Walter-Scheel-Preis
5. Walter-Scheel-Preis für Auma Obama

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die Walter-Scheel-Stiftung und der Freundeskreis Walter Scheel verleihen den 5. Walter-Scheel-Preis an Frau Dr. Auma Obama, Gründerin und Vorsitzende der "Auma Obama Foundation – Sauti Kuu" in Kenia.
Dr. Auma Obama erhielt den 5. Walter-Scheel-Preis
Dr. Auma Obama erhielt den 5. Walter-Scheel-Preis © Ute Grabowsky/photothek

Krieg, Hungersnot, Flüchtlinge: Das Afrikabild vieler Deutscher ist von Klischees und Ressentiments geprägt. Dass die junge Bevölkerung, die Offenheit für Innovation, Technologie und Freihandel sowie das starke Wirtschaftswachstum Afrika zum Zukunfts- und Chancenkontinent machen, wird dabei oft übersehen. Immer mehr junge Afrikanerinnen und Afrikaner nehmen ihr Schicksal in die eigene Hand und nutzen die Chancen der Digitalisierung. Die Start-up-Szene in afrikanischen Großstädten boomt. Deutsch-afrikanische Entwicklungszusammenarbeit muss daran anknüpfen: Kooperation und Investition können die Entwicklungspotenziale heben; Partnerschaft auf Augenhöhe ist der Schlüssel. Diesem Leitsatz hatte sich bereits der erste Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Walter Scheel, im Jahr 1961 gewidmet. 

Über sein europapolitisches Engagement stieß Walter Scheel auf die Probleme der "Dritten Welt", die aus seiner Sicht im deutschen Politikbetrieb zu wenig beachtet wurden. Seine große Chance kam nach der Bundestagswahl vom September 1961, als die CDU/CSU ihre absolute Mehrheit verloren hatte und mit der FDP Koalitionsverhandlungen führte. Dabei setzte Scheel die Einrichtung eines "Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit" durch. Er musste dabei heftigen Widerstand aus dem Auswärtigen Amt und dem Wirtschaftsministerium überwinden, die Kompetenzen und Ressourcen abgeben sollten.

Binnen Kurzem wurde unter seiner Leitung ein neues Ministerium aufgebaut, das sich vor allem den Beziehungen zu den Ländern und Regionen auf der Südhalbkugel widmete und ihre wirtschaftliche Entwicklung förderte. Im Zeichen der Globalisierung ist die Bedeutung der internationalen Entwicklungszusammenarbeit deutlich gestiegen; auch hier erwies sich Walter Scheel als weitsichtiger politischer Pionier.

Anlässlich des 50. Jahrestag der Gründung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung initiierte Dirk Niebel 2011 als damaliger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den Walter-Scheel-Preis für besondere Dienste um die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Seit 2015 kooperiert die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hierfür mit dem Freundeskreis Walter Scheel. Seither wird der Preis alle zwei Jahre für besonderes Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit vergeben. 2019, im Jahr des 100. Geburtstages Walter Scheels, verleihen die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die Walter-Scheel-Stiftung und der Freundeskreis Walter Scheel den 5. Walter-Scheel-Preis an Frau Dr. Auma Obama, Gründerin und Vorsitzende der "Auma Obama Foundation – Sauti Kuu" in Kenia.

Laut Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, hat "Dr. Auma Obama geschafft, woran staatliche Entwicklungsarbeit oft krankt. Ihr nachhaltiges Konzept beruht auf Eigenverantwortung statt Fremdbestimmung und Wertschöpfung statt Almosen. Die von ihrer Stiftung betreuten jungen Menschen werden zu verantwortungsvollen Erwachsenen, die ihr Leben finanziell selbst bestreiten können. Dr. Auma Obama ist somit ein weltweites Vorbild für nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit."

Kampf gegen das Klischee

Der Weg von Auma Obama war dabei keineswegs vorgezeichnet: Als sie 1960 als Tochter eines kenianischen Regierungsbeamten in Nairobi geboren wurde, schien ihr ein selbstbestimmtes Leben verwehrt. Aufgewachsen in einer streng patriarchalischen Gesellschaft, geprägt vom Haushalt mit drei Brüdern, denen wesentlich mehr persönliche Freiheiten eingeräumt wurden, flüchtete sich Auma Obama in die Werke Brechts, Borcherts und Bölls. Die Lektüre weckte in ihr den Wunsch, im Heimatland der Schriftsteller zu studieren und zu leben. Ohne ihren Vater vorab über ihre Pläne zu informieren, studierte Auma Obama mit Hilfe eines DAAD-Stipendiums in Heidelberg und Saarbrücken Germanistik und Soziologie. Es folgten die Promotion an der Universität Bayreuth und ein Abschluss an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Nach und nach wurde Deutschland für Auma Obama eine neues Stück Heimat. Die Beziehung nach Kenia riss derweil nie ab – im Gegenteil: Bereits während des Studiums gab Dr. Obama Seminare zum Thema Afrika, mit dem Ziel, das häufig negativ belastete Bild der Deutschen über afrikanische Länder ("Armut, Elend, wilde Tiere") grundlegend zu revidieren. Stets kämpfte sie gegen das Klischee der mittel- und rechtlosen Afrikanerin an.

