Russland als Tourist

Ein Land voller Wunder und Überraschungen

Nachricht09.08.2017Julius von Freytag-Loringhoven
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Friedrich-Naumann-Stiftung für die FreiheitiStock

Wer in unseren schwierigen Zeiten Russland verstehen will, sollte es erleben. Was für ein Hochgenuss für alle Sinne ein solches Kennenlernen sein kann – bei allen Irritationen und Widersprüchen – das ist vielen unbekannt. Julius von Freytag-Loringhoven, Leiter unserer Büros in Moskau, beschreibt touristische Highlights des Riesenreiches - von Kultur- und Städtereisen bis zu sagenhaften Naturerlebnissen als Teil der Sommerserie „Die Projektländer der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit als Reiseziele“.

Kein Land, das man nicht selbst erlebt, mit eigenen Augen gesehen und dessen Bewohner man nicht kennengelernt hat, kann man begreifen. Erstaunlicherweise kann man entgegen dem alten Klischee „Mit dem Verstand ist Russland nicht zu fassen“ des russischen Dichters und Diplomaten Fjodor Tjutschew bei einem Besuch in Russland doch schon einiges verstehen lernen. Und noch erstaunlicher ist, dass eine Russlandreise dazu ein riesiger Genuss mit allen Sinnen werden kann; das erste Mal das prächtige St. Petersburg in den weißen Nächten zu sehen; das erste Mal den Muezzin und die Kirchenglocken im Kreml der tatarischen Hauptstadt Kasan zu höre; das erste Mal einen Kamtschatka-Krabben-Wrap mit knackigem Gemüse der Hipster-Stände des Danilowski-Markts in Moskau zu schmecken; das erste Mal die klare sibirische Luft auf dem Baikalsee im Winter zu riechen und das erste Mal die Temperaturunterschiede in Sotschi zu fühlen, wenn man nach einem Bad im Schwarzen Meer im nahen Krasnaja Poljana zwischen schneebedeckten Bergen des Kaukasus steht.

Bei unserem Einsatz für liberale Werte und Dialog in schwierigen Zeiten, versuche ich allen Gästen der Stiftung auch unbedingt etwas von der Schönheit des Landes zu zeigen, in der Hoffnung mit ihnen und unseren Lesern etwas von der Begeisterung für dieses Land zu teilen.

Der Moskauer Kreml von der Bolshoy Kameniy Brücke über die Moskwa.
Der Moskauer Kreml von der Bolshoy Kameniy Brücke über die Moskwa.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Russland bleibt voller Widersprüche. Zu diesen gehört, dass während unabhängige Zivilgesellschaft und Opposition seit 2012 immer schlimmer gegängelt werden, der öffentliche Raum gleichzeitig bunter und internationaler wird und die aktive Bürgergesellschaft wächst. Und dabei wird das Land als Reiseland immer attraktiver. Renovierungen im Zentrum von Moskau, Kasan und St. Petersburg haben die Gegensätze mit armen Regionen sichtbarer gemacht, aber gleichzeitig trägt der Tourismus auch zur Entwicklung bei. Dass inzwischen vier Millionen Staatsbeamte - von Geheimdienstmitarbeitern bis Feuerwehrleuten - das Land nicht mehr ohne Sondererlaubnis verlassen dürfen und, dass der Rubel über der Aggression in der Ukraine zusammengebrochen ist, hat den Binnentourismus angekurbelt. Die Wirtschaft steckt allerdings in einer Strukturkrise, aus der ihr kein Tourismus, sondern nur Reformen helfen können. Man bemerkt die Schattenseiten durch junge Kriegsversehrte, die Armut auf dem Land, das Bemühen vieler, möglichst nicht über Politik zu sprechen oder auch durch die Reisewarnungen vor Regionen wie Tschetschenien, weil dort keine Sicherheit gewährleistet werden kann. Aber im Folgenden sollen die Regionen vorgestellt werden, in die ich zu reisen empfehle.

