Pakistan
Pakistan: Wasserkrise als Folge von Politikversagen

Birgit Lamm berichtet über die dramatische Wasserknappheit in Teilen des Landes
Pakistan
Ein Mädchen in Pakistan. © picture alliance / Photoshot

Pakistan hat seit seiner Gründung 1947 viele politische, wirtschaftliche und militärische Krisen überstanden und wird das wahrscheinlich auch in Zukunft tun. Die wirklich existenzbedrohende Gefahr für das Land am Indus ist nicht Extremismus oder Terrorismus, sondern die gefährliche Kombination von Klimawandel und Bevölkerungswachstum. Dadurch kommt es in weiten Landesteilen zu dramatischer Wasserknappheit.

Die Wasser-Problematik ist vor allem eine Verteilungs- und Managementfrage, in der sich mehrere strukturelle Herausforderungen für Pakistan bündeln: Pakistan ist an sich eine Fluß-Oase, die von der Wasserversorgung des Indus und seiner Zuflüsse abhängt. Die Wassermengen des Fluss-Systems hängen wiederum von der Schneeschmelze im Himalaya und der Stärke des Monsuns ab. Entgegen landläufiger Annahmen ist jedoch die zufließende Wassermenge bisher nicht gesunken. 

Die Wasserknappheit wird vor allem verursacht durch den gestiegenen Bedarf der ständig wachsenden Bevölkerung sowie Fragen der Verteilung, Infrastruktur und Wassernutzung. 90 Prozent des Wassers wird in der Landwirtschaft genutzt, die immer noch mit veralteten, ineffizienten Methoden der Bewässerung arbeitet (Flutung der Felder), die langfristig zu einer Verschlechterung der Böden durch Versaltzung führen.

Wasser geht in maroden Leitungen verloren

Die Bewässerungssysteme Pakistans beruhen – insbesondere im Punjab – noch auf den alten, in der Kolonialzeit angelegten Kanalsystemen, deren Ausbau und Unterhaltung in der Vergangenheit nicht die notwendige Priorität eingeräumt wurde. Rund 40 Prozent des Wassers gehen bereits in den maroden Kanal- und Leitungssystemen verloren. Die Infrastruktur muß dringend modernisiert werden genauso wie die Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft. 

Der Bau von Großstaudämmen im nördlichen Mangala, Talaba und Kalabagh, die den steigenden Strom- und Wasserbedarf des Landes sichern sollten, haben die Lage noch verschärft. Denn jetzt kommt in der südlichen Provinz Sindh nicht mehr genug Wasser für deren Bedarf an. Außerdem fehlen die nährstoffreichen Sinkstoffe im Wasser, die dort dringend für die Erhaltung der Bodenqualität benötigt werden. Stattdessen bleibt der fruchtbare Schlamm in den Staubecken hängen. Der geringe Wasserstand des Indus im Sindh führt außerdem dazu, daß das Salzwasser des Arabischen Meeres in die Mangroven-Wälder des Indus-Deltas eintritt und die wichtige Delta-Landschaft zerstört.

Neben den Fehlern der mit Mitteln der Weltbank finanzierten Staudamm-Großprojekte, ist die Wasserknappheit Pakistans auch die Folge mangelnder Abstimmungsprozesse der pakistanischen Provinzen untereinander und fehlender nationaler Koordination. Da das Indus-Flußsystem seinen Ursprung im Himalaya hat, wird die zukünftige Überlebensfähigkeit der Menschen in Pakistan wie in bestimmten Regionen Indiens auch davon abhängen, inwieweit es regionale Vereinbarungen zur Wasserverteilung zwischen Indien, Pakistan und Afghanistan geben kann und ob es genug Vertrauen in die Umsetzung solcher Vereinbarungen gibt. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in der Region scheint dies aktuell eher zweifelhaft.

 

Birgit Lamm ist Leiterin des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Pakistan.

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Daniela Oberstein, Pressereferentin und stellv. Pressesprecherin Ausland
Daniela Oberstein
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