Routineaufgaben
    2. Sekundärorganisation – zeitliche befristete Parallelorganisation (Projekte) zur Lösung von einmalig anfallenden Aufgaben und Problemen
    3. Tertiärorganisation – Netzwerke und Communities zum Generieren, Teilen und Multiplizieren von Wissen

    Wie arbeiten wir in der Zukunft?

    (C) The RSA

    Matthias Schmeißer ist Tech Recruiter bei Zalando und formulierte einige spannende Thesen und zeigte zahlreiche Beispiele aus der Praxis des Personalwesens. So glaubt er, dass viele Mitarbeiter nicht mehr auf dem klassischen Wege gefunden werden. Gute Personaler finden die passenden Kandidaten über Werkzeuge der digitalen Welt. Eine spezifische Suchmaske bei LinkedIn oder XING gehört noch zu den leicht vorstellbaren Sachen. Bots, die Bewerbungsgespräche aufzeichnen und bei der Beurteilung helfen, hören sich dagegen noch utopisch an. Sicher ist sich Matthias, dass die Bewerbungsprozesse durch zahlreiche neue Werkzeuge deutlich schneller ablaufen. So genügt schon jetzt manchmal ein Klick für eine klassische Bewerbung, indem die eigenen Profildaten von LinkedIn oder XING zur Firma übertragen werden. In diesem Kontext ist der Kauf von LinkedIn durch Mircosoft auch spannend.

    Matthias Schmeißer, Tech Recruiter bei Zalando SE

    Autonomy, Mastery and Purpose, also Selbstbestimmung, Beherrschen des eigenen Berufes und Sinnhaftigkeit der Tätigkeit - das sind die drei Faktoren, nach denen modernes Human Ressource Management immer fragen muss.

    Matthias Schmeißer, Tech Recruiter, Zalando SE

    Eine spezifische Suchmaske bei LinkedIn oder XING gehört für Schmeißer noch zu den leicht vorstellbaren Sachen. Bots, die Bewerbungsgespräche aufzeichnen und bei der Beurteilung helfen, hören sich dagegen noch utopisch an. Sicher ist sich Matthias, dass die Bewerbungsprozesse durch zahlreiche neue Werkzeuge deutlich schneller ablaufen. So genügt schon jetzt manchmal ein Klick für eine klassische Bewerbung, indem die eigenen Profildaten von LinkedIn oder XING zur Firma übertragen werden.

    Mehr Souveränität in der Arbeit: Was meinen Sie?

    Individuelle Arbeitszeitvereinbarungen finde ich zeitgemäß, ich arbeite auch effektiver, wenn ich mehr Freiheiten habe.
    95% (37 Stimmen)
    Präsenzpflicht und festgelegte Arbeitszeiten sind für den Erfolg eines Unternehmens auch heute essentiell.
    5% (2 Stimmen)
    Total votes: 39

    Damit nicht nur theoretisch über die Zukunft der Arbeit diskutiert wird, veranstaltete Kristina Mann von der Deutschen Telekom einen Design-Thinking Workshop. Dabei gab es einen Crash-Kurs durch die Methode, die dann gleich angewendet wurde. Thema war die Gestaltung des Arbeitsplatzes. Die Seminarteilnehmer überlegten, wie die eigene Arbeit durch moderne Medien und Neugestaltung erleichtert wird. Zahlreiche, spannende Lösungsvorschläge konnten in kurzer Zeit realisiert und diskutiert werden. Dazu gehörte die einfache Möglichkeit des Wechselns zwischen Ruhearbeit und Teamarbeit, die Ablösung von Routinearbeit durch Workflows und die Verbesserung des Ideenmanagements durch die Digitalisierung des Einreichungs- und Abstimmungsprozesses, der zur Verwirklichung anregt.

     

    Krisitina Mann, T-Labs (Research & Innovation)

    Desirability, Viability und Feasability, also Attraktivität, Wirtschaftlichkeit und technische Machbarkeit sind die konzentrischen Kreise, in deren Schnittfläche Innovation ensteht. Moderne Arbeit sucht diese Schnittfläche mit Design Thinking.

    Krisitina Mann, T-Labs (Research & Innovation)

    Die Seminarteilnehmer modellierten wie die Arbeit durch moderne Medien und Neugestaltung des Arbeitsumfelds erleichtert werden kann. Zahlreiche spannende Lösungsvorschläge konnten in kurzer Zeit realisiert werden:

    • Einfacheres Wechseln zwischen Ruhearbeit und Teamarbeit
    • Ablösung von Routinearbeit durch Workflows
    • Verbesserung des Ideenmanagements durch die Digitalisierung der Einreichungs- und Abstimmungsprozesse und Verfahren, die Verwirklichung anregen.

    Das Feedback der Teilnehmer war eindeutig. Die Zukunft der Arbeitswelt ist ein spannendes Thema, welches sich lohnt in weiteren Veranstaltungen zu vertiefen. Die (Arbeits-)Welt befindet sich gerade in einem massiven Umbruch, der gefühlte Unsicherheiten steigen lässt aber auch zahlreiche Möglichkeiten eröffnet. Diese gilt es zu diskutieren und zu nutzen.

    Unser Fachreferent für Soziale Marktwirtschaft

    Dr. Fabian Disselbeck
    FDP-Bundesgeschäftsstelle
    Tel.: +49 30 64820115