Raif Badawi Award 2017 verliehen

Anwalt Can Atalay nimmt den Preis an Stelle des inhaftierten Ahmet Şık entgegen.

Nachricht10.10.2017
Can Atalay nimmt in Vertretung des inhaftierten Preisträgers Ahmet Sik den Raif Badawi Award 2017 entgegen.
Can Atalay nimmt in Vertretung des inhaftierten Preisträgers Ahmet Sik den Raif Badawi Award 2017 entgegen. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat den diesjährigen Raif Badawi Award for courageous journalists an den türkischen Investigativjournalisten Ahmet Şık in Abwesenheit verliehen. Die unabhängige Jury hatte Şık aufgrund seiner herausragenden Bedeutung für die freien Medien in der Türkei und stellvertretend für alle Journalisten ausgewählt, die derzeit in der Türkei im Gefängnis sitzen.

Ensaf Haidar, Ehefrau des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi, überreichte dem Menschenrechtler und Anwalt Şıks, Can Atalay, stellvertretend den Preis. „Ahmet Şıks Mut berührt mich zutiefst. Er und Raif teilen das gleiche Schicksal. Beide sitzen im Gefängnis, weil sie sagen, was sie denken“, sagte Haidar.

Im Namen von Ahmet Şık verlas Can Atalay dessen Danksagung:

„Ich empfinde gleichzeitig Stolz und Trauer, diesen Preis zu erhalten. Ich sitze hinter Gittern, weil ich meinen Beruf als Journalist ausgeübt, die Wahrheit ausgesprochen und meine Meinung geäußert habe. Und mir wird ein Preis im Namen von Raif Badawi verliehen, der in einem anderen Land ebenfalls hinter Gittern sitzt und gefoltert wird, weil er seine Meinung geäußert hat.“

Şıks Fall spiegele die aktuelle politische Situation in der Türkei wieder, sagte Gerhart R. Baum, Bundesinnenminister a. D., in seiner Laudatio. Das unverhältnismäßig harte Vorgehen der türkischen Regierung gegenüber tausenden mutmaßlichen Unterstützern des Putschversuchs vom Juli 2016, unter ihnen derzeit 170 inhaftierte regierungskritische Journalisten und Autoren, kritisierte Baum scharf.

Auch der Preisträger gehöre zu jenen führenden Journalisten, denen gegenwärtig der Prozess gemacht werde – jedoch ohne Gewähr eines rechtsstaatlichen Verfahrens. „Das Schicksal von Ahmet Şık und Can Dündar, um nur einige der Angeklagten zu nennen, ist und bleibt ein Gradmesser für die freiheitliche und rechtsstaatliche Entwicklung der Türkei, die zum Wegweiser für die weiteren Beziehungen der gesamten Europäischen Union zur Türkei geworden ist“, so Baum. Er adressierte daher seinen Appell an beide Seiten: „Mit einer Türkei, die Bürger- und Freiheitsrechte systematisch einschränkt, kann es keine Fortsetzung des Prozesses der Integration in die europäische Wertegemeinschaft geben.“

Der Sprecher des Muslimischen Forums Deutschlands, Ahmad Mansour, würdigte in seiner Rede den Preisträger als einen mutigen Mann, der für seine unerschütterliche Suche nach der – manchmal eben auch unbequemen –Wahrheit verfolgt und einsperrt worden sei. Das Recht auf freie Meinungsäußerung gehöre jedoch zu den wichtigsten Grundpfeilern einer freien und demokratischen Ordnung. Es sei aber auch ein Recht, dass in den letzten Jahren zunehmend weltweit eingeschränkt werde, wie man an Saudi-Arabien und dem Namensgeber des Awards, Raif Badawi, sehen könne. Mansour forderte daher „ein starkes Signal an die Radikalen aller Couleur“ zu senden. „Wir lassen uns nicht von euch einschüchtern, und wir werden nicht zulassen, dass ihr mit eurer Gewalt unsere Meinungsfreiheit einschränkt!“

Der undotierte Journalistenpreis, initiiert von Badawis Ehefrau Ensaf Haidar und TV-Moderator Constantin Schreiber, soll an den inhaftierten saudischen Blogger Raif Badawi erinnern, der wegen seiner islamkritischen Texte zu 1.000 Peitschenhieben und zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Der Preis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. unterstützt.