WALTER-SCHEEL-PREIS
Walter-Scheel-Preis: Entwicklung mit Augenmaß

5. Walter-Scheel-Preis an Dr. Auma Obama verliehen
Dr. Auma Obama erhielt den 5. Walter-Scheel-Preis
Dr. Auma Obama erhielt den 5. Walter-Scheel-Preis © Ute Grabowsky/photothek

Krieg, Hungersnot, Flüchtlinge: Das Afrikabild vieler Deutscher ist von Klischees und Ressentiments geprägt. Dass die junge Bevölkerung, die Offenheit für Innovation, Technologie und Freihandel sowie das starke Wirtschaftswachstum Afrika zum Zukunfts- und Chancenkontinent machen, wird dabei oft übersehen. 1,3 Milliarden vornehmlich junge Menschen bieten ein enormes wirtschaftliches Entwicklungspotenzial. Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, müssen die Menschen zu selbstständigem Handeln befähigt werden. Diesem Leitgedanken folgt auch die „Auma Obama Foundation Sauti Kuu“, die benachteiligte afrikanische Kinder und Jugendliche auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet. Die „Starken Stimmen“ (Sauti Kuu) der jungen Menschen sollen gehört und ihre Meinung respektiert werden. Für ihr Engagement wurde die Gründerin und Vorsitzende der Stiftung, Dr. Auma Obama, gestern Abend in Bonn mit dem 5. Walter-Scheel-Preis für besondere Dienste um die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ausgezeichnet.

Für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die den Walter Scheel-Preis zusammen mit der Walter-Scheel-Stiftung und dem Freundeskreis Walter Scheel verleiht, hat die deutsch-afrikanische Zusammenarbeit Tradition. Afrika spiele in der Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung eine große Rolle, deren Bedeutung stetig weiter zunehme, betonte Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, in seiner Begrüßung zur Verleihung des 5. Walter-Scheel-Preises. Die Naumann-Stiftung versuche, die in Afrika vorhandenen Potenziale zu fördern. Mit Blick auf die weltwirtschaftliche Entwicklung begünstigen, so Paqué, zwei Faktoren die Zukunft Afrikas in besonderem Maße:

  1. Die Digitalisierung erlaubt es, ohne massive Investitionen in die Infrastruktur an der weltweiten Kommunikation und somit an der Weltwirtschaft teilzuhaben.
  2. Die Globalisierung und der internationale Handel, denen insbesondere in Afrika eine zentrale Bedeutung zukommen: 55 afrikanische Länder bieten großes, bisher nicht genutztes Potenzial für wirtschaftliche Integration wie wir sie in Europa schon seit Jahrzehnten vollziehen.

Um dieses wirtschaftliche Potenzial Afrikas nutzen zu können, müssen laut Paqué die Menschen zu selbstständigem Handeln befähigt werden. Auma Obamas Sauti-Kuu-Stiftung nehme dabei eine weltweite Vorbildfunktion ein.

Sie habe geschafft, woran staatliche Entwicklungsarbeit oft krankt. Ihr nachhaltiges Konzept beruht auf Eigenverantwortung statt Fremdbestimmung und Wertschöpfung statt Almosen. Nachhaltigkeit stehe im Vordergrund, denn ohne wirtschaftliche Entwicklung könne es keine nachhaltige Armutsbekämpfung geben.

Diesem Gedanken folgend, erinnerte Dirk Niebel, ehemaliger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie Initiator des Walter-Scheel-Preises, an die Grundidee Scheels bei der Gründung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Jahr 1961: wirtschaftlicher Erfolg als Basis globaler Armutsbekämpfung. Dabei gehe es nicht um die schlichte Vergabe staatlicher Hilfszahlungen, sondern um wirtschaftliche Kooperation, von der beide Seiten gleichermaßen profitieren. Ein Land könne schließlich nicht von außen entwickelt werden, sondern sich nur selbst entwickeln. In diesem Prozess müsse es durch Entwicklungskooperation unterstützt werden. So mache sich erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit langfristig selbst überflüssig.