Nach beruflichen Stationen in Deutschland und Großbritannien kehrte Dr. Obama nach Kenia zurück, wo sie zunächst bei internationalen Hilfsorganisationen soziale Projekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche initiierte. In ihrer Überzeugung, dass Menschen befähigt sein sollten, für ihre eigenen Träume kämpfen zu können, gründete Obama schließlich eine Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Die "Auma Obama Foundation – Sauti Kuu" mit Sitz in Kenia und Deutschland bereitet seither benachteiligte afrikanische Kinder und Jugendliche auf ein selbstbestimmtes Leben vor. Die "Starken Stimmen" (Sauti Kuu) der jungen Menschen sollen gehört, ihre Meinung respektiert werden. Ein positives Selbstbild wird dabei ebenso gefördert, wie die Befähigung zu Eigeninitiative und selbstverantwortlichem Handeln. Musste Auma Obama selbst aus Kenia flüchten, um Germanistik zu können, sollen afrikanische Kinder und Jugendliche mit Unterstützung der "Auma Obama Foundation – Sauti Kuu" ihre Träume selbst wahr werden lassen. Ziel der Organisation ist es, dass die betreuten Kinder zu verantwortungsvollen Erwachsenen werden, die ihr Leben finanziell bestreiten können. So leistet die Auma Obama Foundation Entwicklungszusammenarbeit der anderen Art: Eigenverantwortung statt Fremdbestimmung, Wertschöpfung statt Almosen. Dafür verliehen ihr die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die Walter-Scheel-Stiftung und der Freundeskreis Walter Scheel am 19. November den 5. Walter-Scheel-Preis.

Walter Scheel im Profil, 1970er Jahre
Walter Scheel im Profil, 1970er Jahre © Archiv des Liberalismus, FD-121, Foto Darchinger

Namenhafte Preisträger

Die Preisträgerin reagierte erfreut über die Bekanntgabe: "Ich verließ mein Land Kenia, um meine starke Stimme zu finden. Mit Unterstützung der Auma Obama Foundation Sauti Kuu sollen Kinder und Jugendliche ihre Stimme finden und ihre Träume wahr werden lassen - ohne dabei ihre Heimat verlassen zu müssen. Die Verleihung der Walter-Scheel-Preis stärkt mich in meinem Engagement und zeigt, dass wir bei Sauti Kuu den richtigen Weg gehen, um das zu ermöglichen."

Obama wird damit Teil der namenhaften Reihe der Walter-Scheel-Preisträger: Als erste Preisträger wurden 2011 Ulrich Wickert, Michael Otto, Asfa-Wossen Asserate und Nia Künzer für ihr Engagement in der deutsch-afrikanischen Entwicklungszusammenarbeit ausgezeichnet. Den 2. Walter-Scheel-Preis im Jahr 2013 erhielten die "Afghanistan-Schulen", ein Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan, sowie der Journalist Dirk Steffens für sein Engagement bei der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF). 2015 erhielten James Shikwati, Direktor des „Inter Region Economic Network, Kenia, und Professor Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme der Universität Freiburg, den Scheel-Preis. Schließlich wurden 2017 Amadou Diaw, Gründer und Direktor der ersten privaten Wirtschaftsschule Westafrikas und Ulrich Grillo, ehem. Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ausgezeichnet. 

Engagement auf dem afrikanischen Kontinent

Der Walter-Scheel-Preis ist somit Teil des starken Engagements der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit auf dem afrikanischen Kontinent. So unterstützt die Stiftung das afrikanische kontinentale Freihandelsabkommen "The African Continental Free Trade Agreement (AfCFTA)" der Afrikanischen Union. Gleichzeitig konzentriert sich die Projektarbeit in den einzelnen afrikanischen Ländern darauf, Innovationen und Mut zu unternehmerischem Risiko, insbesondere von jungen Menschen, zu stärken. So arbeitet die Stiftung beispielsweise in Kenia mit dem Think-Tank-Partner Inter Region Economic Network (IREN) zusammen, wodurch Start-Ups gefördert und Jungunternehmer beraten werden. In Tansania kooperiert die Stiftung mit der "Tanzania Youth Vision Association", um Kapazitäten für Jugendorganisationen im zivilen und sozialökonomischen Bereich zu ermöglichen.

Wie auch Dr. Obama mit ihrer Stiftung Strukturen schafft, um junge Menschen zur Eigenständigkeit zu verhelfen, möchte auch die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit jungen Afrikanerinnen und Afrikanern Perspektive bieten. Eigenständigkeit, Eigenverantwortung und Mut für Unternehmertum sind der Schlüssel – getreu dem Motto Walter-Scheels: "Nichts geschieht ohne Risiko, aber ohne Risiko geschieht auch nichts."

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Jordi Razum, Kommunikationsreferent
Jordi Razum
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