Volksaufstand
"Um die Freiheit geht es!"

Bundespräsident Theodor Heuss hielt beeindruckende Rede zum Volksaufstand in der DDR
Teodor Heuss
Theodor Heuss © picture alliance/akg-images

Die Volksbewegung in der DDR am 17. Juni 1953 hatte nicht nur die SED überrascht, sondern auch die Politiker in der Bundesrepublik. Sie zeigten sich unschlüssig, wie die Ereignisse des 16. und 17. Juni zu bewerten seien. Eine Antwort gab Bundespräsident Theodor Heuss in einer Gedenkstunde des Bundestags am 21. Juni 1953. Es war sein zweites Auftreten vor dem Parlament seit seiner Wahl zum Staatsoberhaupt, wobei von ihm das freiheitliche Moment der Aufstände sowie deren gesamtdeutsche Bedeutung betont wurden. 

„Und um die Freiheit geht es! Um die Freiheit des Menschen, um die Freiheit der Menschen. Freiheit des Menschen in seinem politischen, in seinem religiös-kirchlichen Bekenntnis, dass er von Angst und Bedrängnis befreit den Sinn seines Lebens selber suchen und zu erfüllen trachten könne. Freiheit der Menschen zu ihrer gemäßen, zu der ihnen gemäßen Gestaltung der öffentlichen Regelung ihres Gemeinschaftslebens.“

Teodor Heuss
Theodor Heuss

Mit seiner beeindruckenden Rede gab Heuss eher unbeabsichtigt einen wichtigen Anstoß dafür, dass der Bundestag kurz danach beschloss, den 17. Juni zum nationalen Gedenk- und Feiertag zu machen. Heuss tat sich mit dieser Entscheidung nicht ganz leicht, weil er für 1954 eine Kollision mit dem 10. Jahrestag des Attentats vom 20. Juli fürchtete, das er gern zum zentralen Gedenktag gemacht hätte.

Zwar stellte er öffentlich die Bundestagsentscheidung nicht in Frage, brachte aber intern zum Ausdruck, dass der eigentliche nationale Gedenk- und Feiertag nur das Datum sein könne, an dem die deutsche Wiedervereinigung vollzogen würde. Dass es genau dazu 1990 kam, erlebte der Ende 1963 verstorbene Heuss nicht mehr.

Heuss-Rede „Um die Freiheit“ (21.6.1953), anlässlich des 17. Juni: 

Heuss
Die Rede von Theodor Heuss. © Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, 23.6.1953
Heuss Rede
© Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, 23.6.1953