In Ländern wie Kenia oder Nigeria, treffe man zudem, so Niebel, bereits heute auf eine international gebildete und vernetzte Mittelschicht, die vorhandenes Wissen nutzt, um ihre Länder wirtschaftlich voranzubringen. Das zu unterstützen, sei laut Niebel die eigentliche von Entwicklungszusammenarbeit. 

„Die beste Entwicklungszusammenarbeit ist die, die sich selbst überflüssig macht.“

Dirk Niebel, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung a.D.
Dirk Niebel

Gestärkt werden müsse, was systemverändern wirken kann: „Entwicklungskooperation muss bedeuten, ein System so zu verändern, dass niemand von außen mehr benötigt wird – und dass jeder die Chance hat, erfolgreich zu sein.“ Um dieses Aufstiegsversprechen zu ermöglichen, müssen jedoch noch große Herausforderungen bewältigt werden. Vor allem, so Niebel, müssen die Menschen an sich selbst glauben und an ihre Chance, selbst etwas bewegen zu können. Auma Obamas Sauti-Kuu-Stiftung, die genau diesen Ansatz zur Selbstbefähigung verfolge, habe daher einen starken Vorbildcharakter.

Die Preisträgerin selbst zeigte sich in ihrer Dankesrede erfreut: „Die Verleihung der Walter-Scheel-Preis stärkt mich in meinem Engagement und zeigt, dass wir bei Sauti Kuu den richtigen Weg gehen."

Dieser Weg war keinesfalls vorbestimmt. Obama wurde 1960 in Nairobi geboren, wo sie in einer streng patriarchalischen Gesellschaft mit wenig individueller Freiheit aufwuchs. Früh flüchtete sie sich in die Werke Brechts und Bölls. Die Lektüre weckte in ihr den Wunsch, im Heimatland der Schriftsteller zu leben. Ohne ihren Vater über ihre Pläne zu informieren, studierte sie in Heidelberg Germanistik und Soziologie. Es folgte die Promotion an der Universität Bayreuth. Nach beruflichen Stationen in Deutschland und Großbritannien kehrte sie nach Kenia zurück und gründete die "Auma Obama Foundation - Sauti Kuu". Die Stiftung bereitet benachteiligte afrikanische Kinder und Jugendliche auf ein selbstbestimmtes Leben vor.

Die Zukunft gehört Afrika

Obama betonte in ihrer Dankesrede, dass Menschen eine Gesellschaft nur verändern können, wenn sie an ihr teilhaben. Dafür brauchen sie eine wirtschaftliche und soziale Stimme. Die Auma Obama Foundation Sauti Kuu unterstütze junge Menschen dabei, ihre Stimme zu finden. Die Menschen müssten verstehen, dass sie eine Gesellschaft verändern können und dass alle die Chance haben, erfolgreich zu sein. Die Wirtschaft habe dabei zentrale Bedeutung: Nur wenn die Menschen es schaffen, sich selbst zu ernähren und selbstständig Geld zu verdienen, können sie ein menschenwürdiges Leben führen. Dafür ist laut Obama jedoch die Erkenntnis notwendig, dass die Menschen selbst ein Teil der Wertschöpfungskette sein müssen. 

Afrika habe hinsichtlich der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung aber einen großen Vorteil: Die Afrikanerinnen und Afrikaner haben die Möglichkeit die weitere wirtschaftliche Entwicklung so zu gestalten, dass sie nicht die „Fehler des Westens“ wiederholen. In Europa habe man die Entwicklung vorangetrieben, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. In Afrika habe man jedoch ausreichend Platz und nachhaltige Ressourcen zur Verfügung, um eine ökologisch verträgliche Wirtschaftsentwicklung zu gestalten. Denn, so stellte Obama fest: „Der afrikanische Kontinent ist nicht arm.“ Die Zukunft gehört Afrika.

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Jordi Razum, Kommunikationsreferent
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