Vor 150 Jahren: Gründungsprogramm der Nationalliberalen Partei

Liberale Stichtage

Nachricht09.06.2017Archiv des Liberalismus
Archivalien der Nationalliberalen Partei
Archivalien der Nationalliberalen ParteiArchiv des Liberalismus

Als am 12. Juni 1867 die neue Nationalliberale Partei mit ihrem Programm an die Öffentlichkeit ging, stand dies ganz im Zeichen der „Realpolitik“. In den vorausgegangenen 12 Monaten war eine Menge politisch passiert: Die Habsburger-Monarchie war gewaltsam aus Deutschland gedrängt worden, ein direkt gewähltes Nationalparlament war zusammen getreten und eine gemeinsame Verfassung für die deutschen Staaten nördlich des Mains war verabschiedet worden.

Diese Entwicklungen entsprachen zu einem Gutteil dem Programm, mit dem die Deutsche Fortschrittpartei fast genau sechs Jahre zuvor angetreten war. Aber eben nur teilweise, denn diese von den meisten deutschen Liberalen gewünschten Schritte waren eben nicht unter liberalen, sondern unter preußisch-machtstaalichen Vorzeichen vor sich gegangen.

Eine strategischen Neuorientierung des Liberalismus stand an, wurde aber nur von den Nationalliberalen vollzogen, die sich von der Fortschrittspartei abspalteten, deren Reste der Entwicklung und ihrem Spiritus Rector Bismarck ablehnend gegenüber standen.  Die Nationalliberalen stellten sich auf den Boden der Tatsachen und setzten auf die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Ministerpräsidenten Preußens und nunmehrigen Kanzler. Sie wollten dabei ihre liberalen Ziele nicht aufgeben, die nicht nur auf dem Feld der nationalen Einheit bestanden, da Süddeutschland dem neuen Bund (noch) nicht angehörte. Auch stand der innere Ausbau des neuen Staates an und hier wollten die Nationalliberalen kräftige Pflöcke einschlagen, um die „liberalen Ansprüche des Volkes“ zu befriedigen. In Bezug auf die Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik ist ihnen dies im Laufe des nächsten Jahrzehntes auch gut gelungen. Allerdings beruhte ihr Einfluss in dem allenfalls krypto-parlamentarischen System des 1871 begründeten Kaiserreiches nicht allein auf ihre Stellung im Reichstag, wo sie bis 1879 die stärkste Kraft stellten, sondern auch auf Bismarcks Bereitschaft zur Zusammenarbeiten. Als diese ab 1878 zu Ende war, schwanden auch Einfluss und parlamentarische Stärke der Nationalliberalen Partei.

Auf eine bemerkenswerte Passage am Schluss ihres Gründungsprogramm, konnte sich allerdings später nicht nur Friedrich Naumann, sondern viele Neuerer des liberalen Programms berufen: „Die Endziele des Liberalismus sind beständige, aber seine Forderungen und Wege sind nicht abgeschlossen vom Leben und erschöpfen sich nicht in festen Formeln. Sein innerstes Wesen besteht darin, die Zeichen der Zeit zu beachten und ihre Anspruche zu befriedigen.“

Festordnung zum 25-Jährigen Bestehen der Nationalliberalen Partei, 1892
Festordnung zum 25-Jährigen Bestehen der Nationalliberalen Partei, 1892ADL, Bestand Friedrich Böttcher, N45-1007

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Gründungsprogramm vom 12. Juni 1867
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