Thomas-Dehler-Preis 2007 an Wladimir Ryschkow verliehen

24.10.2007

Wladimir Ryschkow, Duma-Abgeordneter und russischer Oppositioneller ist vom Präsidenten der Thomas-Dehler-Stiftung, Hermann Rind, vor 300 Gästen im voll besetzten Saal des Literaturhauses in München mit dem Thomas-Dehler-Preis 2007 ausgezeichnet worden. Die Laudatio hielt der Journalist und langjährige Leiter des ZDF in Moskau, Dirk Sager, die Festrede der Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff.

Hermann Rind, Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung begründete in seiner Begrüßungsansprache die Wahl des Preisträgers mit folgenden Worten: „Wladimir Ryschkow wird aufgrund der zweimaligen Änderung des Parteiengesetzes durch Präsident Putin in der nächsten Duma nicht mehr vertreten sein können. Trotzdem hat er bekräftigt, dass er auch außerparlamentarisch weiter für Demokratie und die Einhaltung der Verfassung in Russland kämpfen werde, dies war für uns der Grund, gerade ihn mit dem diesjährigen Thomas-Dehler-Preis auszuzeichnen.“

Neben dem gesamten Vorstand der Thomas-Dehler-Stiftung begrüßte der Präsident die Landesvorsitzende der bayerischen FDP, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger MdB und das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Rolf Berndt. Er bedankte sich besonders bei Falk Bomsdorf, dem langjährigen Leiter des Büros Osteuropa der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, der den Kontakt mit Wladimir Ryschkow hergestellt hatte.

„Die Bedeutung der Freiheit für die Staatenwelt des 21. Jahrhunderts“ war das Thema der Festrede des Europaabgeordneten Alexander Graf Lambsdorff. Er beglückwünschte den Preisträger mit den Worten: “Herzlichen Glückwunsch, lieber Wolodja, zum Thomas-Dehler-Preis 2007, es hätte keinen Besseren treffen können, ich weiß, wie sehr Du diesen Preis verdient hast.“ Seine Forderungen nach einer Zusammenarbeit der freiheitlichen Staaten stützt sich auf drei Säulen, um die Herausforderungen der Staatengemeinschaft im 21. Jahrhundert zu bewältigen:

Erstens: Der Westen muss sich wieder seines gemeinsamen Freiheitskonzeptes bewusst werden. Zweitens: Dieses Freiheitskonzept muss selbstbewusst nach außen vertreten werden und drittens: Die Verbreitung der Freiheit kann nur im Dialog erfolgen. Ihre Verteidigung ist keiner Diskussion zugänglich. Sein Appell: Um Freiheit überall zu verwirklichen sind ein langer Atem, viel Geduld, Augenmaß und Respekt der Partner untereinander ebenso notwendig wie Festigkeit bei der Verteidigung der eigenen Freiheit. Dann könnte vielleicht Kants Ideal vom ewigen Frieden unter den Menschen Wirklichkeit werden.

In seiner Laudatio beschrieb Dirk Sager den Werdegang Wladimir Ryschkows, der in den 90er Jahren beim Aufbau des neuen Russlands dabei sein wollte. Er wurde 1993 als jüngster Abgeordneter in die Duma gewählt und blieb Demokrat, als viele andere der „Lust an den Spielen der Macht und den Verlockungen erschlichenen Reichtums“ erlagen. Bereits zu Beginn der Amtszeit Präsident Putins erkannte er die Gefahr der Wiederentstehung eines zentralen „Macht-Molochs“. Bei den Dumawahlen 2003 gewann Wladimir Ryschkow sein Abgeordnetenmandat in direkter Wahl. Dies wird bei den diesjährigen Duma-Wahlen nicht mehr möglich sein: Putin hat das Parteiengesetz zweimal geändert, Direktwahlen gibt es nicht mehr. Auch die Wahl über die Liste der Republikanischen Partei ist nicht mehr möglich, die Anzahl der Parteimitglieder wird von den Behörden nicht anerkannt. Deswegen sei es so wichtig, dass ein junger Demokrat ausgezeichnet werde, dies sei „auch eine Botschaft an seine Wähler und überhaupt an jene in Russland, für die der Mut des Preisträgers ein Vorbild sei.“

In seinen Dankesworten zeigte sich Wladimir Ryschkow glücklich und geehrt über die Verleihung der Auszeichnung. Er beklagte die Passivität der Wähler in Russland und ihre Konzentration auf das private Leben. Er habe versucht, die oppositionellen liberalen und demokratischen Kräfte in Russland zum Zusammenschluss zu bewegen, es sei nicht möglich gewesen. Bei den diesjährigen Duma-Wahlen werde die Opposition draußen bleiben, die Wahl sei nur eine Imitation einer Wahl. Er schloss mit den Worten: “Wir müssen jetzt eine wirklich starke demokratische Partei schaffen, wenn uns das in den nächsten vier Jahren nicht gelingt, wird es eine Katastrophe sein für die Demokratie in Russland“.

Gisela Bock

Hinweis: Am 13. November würdigt die Stiftung für die Freiheit in Berlin den früheren Justizminister und FDP-Chef Thomas Dehler. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Brigitte Zypries werden dabei sein. Mehr Informationen finden Sie