Osten
"Wer für etwas brennt, bewegt etwas"

Auch in Ostdeutschland gibt es Mittelständler mit Historie - etwa die Sanitärfirma Schünemann
Handwerk mit Tradition
Gerhard Schünemann im Lager seines Betriebs - eines lupenreines Familienunternehmens, das im Schnitt 25 Fachkräfte beschäftigt. © Harald Krieg

Mittelständler mit Tradition gibt es nicht nur in Bayern oder Baden-Württemberg, sondern auch in Ostdeutschland. In Magdeburg etwa hat ein fast 90 Jahre altes Heizungs- und Sanitärunternehmen seinen Sitz, das zwei Regime überlebt hat – und nun in der Marktwirtschaft so richtig aufblüht.

Ein freundlicher Herbsttag Ende der 1960er-Jahre, ein kleines Dorf bei Magdeburg. Andere Jungen nutzen nach Schule und Hausaufgaben das gute Wetter aus, gehen mit Freunden Fußball spielen. Gerhard Schünemann jedoch sitzt in seinem Zimmer. Der damals 14-Jährige klappt seine Bücher zu, verstautdie Lernkladden in seinem Schulranzen und setzt sich ans Fenster, um gebannt durch die Fensterscheibe nach draußen zu schauen. Gegenüber im Haupthaus des benachbarten Bauernhofs sind schon seit Wochen Arbeiten im Gange. Die Handwerker dort bauen eine Zentralheizung ein. Es ist überhaupt erst die zweite Zentralheizung im ganzen Ort – ein Ereignis, das dem jungen Schünemann den Lebensweg ebnet. 

Denn heute führt er die Schünemann Heizung-Sanitär GmbH mit Sitz in Magdeburg – das Erlebnis aus seiner Jugend war für ihn gleichsam prägend und richtungsweisend.„Zu sehen, wie glücklich unsere Nachbarn waren, als bei ihnen die Zentralheizung eingebaut wurde und sie nicht mehr mit Kohle heizen mussten, hat mich so fasziniert. Dieser Fortschritt, diese Moderne hat mich damals mitgerissen“, erinnert sich Schünemann.

Als ältester Sohn der Familie hätte er eigentlich den Bauernhof seines Vaters übernehmen sollen. „Aber ich konnte meinen Vater davon überzeugen, dass ich mich eher für Heizung und Sanitär interessiere“, erzählt Schünemann. Im Alter von 16 Jahren begann er deshalb nach der Schule eine Lehre in einem Magdeburger Baubetrieb mit großer Sanitär- und Heizungsabteilung. Es zeigte sich: Die Flamme der Begeisterung für die Arbeit in einem mehr als 100 Jahre alten Handwerk erlosch nicht, sondern wurde dadurch weiter angefacht.

Für sprunghaftes Verhalten ist Schünemann sowieso nicht der Typ. „Wenn ich mir einmal was in den Kopf gesetzt habe, dann lasse ich davon nicht los, dann ziehe ich das durch“, sagt er. Heizungen zu montieren und zu warten bereitete ihm riesige Freude. „Wärme in die Wohnungen zu bringen geschieht ja zum Wohle der Menschen und greift positiv in den Lebensalltag ein – ich war stolz, das zu erlernen.“

Handwerk mit Tradition
Zwischen Tradition und Moderne: In seiner Firma, deren Wurzeln bis 1930 zurückreichen, achtet Schünemann auf Kohlendioxidneutralität. © Harald Krieg