Moskau oder St. Petersburg – Eklektik und Harmonie

Die meisten Flüge landen zuerst in den beiden Hauptstädten, der Gigametropole Moskau oder dem harmonisch von Palästen und Kanälen durchzogenen St. Petersburg. Nicht nur deshalb lohnen sich erste Schritte nach Russland über diese beiden Großstädte - und sei es zunächst nur für einen Wochenendausflug (man fliegt aus Deutschland nur zwei bis drei Stunden). Hier gibt es internationale Großstadtkultur mit historischen Bauten, Opern und Ballett, Galerien zeitgenössischer Kunst, Hipster-Cafés und alle erdenklichen kulinarischen Genüsse. Beide Städte lohnt es sich zu Fuß zu erlaufen oder mit einem Boot auf dem Wasser zu erfahren – hier auf der geschlängelten Moskwa und dort durch die venezianischen Kanäle Petersburgs. In St. Petersburg darf man die russische Kunst des 19. Jahrhunderts im Russischen Museum nicht verpassen, vor dem die Schlangen kürzer sind als vor der berühmten Ermitage und in Moskau nicht die Kunst des 20. Jahrhunderts in der neuen Tretjakow-Galerie. Petersburg ist auch berühmt für seine alternative Musik von Rock bis Jazz und Moskau für seine spannende zeitgenössische Kunstszene.

Gerhart Baum vor dem russischen Museum in St. Petersburg mit Mitarbeitern der Stiftung.
Gerhart Baum vor dem russischen Museum in St. Petersburg mit Mitarbeitern der Stiftung.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Goldener Ring: Türme aus Rotem Gold, Spiegel der Zarenzeit

Im Nordosten Moskaus befindet sich ein Ring altrussischer Städte, deren herrliche mittelalterliche Kreml, Klosteranlagen und Kirchen bis heute von vergangenen Jahrhunderten erzählen. In Kleinstädten wie Rostow Weliki, Sergijew Possad, Susdal und Uglitsch und in mittelgroßen Städten wie Jaroslawl und Wladimir sind bis heute die weißen bis bunten Türme der Kathedralen die weit sichtbaren Wahrzeichen der Stadt. Und durch Städte wie Jaroslawl und Kostroma ziehen dazu bereits die breiten Wasser der Wolga.  

Auf der Wolga von Nizhny Nowgorod oder Kazan bis Wolgograd und Astachan

„Auf der Wolga, diesem ruhig rollenden Meer, Tage zu sein und Nächte, viele Tage und viele Nächte: ein breit-breiter Strom, ein hoher, hoher Wald an dem einen Ufer, an der anderen Seite tiefes Heideland, darin auch große Städte nur wie Hütten und Zelte stehen. - Man lernt alle Dimensionen um. Man erfährt: Land ist groß, Wasser ist etwas Großes, und groß vor allem ist der Himmel“, schrieb Rainer Maria Rilke auf seiner Russlandreise im Jahr 1899. Die Wirkung von Fluss und Landschaft ist geblieben und doch hat sich seit Rilkes Zeit viel verändert. In Nizhny Novgorod fasziniert im alten Waffenarsenal des Kremls inzwischen ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und in Kazan, der alten Hauptstadt der Tataren - mit Kirche und Moschee symbolisch nebeneinander im Kreml – sprechen renovierte Jugendstilhäuser und Klassizismus vom neuen Reichtum der Stadt. Wolgograd lebt äußerlich bis heute im Trauma der schrecklichsten Schlacht des Zweiten Weltkriegs, mit der gigantischen Mutter-Heimat-Statue mit Schwert als Symbol der Verteidigung vor den Truppen der Wehrmacht. Und in Astrachan am Delta der Wolga ins Kaspische Meer treffen sich persische und türkische Händler, Angeltouristen aus ganz Russland und die Gemüsehändler des Kaukasus.

Der Kanal Gribojedow in St. Petersburg, links die Kasaner Kathedrale, rechts die Blutskirche.
Der Kanal Gribojedow in St. Petersburg, links die Kasaner Kathedrale, rechts die Blutskirche.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Im „wilden“ Kaukasus: Von Sotschi bis zum Elbrus

Um das gewaltige Gebirge zu bestaunen, das die Alpen zu langweiligen Hügeln werden lässt, braucht man nicht in die unsicheren Regionen im Osten des Nordkaukasus zu fahren, sondern kann vom Flughafen des Kurortes Mineralnyje Wody (zu Deutsch: Mineralwasser) zu einer Wanderung auf den Elbrus, den höchsten Berg Europas, aufbrechen. Und auch vom Strandbad Sotschi am Schwarzen Meer kann man die herrlichen Berge, Pisten und Wasserfälle des Kaukasus genießen. Dank der Infrastruktur der Olympischen Spiele 2014 mit neuen Straßen und Zügen gibt es keinen Ort in Europa wo man so schnell und unkompliziert zwischen Strandpromenade am Meer und dem Skiort Krasnaja Poljana in den Bergen pendeln kann, der Dank des Klimaunterschieds im Süden bis Ende April schneesicher ist.

