Schwerpunkt Afghanistan: Altstipendiaten-Konvent des VSA

11.11.2009

Der diesjährige Altstipendiaten-Konvent des Verbands der Stipendiaten und Altstipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (VSA) fand in Gummersbach in der Theodor-Heuss-Akademie statt – viele Stipendiaten freuten sich, nach vielen Jahren wieder in die THA, ihre alte Wirkungsstätte, zurück zu kehren.

Der Morgen des Konvents war geprägt durch vielseitige Präsentationen der verschiedenen liberalen Organisationen, die an der Hochschule und im liberalen Vorfeld tätig sind. Hierzu zählte auch erstmals der Verband Liberaler Akademiker (VLA), der hochrangig durch den Präses Michael Daemgen und der Vizepräses Brigitte Bremer vertreten war. Nach einer Begrüßung durch Gerhard Söltenfuß, Leiter des Bereichs Politische Bildung und Begabtenförderung der Stiftung für die Freiheit, und der Verlesung eines Grußworts des Ehrenvorsitzenden des Kuratoriums, Walter Scheel, startete der Konvent mit dem Themenschwerpunkt „Brennpunkt Afghanistan“.

Jährlich bis zwei Millionen Euro gesammelt

Der Bundeswehrarzt Reinhard Erös von der Kinderhilfe Afghanistan hielt einen umfangreichen, beeindruckenden Vortrag über das durch viele Kriege geschundene Land am Hindukusch, das er seit mehr als 24 Jahren aus eigener Arbeit vor Ort kennt. Weitere Inputs kamen von Vera Bohle, Urs Erösund Elke Hoff MdB.

Familie Erös hat viele Jahre in Afghanistan verbracht und dort ohne jegliche staatliche Unterstützung und nur mit privaten Spenden 25 Friedensschulen für mehr als 55.000 Schüler gebaut. Für diese Schulen in den besonders gefährdeten und gefährlichen Ost-Provinzen Afghanistans sammeln Erös und seine Frau Annette jährlich ein bis zwei Millionen Euro Spenden und bezahlen davon etwa 1.800 Lehrer, Ärzte, Bauarbeiter, Schreiner, Köche und Helfer in Afghanistan. Was übrig bleibt, fließt in neue Projekte, in die Lehrer-Weiterbildung oder in Krankenstationen. Für diese Arbeit erhielt das Ehepaar 2006 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und den Marion-Dönhoff-Förderpreis für internationale Verständigung.

Afghanische Stämme in die Gesellschaft einbinden

Urs Erös ist Stipendiat der Stiftung für die Freiheit und promoviert über das Thema „Afghanisches Stammesrecht und moderne Verfassung: Verdrängung oder Koexistenz unter wechselseitigem Einfluss?“ Erös setzt sich mit dem Spannungsverhältnis des jahrtausendealten Stammesrechts zur neuen, modernen Verfassung auseinander. In seinem Vortrag skizzierte er erste Erkenntnisse, die für die politische Praxis in Afghanistan von großer Bedeutung sein können. „Es hängt nicht zuletzt die Zukunft des Landes davon ab, ob es gelingt, die verschiedenen Stämme in die Gesellschaft einzubinden“, so Erös.

Vera Bohle ist die einzige international tätige weibliche Minenräumerin Deutschlands. Sie berichtete von ihren Einsätzen u.a. in Afghanistan, Angola, Bosnien, Kambodscha, Kongo, Kosovo, Sudan und Vietnam. Vera Bohle wurde 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz und 2005 mit dem Europäischen Friedenspreis ausgezeichnet. Vera Bohle sprach Klartext: „Mehr als 70 Länder sind mit Landminen kontaminiert, und die Opfer sind vor allem Zivilisten. Anti-Personen-Minen sind in perfider Weise darauf angelegt, Menschen zu verstümmeln und nicht zu töten, weil im Krieg ein verletzter Soldat mehr Ressourcen bindet als ein toter.“

Schwerpunkt beim Wiederaufbau des Landes

Elke Hoff MdB war in der vergangenen Legislaturperiode Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für Abrüstungspolitik. Neben Standorten der Bundeswehr in Afghanistan hat sie auch Einheiten der alliierten Partner beispielsweise im Süden des Landes besucht, um sich über Fortschritt und Erfolg der ISAF-Mission zu informieren. Darüber hinaus führte Hoff politische Gespräche mit Vertretern der jeweiligen Regierungen sowie mit Parlamentariern in Pakistan und Afghanistan.

In ihrem Vortrag analysierte Hoff die hochkomplexe politische und militärische Situation in Afghanistan und gab eine sehr abgewogene und differenzierte Bewertung ab. Einem sofortigen Abzug der deutschen Truppen erteilte sie eine klare Absage. Aber sie machte ebenso deutlich, dass die vielfach geforderte Verstärkung des militärischen Engagements und eine weitere Aufstockung der deutschen Truppen auch nicht die Lösung sein könne. Deutschland sei in Afghanistan weiter gefordert, aber der Schwerpunkt müsse jetzt beim Wiederaufbau des Landes und bei der humanitären Hilfe liegen.

Die anschließende Diskussion zum Thema „Was kann Deutschland für Afghanistan tun?“ war engagiert und lebhaft, teilweise auch emotional aufgeladen.

Liane Knüppel

Vizepräsidentin des VSA

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