Verantwortung ist der Preis der Freiheit

Kaspar Villiger erhält in der vollbesetzten Frankfurter Paulskirche den Freiheitspreis 2016

Nachricht12.11.2016
 "Der bedeutendste liberale Staatsmann, den die Schweiz in den vergangenen dreißig Jahren hervorgebracht hat.“
"Der bedeutendste liberale Staatsmann, den die Schweiz in den vergangenen dreißig Jahren hervorgebracht hat.“Friedric-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Das politische Lebenswerk des ehemaligen Schweizer Bundespräsidenten Kaspar Villiger ist von reformfreudigen liberalen Ideen und Projekten mit Sinn für Verantwortung geprägt. Dafür ist er von der Stiftung für die Freiheit in der Frankfurter Paulskirche mit dem diesjährigen Freiheitspreis ausgezeichnet worden. 

Die Paulskirche im Herzen von Frankfurt - das Symbol demokratischer Bewegung in Deutschland. Hier tagten im 19. Jahrhundert die Männer der Frankfurter Nationalversammlung. Seit 2006 ist das historische Gebäude alle zwei Jahre Austragungsort des Freiheitspreises der Stiftung für die Freiheit. Mit der Auszeichnung werden liberale Impulsgeber geehrt, die besonders zur Fortentwicklung freiheitlicher Ziele und Werte in der Welt beigetragen haben. Voraussetzungen, denen der diesjährige Preisträger, der ehemalige Schweizer Bundespräsident Kaspar Villiger, genau entspricht. Egal ob als Familienunternehmer, Wirtschaftsfachmann oder Spitzenpolitiker - liberale Ideen und Projekte haben sein Wirken stets geprägt.

Kein Wunder also, dass auch in diesem Jahr die Frankfurter Paulskirche bis auf den letzten Platz besetzt war, als Wolfgang Gerhardt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung für die Freiheit, den Ehrengast mit den Worten „Willkommen im Wohnzimmer des politischen Liberalismus“ begrüßte. Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, sagte, es sei, als wäre Kaspar Villiger an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt, so sehr passe seine Persönlichkeit und sein unermüdliches Ringen um Freiheit, wie es die Nationalversammlung in der Paulskirche 1849 getan hätte, an diesen Ort.

Neben dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und hochrangigen Vertretern aus Politik und WIrtschaft, waren auch mehrere Besucher extra aus der Schweiz angereist.

Sichtlich bewegt schilderte Kaspar Villiger, wie er und seine Geschwister sich Deutschland schon seit Kindesbeinen an durch familiäre Beziehungen verbunden fühlen. Eine Tatsache, die dieser Auszeichung eine ganz besondere Note gibt. Schmunzelnd fügte er hinzu: „[Aber] vielleicht wollen Sie mit Ihrem Preis ja auch ein wenig das Schweizer Volk ehren, das in generationenlanger harter Arbeit ein erfolgreiches liberales Gemeinwesen aufgebaut hat.“ 

Zusammenleben in Frieden und Wohlstand 

Unter dem Thema „Zusammenhang von Freiheit und wirtschaftlicher Blüte“ stellte der ehemalige Schweizer Bundespräsident die Frage: „Wie muss unser Zusammenleben organisiert sein, damit wir fehlbaren und unvollkommenen Menschen in Frieden und Wohlstand miteinander leben können?“

Das Gleichgewicht zwischen Moral und Regulierung zu finden ist hierbei die größte Herausforderung, erklärte Villiger. Natürlich ist und war es immer seine Überzeugung, „dass Menschen mündig sind und sich nur in Freiheit wirklich entfalten und verwirklichen können“. Doch, so betonte Villiger: „Die Freiheit bedarf der Bändigung und der Kanalisierung, damit nicht die Freiheit des Einen, die des Anderen zerstört.“

Kaspar Villiger

Verantwortung ist der Preis der Freiheit.

Kaspar Villiger, Freiheitspreisträger 2016

Hierbei kommt der Verbindung zwischen Individuum und Kollektiv eine besondere Bedeutung zu, so Villiger. Denn „so individuell wir uns auch fühlen mögen, so sehr sind wir vom Kollektiv abhängig, ohne das wir als Individuen niemals lange überleben könnten“. Deshalb „müssen wir eine kluge Balance finden zwischen einem freiheitlichen Pol mit Elementen wie Individuum, Markt, Selbstverantwortung, Dezentrale und Freiheit, sowie einem kollektiven Pol mit den komplementären Elementen Kollektiv, Staat und Solidarität, Zentrale und Sicherheit“. 

Für Villiger bieten daher das „Prinzip der Verantwortung“ und das „Prinzip des Wettbewerbs“ die wirksamsten Mittel, um die Freiheit zu bändigen.  

