Raif Badawi Award 2018 an „Arab Reporters for Investigative Journalism“ (ARIJ) verliehen

2018 Raif Badawi Award conferred on ARIJ
Raif Badawi Award an ARIJ
Auszeichnung für das jordanische Journalistennetzwerk ARIJ. Rana Sabbagh (Mitte) nimmt den Award entgegen. © Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

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Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat den diesjährigen Raif Badawi Award for courageous journalists an das jordanische Journalistennetzwerk „Arab Reporters for Investigative Journalism“ (ARIJ) verliehen.

Die unabhängige Jury hatte die Organisation für ihren mutigen Einsatz für investigative Berichterstattung in einem immer schwieriger werdenden Umfeld und für die Unterstützung journalistischer Rechercheprojekte in mehr als 20 arabischen Ländern ausgewählt. Ensaf Haidar, Ehefrau des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi, überreichte der Gründerin und Leiterin von ARIJ, Rana Sabbagh, stellvertretend den Preis.

„Viele ‚ARIJeans‘ können sich in Raif Badawi sehen, auch wenn sie im Gegensatz zu ihm bisher nicht von ihren Familien getrennt, verunglimpft, ausgepeitscht und mehr als sechs Jahre eingesperrt wurden. Es ist deshalb eine Ehre für uns, diesen außergewöhnlichen Preis, der seinen Namen trägt, zu erhalten“, sagte Rana Sabbagh in ihrer Danksagung. „Mit unserer Arbeit wollen wir dafür sorgen, dass sich Raif Badawis Schicksal für andere nicht mehr wiederholt.“ Doch der Weg dahin sei steinig und gefährlich; seit dem so genannten Arabischen Frühling würden Journalisten und das Netzwerk in ihrer Arbeit von den Regierungen in der arabischen Welt noch stärker behindert und unterdrückt als je zuvor: „‘Sicherheitsgründe‘ sind ein häufiger Vorwand, um Journalisten unter einem vagen Terrorismusgesetz zu verfolgen. In meinem Land geben 95 Prozent der Journalisten zu, Selbstzensur zu praktizieren. Was von den Grundfreiheiten übrig geblieben ist, wie das Recht auf freie Meinungsäußerung, ist nahezu ausgelöscht“, so Sabbagh. Das zwinge die Journalisten zu einer Entscheidung, die weder ihre Rolle noch Arbeit sei: für oder gegen das Regime, für die Regierung oder gegen sie. Die Konsequenzen seien verheerend und führten zu einer unfreien Presse mit nur noch einer Regierung, einem Richter, einer Propagandamaschine und vielen, vielen Gefängnissen, mahnte Sabbagh. „Wir werden also nicht schweigen. Wir werden uns auf das Schlimmste gefasst machen und weiterhin auf Medienfreiheit drängen.“

Die besonderen Verdienste des Journalistennetzwerks in der arabischen Welt würdigte die Journalistin Pinar Atalay in ihrer Laudatio. „Die Gründungsmitglieder von ARIJ träumten davon, ihre Gesellschaften voranzubringen, indem sie durch unabhängigen und investigativen Journalismus Transparenz fördern und Missstände aufzeigen. Dazu trägt ARIJ heute definitiv bei: Die Liste der investigativen Recherchen ist lang und beeindruckend. Viele der Enthüllungen lösen Veränderungen zum Besseren aus. Damit ist ARIJ eine kollektive Erfolgsgeschichte, was bei der Gründung nicht absehbar war und von denen es in der arabischen Welt nicht viele gibt“, so Atalay. ARIJ sei auch ein Zufluchtsort für Journalisten, die aus ihren Ländern fliehen mussten. Dort würden sie trainiert, fortgebildet, rechtlich beraten. Für ihre Arbeit als „ARIJeans“ nähmen sie dafür auch Einschüchterungen, Bedrohungen und berufliche Nachteile in Kauf. „Daher hoffe ich, dass die Auszeichnung von ARIJ mit dem Raif Badawi Award für mutigen Journalismus den vielen jungen Kolleginnen und Kollegen in der Region den Rücken stärkt. Wir nehmen ihre Arbeit wahr und möchten sie darin bestärken, dass sie das Richtige tun. Ihnen gilt unsere Bewunderung.“

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin a. D. und Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, erinnerte in ihrem Grußwort an die zahlreichen Journalistenmorde weltweit: „Wie aktuell der Raif Badawi Award ist, zeigen uns die traurigen Ereignisse der letzten Tage. Ich erinnere an Jamal Khashoggi, den saudischen Journalisten, von dem bis heute völlig unklar ist wie er das saudische Konsulat in Istanbul verließ. Das zeigt eine neue Dimension, wenn ein Staat seine Bürger in Konsulaten verschwinden lässt. Diese Toten sind Warnsignale! Sie zeigen, dass uns sehr wohl das Thema Medien und Menschenrechte unmittelbar betrifft. Sie fordern von uns, dass wir nicht als Zuschauer verharren, sondern von den entsprechenden Regierungen Schritte erwarten, diese Morde aufzuklären und die Ursache anzugehen. Nur dann bleiben wir als eine Europäische Union, die gemeinsame Werte hochhält, glaubwürdig", so Leutheusser-Schnarrenberger weiter.

