Weibliche Genitalverstümmelung stoppen!

6. Februar – Internationaler Tag der Nulltoleranz gegen weibliche Genitalverstümmelung

Nachricht06.02.2018Dr. Maximilian Spohr
Weibliche Genitalverstümmelung stoppen!
CC BY-NC-ND 2.0 flickr.com/ UNICEF Ethiopia

Weibliche Genitalverstümmelung, oftmals verharmlosend als weibliche Beschneidung bezeichnet, verfolgt viele Betroffene ihr ganzes Leben lang. Denn neben den physischen Schmerzen hinterlässt die oft aus traditionellen oder religiösen Gründen durchgeführte Prozedur auch tiefe Narben auf der Seele.

Mit dem Begriff „weibliche Genitalverstümmelung“ (Female Genital Mutilation/ Cutting, FGM/C) werden alle nicht-medizinischen Praktiken oder Verfahren umschrieben, die die teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Genitalien oder ihre Verletzung beinhalten.

Die 4 Klassifizierungstypen von FGM/C der WHO (von Terre des Femmes)

Typ I   - Entfernung oder Beschädigung der Klitoris und/oder Klitorisvorhaut
Typ II  - zusätzlich zu Typ I werden die inneren Schamlippen gekürzt oder komplett entfernt
Typ III - komplettes äußeres Genital wird entfernt und bis auf ein kleines Loch zugenäht
Typ IV - jegliche andere Praktiken die teilweise physische und/oder psychische Schäden hinterlassen

FGM/C wird zudem meist im frühen oder frühsten Kindesalter durchgeführt und stellt damit auch eine Verletzung der Kinderrechtskonvention dar. Weltweit sind schätzungsweise 200 Mio. Frauen und Mädchen von FGM/C betroffen.

Weibliche Genitalverstümmelung stoppen!

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit unterstützt den Einsatz für Nulltoleranz aus tiefer Überzeugung. Die unantastbare Menschenwürde der Frauen muss verteidigt und ihre Verletzung durch Genitalverstümmelung verhindert werden.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Zwar haben Prävalenz und Zustimmungsraten im Verlauf der letzten 30 Jahre in vielen betroffenen Ländern abgenommen, viele verschiedene - vor allem sozio-kulturelle Gründe - machen FGM/C jedoch in Ländern wie Somalia, Ägypten oder Äthiopien zu einem enorm hartnäckigen und komplexen Menschenrechtsproblem. Besonders häufig fürchten Frauen und Mädchen die soziale Ausgrenzung durch ihr Umfeld, wenn sie sich oder ihre Töchter dem Ritual nicht unterziehen. Dies führt zum Teil sogar dazu, dass die Zustimmungsraten unter der weiblichen Bevölkerung höher ausfallen als unter der männlichen, wie etwa in Guinea oder Sierra Leone.

In mehreren Ländern können demgegenüber jedoch auch Erfolge im Kampf gegen FGM/C erzielt werden. So ist etwa in der Elfenbeinküste ein Fortschritt zu verzeichnen, für den sich die Stiftung Djigui mit Unterstützung der Friedrich-Naumann-Stiftung seit Jahren einsetzt.

Darüber hinaus wird FGM/C oft auch aus religiösen Überzeugungen praktiziert, wie zum Beispiel in Indonesien. Im benachbarten Malaysia wurde FGM/C im Jahr 2009 sogar zur religiösen Pflicht erklärt, was die Verbreitung offenbar noch beförderte. Doch lässt sich FGM/C keinesfalls eindeutig aus den religiösen Schriften des Islams herleiten. Anders als bei der männlichen Beschneidung bestehen diesbezüglich auch große Unterschiede unter den islamischen Staaten, die die Praxis verbieten (wie etwa Ägypten) oder gar zur Pflicht erklären, wie in Malaysia. Die Sisters in Islam, langjähriger Kooperationspartner der Friedrich-Nauman-Stiftung, sind Expertinnen für das islamische Recht und eine der weltweit wichtigsten islamischen Frauenrechtsorganisationen.

Aber FGM/C betrifft nicht nur Afrika, Asien oder den Mittleren Osten. Auch in westlichen Staaten wird FGM/C zunehmend zu einem Problem, da es als Tradition oder religiöser Brauch unter Migranten aus den entsprechenden Ländern aufrechterhalten wird. Auch in Deutschland befasst sich das Familienministerium mittlerweile mit diesem Thema und hat im Jahr 2017 seine erste Studie dazu vorgelegt. Hiernach gibt es in Deutschland ca. 50.000 Betroffene und ca. 1.500-5.700 gefährdete Mädchen. Diese stammen überwiegend aus Eritrea, Somalia und dem Irak.

Aufklärungsarbeit und Bildung sind die wichtigsten Schlüssel zu einer Verbesserung der Situation in den betroffenen Ländern – aber auch bei uns. Vor diesem Hintergrund setzt sich die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit mit ihren Partnern weltweit gegen diese Menschenrechtsverletzungen ein.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verlieh 2016 den Raif-Badawi-Award u. a. an Hero Jafaar, Leiterin des Frauenzentrums in Halabja, Nord-Irak, die selbst ein Opfer der Genitalverstümmelung ist. Sie und das Journalistinnen-Team vom Radio Dange NWE klären in ihrem Programm öffentlich über die Folgen der Genitalverstümmelung auf.

Für Medienanfragen kontaktieren Sie unseren Menschenrechts-Experten der Stiftung für die Freiheit:

Dr. Maximilian Spohr
Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Tel.: +49 30 288778 33