Ausbildung zum Meister

Nach abgeschlossener Ausbildung arbeitete Schünemann als Heizungsmonteur in einer städtischen Wohnungswirtschaft, wo er bereits nach kurzer Zeit als Lehrfacharbeiter tätig war, also Lehrlinge ausbildete, und dabei viel Freude empfand. Zwischen 1986 und 87 machte er seinen Meisterbrief, durfte sich fortan „Zentralheizungsbaumeister“ nennen. Ein Titel, der ihm eine wichtige Tür öffnete. „Natürlich herrschte in der damaligen DDR die Planwirtschaft, aber hin und wieder brach der Staat sein System etwas auf, um die Versorgungslage zu entzerren, und erlaubte Ausnahmen.“ So kam es, dass sich Schünemann als frischgebackener Meister 1988 die Chance bot, das alteingesessene Magdeburger Unternehmen Hendrichs zu übernehmen, das seit 1930 in der Haus- und Industrietechnik tätig war. Einen eigenen Betrieb zu gründen, um so innerhalb des bestehenden Systems eigenständig zu arbeiten, war sein Traum.

Dass dieser Betrieb auch noch tradierte Wurzeln besaß, dem Nazi-Regime erfolgreich getrotzt hatte und sich auch im Sozialismus zu behaupten wusste, „das hat mich mindestens noch mal doppelt so fasziniert wie das Sanitärhandwerk an sich“, sagt Schünemann. „Der Inhaber Hans-Joachim Hendrichs hatte sich nicht von den Unwägbarkeiten des Krieges abschrecken lassen, seine Heizungen mitunter aus Teilen montiert, die er mit seinem Team aus den Trümmern zerbombter Häuser zusammengesucht hatte.“

Handwerk mit Tradition
© Harald Krieg

Lupenreiner Familienbetrieb

Diesen Unternehmergeist führt Schünemann seit der Übernahme bis heute fort. Dem Vorgängerunternehmen Hendrichs drückte er mit dem Schünemann-„S“, das sich im Logo um einen klassischen Gliederheizkörper mit Ventil und Verschraubung windet, seinen einprägsamen Stempel auf. Die Firma ist heute ein lebendiger Familienbetrieb, in dem alle mithelfen: Bruder Frank leitet den Kundendienst, Tochter Anja und Neffe Christian verantworten die Buchhaltung, Sohn Gerhard arbeitet als Meister im Sanitär- und Heizungsbereich, und Schwiegersohn René, der Mann von Tochter Anja, ist Partner in der Geschäftsführung. Die im Durchschnitt 25 Mitarbeiter des Unternehmens sind Profis bei Öl- und Gasanlagen, montieren Klimaanlagen und Wärmepumpen und kümmern sich von der Planung bis zum Feinschliff um das Einrichten moderner, auch barrierefreier Bäder.

Auf der Höhe der Zeit zu sein ist Schünemann wichtig: „Wir leben in unserem Betrieb den Standard der CO²-Neutralität“, sagt er. „Wir waren eines der ersten Unternehmen, die in den 1990er-Jahren Anlagen verbaut haben, die das Heizen und die Warmwasseraufbereitung mittels Solarenergie ermöglichen. Auch gehörten wir zu den Ersten, die auf Anlagen mit Fotovoltaik setzten, bei der aus Sonnenenergie Strom gewonnen wird. Von beiden Techniken bin ich ungebrochen sehr großer Fan!“ Diese fast kindliche Begeisterung macht Schünemann aus. Begeisterung ist aus seiner Sicht wichtig – auch wenn sie mit ungewöhnlichen Mitteln erfolgt, wie es etwa die „Fridays for Future“-Bewegung vormacht, für die Jugendliche aktuell während der Schulzeit auf der Straße für mehr Klimabewusstsein demonstrieren. „Ich finde es grundsätzlich gut, wenn junge Menschen für etwas kämpfen. Nur wer für etwas brennt, bewegt auch etwas.“

Almut Steinecke lebte als Volontärin in einer mit Gasöfen beheizten Wohnung. Der Betrieb war teuer, die Öfen unzuverlässig. Oft gingen sie ohne Vorwarnung einfach aus – vorzugsweise im Winter. Heute muss sie dank moderner Heizung zum Glück nicht mehr frieren.

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Jordi Razum, Kommunikationsreferent
Jordi Razum
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