Spurlos unterwegs

Unser Vorstand Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über Datenschutz und die Mobilität der Zukunft

Meinung08.08.2016
Unser Vorstand Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich Mobilität
Unser Vorstand Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich MobilitätTobias Koch

Die Digitalisierung macht vor dem Mobilitätssektor nicht Halt. Egal wie wir unterwegs sind, wir hinterlassen digitale Spuren. Unser Vorstand Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bewertet im Interview diese Entwicklungen.

Die Digitalisierung macht auch vor dem Mobilitätssektor nicht Halt: Ob Carsharing, intelligente Transportsysteme oder autonomes Fahren in der Zukunft, wir hinterlassen digitale Spuren. Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie in diesen Entwicklungen?

Grundsätzlich gilt: Die technologische Entwicklung ist toll. Alleine der boomende Markt für Carsharing zeigt, wie Technik auch Umweltschutz fördern kann. Das Problem ist nur, dass die Digitalisierung des Transports auch Begehrlichkeiten weckt. Warum soll ein Airbag, der nicht genutzt wird, minütlich Geschwindigkeit erfassen und speichern? Oder warum soll ein Carsharing-Anbieter minütlich speichern, ob das Handy im Auto lag oder nicht? Im Moment schieben Autohersteller, Zulieferer und Mobilitätsanbieter die Verantwortung für den digitalen Riesenappetit immer auf die jeweils anderen. Am Ende muss der Gesetzgeber einen klaren Rahmen setzen, ohne überzuregulieren.
 

Wie kann man moderne Logistiklösungen anbieten und gleichzeitig Datenschutz gewährleisten?

„Big Data“ bedeutet nicht „no privacy“. Beispiel Auto: Wem gehören die Daten, die erhoben werden – dem Mobilitätsanbieter, dem Autohersteller oder dem Fahrer? Wir müssen Datenschutz von Anfang an mitdenken, so dass der Dreh- und Angelpunkt der Nutzer bleibt. Das geht über technischen Datenschutz, so dass der Fahrer weiß, was passiert, entscheiden und ggf. einwilligen kann. Dass mein Airbag mitdenkt, würde ich auf jeden Fall ablehnen.

Gerade Elektroautos erfreuen sich in den Großstädten heute bereits großer Beliebtheit. Anlässlich eines Unfalls wurden nun persönliche Daten vom Betreiber dem Gericht überlassen. Was bedeutet dies für die zukünftige Nutzung solcher Angebote?

Der spektakuläre DriveNow-Fall, indem in einem Gerichtsverfahren quasi über Nacht alle möglichen Daten vom Anbieter präsentiert wurden, zeigt, wie groß das Problem ist. Eine rollende Überwachung in Form eines Autos kann keiner wollen. Entscheidend ist, dass der Gesetzgeber endlich umfassend Bescheid weiß, was überhaupt gespeichert wird. Dazu müssen Autohersteller, Zulieferer und Anbieter Farbe bekennen, wer genau was wozu speichert. Die Bundesregierung muss dazu einen Prozess in Gang setzen, damit alle Beteiligten darüber klare Auskunft geben. Erst wenn die technische Seite klar ist, kann der Gesetzgeber den Rahmen besser setzen. Und das ist wirklich überfällig.