Bedeutender liberaler Staatsmann 

Die Idee der Freiheit ist sowohl ein Auftrag zur Verantwortung als auch eine Haltung, die Villiger sich stets zu eigen gemacht hat, beschrieb die Generalsekretärin der FDP, Nicola Beer MdL, den Preisträger in ihrem Grußwort. „Er denkt langfristig und solide, er ist offen und flexibel, er ist ein Freund von Reformen“, hatte Karen Horn, Vorsitzende der Jury, in ihrer Begründung hinzugefügt. 

Villigers größte Reformerfolge würdigte Ludwig Theodor Heuss, der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung und Enkel des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, dann auch in seiner Laudatio. So sind es vor allem die Einführung der Schuldenbremse sowie die große Föderalismusreform in der Schweiz, mit denen Villiger in seinem Heimatland bleibende Spuren als erfolgreicher Wirtschaftspolitiker hinterlassen hat. "Der bedeutendste liberale Staatsmann, den die Schweiz in den vergangenen dreißig Jahren hervorgebracht hat“, so Heuss. 

Den Bogen zwischen dem diesjährigen Preisträger und dem historischen Veranstaltungsort schlagend, erinnerte Heuss auch nochmal an die liberalen Gründerväter der Schweiz, die das Nachbarland im 19. Jahrhunderts zu einem sicheren Zufluchtsort für viele Männer der Paulskirche gemacht hatten.

Den freiheitlichen Diskurs aus der Theorie in die Realität holend, widmete sich Villiger in seiner Ansprache auch den Herausforderungen, mit denen die Gesellschaft zurzeit weltweit konfrontiert ist: Demokratieverdrossenheit, Wertekonflikte und eine in Verruf geratene Marktwirtschaft. 

Er stellte fest: „Globalisierung und Marktwirtschaft, die Treiber der langfristig positiven Entwicklung, werden seit der Finanzkrise plötzlich zu Sündenböcken. Ideologien, Populismus und Nationalismus kehren zurück.“ Vor diesem Hintergrund sind „liberale politische Kräfte mit dem Mut zum Widerstand gegen den Mainstream und gegen die Populisten zur Korrektur fataler Fehlentwicklungen nötiger denn je“. Ziel muss es dabei sein „die Kräfte, Energien und Talente der Menschen [zu] entfesseln und nicht stets neu zu knebeln“, fügte Villiger hinzu. 

Auch die aktuell schwierige Situation der Europäischen Union thematisierte Villiger - als Bürger der Eidgenossenschaft aus besonders interessanter Perspektive. Er sprach sich hierbei für eine EU aus, „die mit mehr Freiheit, mehr Selbstverantwortung und mehr Systemkonkurrenz ihre Selbstheilungs- und Wachstumskräfte entfesselt und gleichzeitig die gemeinsamen Interessen wirksam vertritt“. 

Kaspar Villiger

Das Labormodell Schweiz [zeigt], dass das erfolgreiche Zusammenleben von Verschiedenem auf der Basis (…) liberaler Prinzipen möglich ist. 

Kaspar Villiger, Freiheitspreisträger 2016

Freiheit dauerhaft machen

Trotz weltweiter Krisen erinnerte Villiger daran, dass sich noch nie „so viele Menschen gemäß ihren Talenten und Neigungen entwickeln und sich frei auf dem Planeten bewegen“ konnten. Für ihn „das Resultat von Marktwirtschaft, Freihandel und globaler Arbeitsteilung“. Gerade deshalb dürfen wir „in der Verteidigung und Hochhaltung der Menschenrechte, der demokratischen Werte und der Freiheitsrechte nicht nachlassen“, appellierte er an seine Zuhörer. 

Als „eine Persönlichkeit, die nach ihrer Überzeugung genau das lebt, verkörpert und engagiert vertritt, was notwendig ist, um Freiheit dauerhaft zu machen“, hatte Wolfgang Gerhardt Kaspar Villiger zu Beginn charakterisiert. Dieser reiht sich nun ein in die namenhafte Reihe früherer Freiheitspreisträger, der bereits liberale Persönlichkeiten wie u.a. der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der Schriftsteller Mario Vargas Llosa oder die südafrikanische Politikerin Helen Zille angehören.

Live dabei 

Wie jedes Mal waren die rund 800 Karten für die Veranstaltung schnell vergriffen. Für alle Interessierten, die nicht vor Ort sein konnten, gab es daher erstmals einen Livestream der Veranstaltung auf der Facebook-Seite der Stiftung für die Freiheit. Dieser wurde nicht nur vielfach kommentiert und geteilt, sondern ist auch im Nachhinein weiterhin hier abrufbar. 

Finden Sie alle Reden der Festveranstaltung hier zum Herunterladen und Nachlesen: