NS-Widerstand
Ziel: „Hitler-Diktatur beseitigen!“

Das Archiv des Liberalismus erinnert an zwei Widerstandskreise
Otto Geßler
Otto Geßler © Archiv des Liberalismus Herunterladen

Opposition gegen das NS-Regime war vielfältig und speiste sich aus unterschiedlichen Traditionen und Motiven, von christlich und sozialistisch bis konservativ und militärisch. Anlässlich des „20. Juli“ ist an zwei Widerstandskreise aus dem linksliberalen Weimarer Kontext der DDP zu erinnern, deren Netzwerk bis zum Umfeld des 20. Juli reichte: Zum einen die Gruppe um Hans Robinsohn, Ernst Strassmann und Otto Stark mit ihrem konspirativ organisierten Netz von 60-70 Personen, zu denen auch Thomas Dehler und Fritz Elsas gehörten.

Die Gruppe konzentrierte sich auf die Sammlung, Sichtung und Weitergabe von Material gegen das NS-Regime sowie auf Kontakte zu den Alliierten, letztere allerdings wenig erfolgreich. Ihr Ziel: „Die Hitlerdiktatur zu beseitigen; Recht, Freiheit und Ordnung in Deutschland aufzurichten und Frieden und gemeinsamen Fortschritt für Europa zu bringen“ (Hans Robinsohn 1939).

Weniger der Nationalstaat interessierte hier, als vielmehr die Ausgestaltung der europäischen Dimension. Anders als Robinsohn, der nach Dänemark emigrieren konnte, und Strassmann, der 1942 inhaftiert wurde, überlebte der vom NS 1933 abgesetzte Berliner Bürgermeister Fritz Elsas (DDP) nicht: In den Planungen des „20. Juli“ als Leiter der Reichskanzlei vorgesehen, wurde er verhaftet und im Januar 1945 im KZ Sachsenhausen ermordet.

Zum anderen die liberalen Mitglieder des ähnlich umfangreichen bayerischen Sperr-Kreises: Auch im Sperr-Kreis plante man – mit regionaler Verbundenheit und durchaus unterschiedlichen Vorstellungen – für eine freiheitliche Ordnung nach dem NS. Otto Geßler und Eduard Hamm, beide ehemals DDP-Minister in der Weimarer Republik, wurden nach dem Scheitern des 20. Juli verhaftet. Geßler wurde gefoltert, kam aber wieder frei, während Hamm den Freitod wählen musste.

Die Friedensvorstellungen dieser bürgerlich-liberalen Widerstandsgruppen werden im diesjährigen Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung behandelt. Beide Kreise machen deutlich, wie intensiv im Widerstand gemeinsam um ethische Ordnungsprinzipien eines freiheitlichen Staates gerungen und mit dem eigenen Leben für diese Werte eingestanden wurde.  

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