Der Katun im Altai-Gebirge, nicht weit vom "Sibirschen Davos".
Der Katun im Altai-Gebirge, nicht weit vom "Sibirschen Davos".Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Sibirien: Schöne Städte, Altai-Gebirge und Baikalsee

Der romantische Traum von einer Reise mit der „Transsibirischen Eisenbahn“ wird in Deutschland heute weiter geträumt und das zu recht, denn die Meditation endloser Landschaft und die feinen Unterschiede zwischen den Städten auf der Strecke lassen einen Weite und Menschen erfahren. Von den an Kultur reichen Städten Perm und Jekaterinburg am Ural geht es weiter nach Nowosibirsk im Westen und bis Irkutsk im Osten Sibiriens. Städte, die geprägt sind von der Kolonialisierung um 19. Jahrhundert, die mit dem Bau der Bahn vorangetrieben wurde. Zwei erste Empfehlungen für Sibirien: die urtümliche Landschaft des Altai-Gebirges am Vierländereck Kasachstan (im Westen), Russland (im Norden), Mongolei (im Osten) und China (im Süden), an dem auch jährlich das „Sibirische Davos“ der Stiftung stattfindet, von Barnaul oder Gorno-Altaisk zu erkunden. Und zum zweiten Irkutsk, die Hauptstadt der Dekabristen als bekannteste politische Verbannte des 19. Jahrhunderts mit wunderschönen Holzhäusern voller Spuren deutscher Verbindungen und - neben Irkutsk - die unglaubliche Schönheit des tiefsten und wasserreichsten Sees der Erde, des Baikalsees.

Der Baikalsee im Spätsommer.
Der Baikalsee im Spätsommer.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Der Ferne Osten: Von Wladiwostok am Pazifik und Chabarowsk am Amur

Wer die transsibirische Eisenbahn bis zu ihrem russischen Ende durchfährt oder in einen achtstündigen Flug von Moskau steigt, kommt bis nach Wladiwostok am Pazifik. Dort trifft europäische Kolonialarchitektur auf asiatische Restaurants und als Symbol einer wirtschaftlichen „Renaissance“ verbinden zwei Hängebrücken die Straßen der Stadt und die Insel „Russki“, auf der die Universität 2013 angesiedelt wurde. Unbekannter und allein schon für die Weite des Amurs, der sogar die Wolga wie ein Bächlein aussehen lassen kann, und die prächtige Jugendstilarchitektur sollte man auch das ruhigere Chabarowsk besuchen.

Russki-Insel im Pazifik bei Wladiwostok im Herbst.
Russki-Insel im Pazifik bei Wladiwostok im Herbst.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Fast überall im Land trifft man auf freundliches und hilfsbereites Interesse und große Gastfreundschaft der Menschen, dem wertvollsten Kapital des größten Landes der Erde. Das steht oft im Widerspruch zu antiwestlicher Propaganda und steigenden Misstrauen. Bei jungen freundlichen Kellnerinnen und Kellnern wird einem manchmal die Servicewüste mancher deutscher Städte bewusster. Man wird überrascht von der Vielseitigkeit und Komplexität des Landes. Ein junger Hipster mit Bart und tätowierten Oberarmen in einem veganen Fastfood-Laden in Jekaterinburg im Ural kann sich beim Gespräch über Politik zum chauvinistischen Hurrah-Patrioten verwandeln und ein junges Mädchen mit konservativer Bluse und langem Zopf in einer Unistadt Sibiriens als glühende Verehrerin von Berlin und der liberalen Opposition im eigenen Lande.

Egal ob aus politischen, kulturellen, historischen oder anderen Interessen, egal ob für die Weite der Natur, die Schönheit der Städte oder Psychologie der Menschen, es lohnt sich, Russland mit eigenen Augen kennenzulernen. Das Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit berät Sie gerne bei allen Fragen, die über das Touristische hinausgehen.

Julius von Freytag-Loringhoven (links im Bild) ist Projektleiter der Stiftung für Russland und Zentralasien.

Auch die Metro in Moskau ist ein touristisches Highlight, auch für Alexander Graf Lambsdorff.
Auch die Metro in Moskau ist ein touristisches Highlight, auch für Alexander Graf Lambsdorff.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Kontakt:

Julius von Freytag-Loringhoven
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Russland
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