TV-Moderator Constantin Schreiber, der den Preis ins Leben rief, ergänzte: „Frieden braucht Freiheit. Freiheit braucht unabhängigen Journalismus. Die ,Arab Reporters for Investigative Journalism‘ leisten einen wichtigen Beitrag dazu, unabhängigen Journalismus in der arabischen Welt zu etablieren. Ihre Arbeit ist mutig, leidenschaftlich und es absolut wert, mit dem Raif Badawi Award ausgezeichnet zu werden.“

Der Journalistenpreis, initiiert von Badawis Ehefrau Ensaf Haidar und TV-Moderator Constantin Schreiber, soll an den inhaftierten saudischen Blogger Raif Badawi erinnern, der wegen seiner islamkritischen Texte zu 1.000 Peitschenhieben und zehn Jahren Haft verurteilt wurde. 2015 erhielt der marokkanische Journalist Ali Anouzla den Preis; 2016 zeichnete der Award die Journalistinnen des Flüchtlingsradios Dange NWE in Halabja (Irak) für ihre Arbeit aus; 2017 wurde er an den türkischen Investigativ-Journalisten Ahmet Sik vergeben.Der Preis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. unterstützt.

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Press release: 2018 Raif Badawi Award awarded to “Arab Reporters for Investigative Journalism” (ARIJ)

Frankfurt/Main, 10 October 2018 | The Friedrich Naumann Foundation for Freedom has awarded this year’s Raif Badawi Award for courageous journalists to Arab Reporters for Investigative Journalism (ARIJ), a Jordanian network of journalists.

The independent jury chose the organisation in recognition of its courageous commitment to investigative reporting in an increasingly challenging environment, and for supporting journalistic research projects in over 20 Arab countries. Ensaf Haidar, wife of the imprisoned Saudi Arabian blogger, Raif Badawi, handed over the award to the founder and director of ARIJ, Rana Sabbagh.

“Many ‘ARIJeans’ identify with Raif Badawi, even if they have not yet been separated from their families, vilified, flogged and locked up for over six years. It is a great honour for us to receive this extraordinary award bearing his name,” said Rana Sabbagh in her expression of thanks. “Through our work, we want to ensure that others are not condemned to repeat Raif Badawi’s fate.” But the road to that goal is rocky and dangerous; since the so-called Arab Spring, governments throughout the Arab world have been hindering and oppressing journalists and the network even more than before. “Today, ‘security reasons’ are often used as a pretext to persecute journalists in terms of vague anti-terrorism laws. In my country, 95 percent of journalists admit that they practice self-censorship. Whatever remained of the civil liberties, such as the right to freedom of expression, has been almost wiped out,” said Sabbagh. This, she said, forced journalists to make a choice that was neither their role nor their job: for or against the regime, for or against the government. The consequences were devastating and led to an unfree press, with just one government, one judge, a propaganda machine and plenty of jails, she added. “We won’t be silenced. We will prepare for the worst and continue to push for media freedom.”

In her laudation, journalist Pinar Atalay acknowledged the notable achievements of the journalism network in the Arab world. “The founding members of ARIJ dreamt of advancing their societies by using independent investigative journalism to promote transparency and cast a spotlight on abuses. This is something ARIJ is clearly doing today: its list of investigative research projects is long and impressive. Many of the stories it uncovered led to improvements. This makes ARIJ a collective success story, something which wasn’t apparent when it was founded and which is a rarity in the Arab world,” said Atalay. ARIJ was also a place of refuge for journalists who have had to flee their countries, she said, adding that they received training and legal advice through the network. “ARIJeans” accept that their work may entail being intimidated and threatened, and that it could diminish their career prospects. “I therefore hope that the many young journalists in the region will feel encouraged as a result of the Raif Badawi Award for courageous journalists being awarded to ARIJ. We see their work and we want to let them know that they’re doing the right thing. They have earned our respect.”

In her opening remarks, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, former German minister of justice and currently the deputy chairperson of the Friedrich Naumann Foundation for Freedom, recalled to the numerous journalist murders worldwide: "How current the Raif Badawi Award is, shows us the sad events of recent days. I recall Jamal Khashoggi, the Saudi journalist, who is still unclear how he left the Saudi consulate in Istanbul. This shows a new dimension when a state makes its citizens disappear into consulates. These dead are warning signals! They demand that we do not remain as spectators, but expect steps from the respective governments to clear up these murders and tackle the cause. Only then will we remain credible as a European Union that upholds shared values“, Leutheusser-Schnarrenberger continues.

Constantin Schreiber, TV presenter and co-founder of the award, added: “Peace needs freedom and freedom needs independent journalism. Arab Reporters for Investigative Journalism is making an important contribution to establishing independent journalism in the Arab world. The work its members do is brave, inspired by passion, and highly deserving of being recognised through the Raif Badawi Award.”

The journalism prize was initiated by Ensaf Haidar, Badawi’s wife, and the TV presenter Constantin Schreiber. It honours the Saudi blogger Raif Badawi, who was sentenced to 1,000 lashes and ten years’ imprisonment for publishing texts critical of Islam. The 2015 award was bestowed on the Moroccan journalist Ali Anouzla; in 2016, the winners were the female journalists of the refugee radio station Dange NWE in Halabja (Iraq); in 2017, the recipient was the Turkish investigative journalist Ahmet Sik. The award is supported by the German Publishers and Booksellers Association.

Pressekontakt / Press contact: Doris Droste, Pressereferentin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, presse@freiheit.org, Tel. 030 28 87 78 54, Mobil 0151 12 65 63 91