US-Wahlkampf
Trump versucht New Mexico rot zu färben

US-Präsident Trump macht Wahlkampf in New Mexico, einer Hochburg der Demokraten
Donald Trump bei der Wahlkampfveranstaltung in Rio Rancho.
Donald Trump bei der Wahlkampfveranstaltung in Rio Rancho. © picture alliance / ZUMAPRESS.com Herunterladen

„Latinos for Trump“-Schilder zierten das Stadion und die Leute schwenkten sie, als Präsident Donald Trump sagte: „Wir lieben unsere Hispanics.” In dem Bestreben, seine Kerngruppe von Anhängern zu erweitern, besuchte Trump am Montagabend für seine erste Herbstkampagnenrallye eine für ihn sehr untypischen Region: Rio Rancho in New Mexico. Das ist ein demokratisch geprägter US-Bundesstaat, der seit 1992 nur einmal für einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten gestimmt hat. Vor einer tosenden Menge von Trump-Fans, die ihn mit dem patriotischen Gesang „USA, USA“ anfeuerten, projizierte Trump Zuversicht über seine Chancen, den blauen Staat zu gewinnen: „Wir glauben wirklich, dass wir diesen Staat zu einem republikanischen Staat machen werden.“

Trumps bizarrer Auftritt auf einer Bühne in einer Vorstadt nahe Albuquerque, das lange Zeit als eine Hochburg der Demokraten galt, ist eine bemerkenswerte Abkehr von seiner üblichen Praxis, Wahlkampfauftritte in Gebieten abzuhalten, in denen mehrheitlich republikanisch gewählt wird. Sie ist Teil einer Kampagne, die sich bemüht, einige demokratisch geprägte Staaten auf seine Art und Weise rot zu färben, ähnlich wie dies 2016 in Michigan und Wisconsin geschehen ist. Die Trump-Kampagne konzentriert sich insbesondere auf ein Trio von Bundesstaaten: New Hampshire, New Mexico und Nevada. Wegen der starken Unterstützung für Hillary Clinton im letzten Wahlkampf ist die Kampagne nun auf die Umwerbung neuer Wählerinnen und Wähler in diesen Staaten zugeschnitten. Trump muss hierfür insbesondere in New Mexico die spanischsprachige Bevölkerung für sich gewinnen.

Mit dieser Intention trat der jetzige Präsident am Montagabend vor die lateinamerikanische Bevölkerung. In seiner Rede fokussierte er sich auf die niedrige Arbeitslosenquote und die Ängste vor unkontrollierter Einwanderung. Dies waren auch die Hauptbestandteile seiner Wahlkampfbotschaft bei den Zwischenwahlen im letzten Jahr, wo die Republikaner letztendlich alle fünf Wahlkämpfe im Bundesstaat New Mexico verloren. Trump wies auch auf seine Bemühungen hin, die US-mexikanische Grenzmauer zu errichten, und betonte die bereits von ihm erzielten wirtschaftlichen Errungenschaften sowie sein Ziel neue Arbeitsplätze zu schaffen.

New Mexico: Trumps Backup-Plan für 2020?

Das ungewöhnliche Interesse der Trump-Kampagne an New Mexico ist zum Teil auf eine Rallye im vergangenen Februar zurückzuführen, die der Präsident im benachbarten Texas abgehalten hat. Beobachter stellten fest, dass die Veranstaltung in El Paso von weiblichen Wählern und solchen mit lateinamerikanischen Wurzel sowie insbesondere von Besuchern aus New Mexico gut besucht wurde. Das wurde als Indikator dafür angesehen, dass New Mexico ein in den Präsidentschaftswahlen „gewinnbarer Staat“ sein könnte. Darüber hinaus behaupteten sie, dass die strengen Einwanderungsmaßnahmen des Präsidenten für eine bestimmte Untergruppe von Wählern attraktiv sind. Gründe hierfür sind, dass sie selbst oder ihre Familienangehörigen einst legal eingereist sind und sie deshalb die Grenzsicherung unterstützen.

Trumps Outreach-Bemühungen wirken jedoch wie ein Backup-Plan für 2020, um die Wähler in Staaten, die Trump 2016 verloren hat, für sich zu gewinnen – eine sogenannte „Versicherungspolice“, falls traditionelle „Schlachtfeldstaaten“ (Battleground States) zugunsten seines demokratischen Gegners ausfallen sollten. Wahlsiege in New Mexico, New Hampshire und Nevada würde zum Beispiel den Verlust von Swing States wie Wisconsin, die von Wahl zu Wahl zwischen den Parteien pendeln und wo frühe Umfragen zeigen, dass Trump gegenüber den wichtigsten demokratischen Bewerbern zurückliegt, ausgleichen. Trumps Strategie für 2020 ist deshalb weniger ein Kampf um verfügbare Swing States, als vielmehr ein Versuch, traditionelle demokratische Hochburgen wie New Mexico für sich gewinnbar zu machen, sowie die Wahlbeteiligung dort zu erhöhen und damit die demokratische Stimmenmehrheit anzugreifen.

Die Chancen stehen schlecht

Nichtsdestotrotz ist der Gewinn New Mexicos durch die Republikaner 2020 höchst unwahrscheinlich. Trump verlor den Staat im Jahr 2016 um acht Prozentpunkte gegen Clinton. Im vergangenen Jahr verlor seine Partei sogar einen Sitz im Repräsentantenhaus und den Sitz des Gouverneurs. Republikaner erlitten auch in drei anderen Staaten, die eine Grenze zu Mexiko haben - Kalifornien, Texas und Arizona - empfindliche Niederlagen, als Trump eine aus Mexiko kommende illegale „Karawane“ zu einem zentralen Punkt seiner abschließenden Kampagne für die Zwischenwahl 2018 machte.

New Mexico ist auch der Staat mit dem höchsten Anteil an Hispanics und Latinos (ungefähr die Hälfte der Einwohner). Dass Trump mit seiner Angstmacher-Kampagne gegen eine angebliche „Invasion“ von Migranten aus dem Süden und seinen unterdurchschnittlichen Zustimmungsraten genug Wähler werben kann, ist kaum vorstellbar. Laut Umfragen fühlen sich amerikanische Latinos unsicherer als vor 2016, auch wegen der harten Rhetorik gegen Einwanderer, wie sie Trump am Montagabend demonstrierte. Und da lateinamerikanische Haushalte mit größerer Wahrscheinlichkeit von Armut und Ernährungsunsicherheit betroffen sind als andere, sind sie aufgrund der von Trump jährlich vorgeschlagenen Haushaltskürzungen, in einer besonders prekären Lage. In einer Umfrage des Pew Research Center im vergangenen Monat lag Trumps Missbilligungsrate bei Hispanics bei 79 Prozent.

Trumps Bemühungen in New Mexico werden zeigen, wie gut seine oft harte Rhetorik gegenüber Einwanderern bei Wählern mit lateinamerikanischem Hintergrund ankommt, die fast 40 Prozent der Wähler in New Mexico ausmachen. Er muss erhebliche Anstrengungen unternehmen, um dort Fuß zu fassen. Doch Trump hat einen großen Vorteil: den Luxus der Zeit und eine riesige Kriegskasse. Mit mehr als 100 Millionen US-Dollar in bar hat Trump die Freiheit, nach unorthodoxen Gelegenheiten zu suchen, um in unkonventionellen Teilen des Landes Wählerstimmen zu gewinnen.

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Daniela Oberstein, Pressereferentin und stellv. Pressesprecherin Ausland
Daniela Oberstein
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