Nordkorea
Wo ist eigentlich Kim Jong-un?

Nordkoreas Machthaber ist Medienberichten zufolge schwer erkrankt.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist Medienberichten zufolge schwer erkrankt.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ist Medienberichten zufolge schwer erkrankt. © picture alliance / AP Images

Das gesamte politische System Nordkoreas, ist auf seinen Führer Kim Jong-un zugeschnitten. Wenn er plötzlich an hohen Staatsfeierlichkeiten nicht teilnimmt, löst das Irritationen und Spekulationen aus. Christian Taaks, Projektleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Korea, bewertet für BILD und die Rhein-Necker-Zeitung die Gerüchte um den Gesundheitszustand des nordkoreanischen Staatschef und Debatten über seine potenzielle Nachfolge.

Sollte Kim Jong-un tatsächlich etwas zugestoßen sein, wären die Konsequenzen nur schwer absehbar, analysiert Christian Taaks für die BILD. Denn in drei Generationen vom Großvater und Staatsgründer Kim Il-sung bis hin zu Kim Jong-un, seinem Enkel, sei ein offizielles Bild des Staatsführers etabliert worden, das ikonografisch mit Gottesverehrung zu vergleichen sei. 

Sollte der Diktator sein Amt als Staatsoberhaupt Nordkoreas nicht mehr ausüben können, dürfte wohl am ehesten seine jüngere Schwester Kim Yo-jong die Nachfolge antreten. „Kim Yo-jong ist in den letzten Jahren immer stärker in Erscheinung getreten“, sagte Christian Taaks der „Rhein-Necker-Zeitung“. „Sie wurde erst kürzlich ins Politbüro berufen und saß bei den Gesprächen mit Donald Trump in Hanoi und in Singapur mit am Verhandlungstisch.“

Auch Kims Ehefrau Ri Sol-ju wird als mögliche Nachfolgerin diskutiert. Ihre Chancen schätzen Experten aber als gering ein. „Ich hielte es im Fall der Fälle für völlig ausgeschlossen, dass Kim Jong-uns Ehefrau übernehmen könnte, denn sie ist in der Öffentlichkeit nie stark exponiert worden“, so Taaks zur „Rhein-Necker-Zeitung“.

Allerdings wüsste man nicht, was innerhalb der Führungsspitze der Arbeiterpartei diskutiert werde. Laut Taaks hielten es manche Beobachter auch für denkbar, dass eine kollektive Führung eingesetzt werden könnte. „Ich glaube aber, derzeit werden solche Überlegungen in Nordkorea selbst gar nicht angestellt.“ Schließlich sei das gesamte politische System auf Kim zugeschnitten.

Eines steht jedenfalls fest: "Eine Nachfolge Kim Jong-uns wird, wann auch immer, nur mit der Unterstützung der militärischen Führung ins Amt kommen. An der Armee führt kein Weg vorbei“, so Taaks gegenüber der BILD. 

 

Videoanalyse unseres Korea-Experten Christian Taaks