Scheel gab der Bundesrepublik eine liberale Prägung

31.08.2009

Am 8. Juli konnte der ehemalige Vizekanzler und Bundespräsident Walter Scheel seinen 90. Geburtstag feiern. In seiner politischen Biographie spiegelt sich gewissermaßen die Geschichte der Bundesrepublik von ihren Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die jüngste Vergangenheit wieder. Auf der anderen Seite gehört Walter Scheel zweifelsohne zu den Persönlichkeiten, die die Geschicke unseres Staates entscheidend mitgeprägt haben. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat deshalb über Scheels Leben eine Ausstellung zusammengestellt, die derzeit in der Gummersbacher Theodor-Heuss-Akademie (THA) zu sehen ist.

In einer kleinen Feierstunde wurde die Ausstellung eröffnet. Der jetzt im Badischen wohnende Jubilar konnte zwar selbst nicht kommen, hatte aber seinen persönlichen Referenten geschickt, um seine Freude über diese Würdigung auszudrücken. Gerhard Söltenfuß, als Leiter des Bereichs Politische Bildung und Begabtenförderung der Stiftung für die Freiheit Hausherr der THA, konnte dazu zahlreiche Gäste begrüßen, darunter auch ehemalige Mitarbeiter und politische Weggefährten von Walter Scheel.

In seinem Willkommensgruß stellte Söltenfuß vor allem die politischen Tugenden des liberalen Politikers Scheel heraus, die die Grundlage für seinen politischen Erfolg gebildet hätten: Dieser habe sich u. a. durch einen untrüglichen politischen Instinkt für die richtige Situation, durch stets klare analytische Lagebeurteilung, durch persönlichen Mut und last but not least durch Konstanz und Verlässlichkeit ausgezeichnet. Diese Charaktereigenschaften ließen ihn gepaart mit starken Nerven unter seinen vielen politischen Konkurrenten herausragen.

Unnachahmliche Mischung aus Heiterkeit und Härte

Hauptredner des Abends war Botschafter a. D. Harald Hofmann, als persönlicher Referent, Bundesgeschäftsführer und Diplomat nicht zuletzt aus eigener Anschauung einer der besten Kenner der Scheelschen Vita. Seine Ausführungen über „Walter Scheel im Dienst der Bundesrepublik“ konnte er mit einigen Anekdoten zu dem letzten noch lebenden Minister der Adenauer-Ära bereichern, der später auch wegen seiner „unnachahmliche Mischung aus Heiterkeit und Härte“ berühmt wurde. Besonders Interesse fand Hofmanns Schilderung von den sehr bescheidenen Anfängen des „Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit“, das unter Walter Scheel 1961 erstmals zu einem eigenständigen Ressort wurde. Der neue Minister schaffte es aber binnen kurzem, daraus einen effektiven Apparat zu machen.

Auch später erwies sich Scheel als sehr wirkungsvoller „Mitarbeiter“ der Bundesrepublik Deutschland. Hofmann hob vor allem seine Verdienste um die Ost- und Entspannungspolitik hervor, ohne die die spätere Wiedervereinigung nicht möglich gewesen wäre. Für die Amtsauffassung von Scheel sei, so Hofmann, schließlich ganz bezeichnend gewesen, dass er sich auch nach dem Ausscheiden aus allen öffentlichen Ämtern weiterhin energisch als „freier Mitarbeiter“ in den Dienst der Bundesrepublik gestellt habe.

Leitmotiv eines risikobereiten und mutigen Politikers

Über den Liberalen Walter Scheel, der ja mehrere Jahrzehnte lang die FDP parlamentarisch vertreten und ein gutes halbes Jahrzehnt an der Spitze der Partei gestanden hat, sprach abschließend Jürgen Frölich vom Archiv des Liberalismus in Gummersbach. Er stellte seine Ausführungen unter das Leitmotiv eines risikobereiten und mutigen Politikers. Diese Eigenschaften hätten sich unübersehbar an markanten Punkten im politischen Leben Scheels manifestiert, etwa beim Düsseldorfer „Jungtürken-Aufstand“ 1956 oder bei seinem Verhalten in der „Spiegel-Affäre“ 1962. Auch als Minister habe Scheel die liberale Glaubwürdigkeit über Karriereerwägungen oder Koalitionsräson gestellt.

Politischer Höhepunkt der liberalen Wirksamkeit Walter Scheels sei zweifelsohne der von ihm maßgeblich angebahnte und erfolgreich umgesetzte Machtwechsel des Jahres 1969 gewesen, der den tiefsten Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik zwischen 1949 und 1989 bedeutete und der einer ganzen Epoche den Namen gab. Nicht zuletzt die Art, wie Walter Scheel Politik betrieben habe, machten ihn zu einem Vorbild nicht nur für Liberale.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. September 2009 in der Theodor-Heuss-Akademie zwischen 9:00 und 20:00 Uhr zu sehen. Auch während des , zu dem die Theodor-Heuss-Akademie am 6. September ab 15:00 Uhr einlädt, besteht die Möglichkeit, sich mit dem politischen Wirken Walter Scheels auseinanderzusetzen.

Dazu gibt es unentgeltlich einen Katalog, der nicht nur das Ausstellungsmaterial wiedergibt, sondern auch noch einmal in kurzen Aufsätzen die unterschiedlichen Stationen des Staatsmannes Walter Scheel Revue passieren lässt.