Nichts ist mehr dasselbe an Saale und Elbe…

Eine erste Einschätzung der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt

Analyse14.03.2016Thomas Volkmann
Deutsche Landtagswahlen
CC0 Public Domain/ Pixabay

Nicht viel hat gefehlt am Wiedereinzug der FDP in den Magdeburger Landtag. Stattdessen bestimmen nun die von fast jedem vierten Wähler favorisierte AfD als zweitstärkste und die Linke mit 16,3% als drittstärkste Partei, wohin die CDU mit ihrem Regierungsauftrag als stärkste Partei marschieren kann. SPD und Grüne können dabei als Kleinparteien wenig helfen – es reicht für alle drei zusammen höchstens knapp und höchst theoretisch.

24,2% für die AfD – das gibt Stoff zum Nachdenken für die anderen Parteien. Zwei Drittel der AfD-Wähler gaben ihre Stimme aus Enttäuschung über die anderen Parteien ab, und vor allem auch wegen des Themas Flüchtlinge. Vor allem Arbeiter und Arbeitslose stimmten für die AfD. Stark ist die AfD vor allem in den mittleren Jahrgängen, und dort besonders bei den Männern. Und die Wähler kamen vor allem von ehemaligen Nichtwählern und so genannten anderen Parteien (wobei die NPD zum Beispiel von 4,6 auf 1,9% absank).

Die CDU verlor Stimmen, konnte sich knapp als Erster ins Ziel retten, erzielte dabei aber ihr zweitschlechtestes Landesergebnis bislang. Die CDU-Wählerschaft entschied sich aus Überzeugung, sehr frühzeitig und ausgerichtet an Sachthemen, vor allem der Wirtschaftspolitik.

Die Linke verlor vor allem in ihrer Kernwählerschaft, nämlich bei den Arbeitslosen, den Arbeitern und der Altersgruppe zwischen 45 und 59. Wichtigstes Thema für die Wählerschaft blieb die Soziale Gerechtigkeit. Auffällig sind die hohen Verluste der Linken an die AfD.

SPD und Grüne verloren bei dieser Wahl massiv an Bedeutung für die Landespolitik. Die grünen Themen zogen nicht ausreichend, das Personal blieb unauffällig – so bleibt es beim knappen Überspringen der Fünfprozent-Hürde. Die SPD erlebte ein Debakel und halbierte ihren prozentualen Anteil – mit einem Ergebnis von 10.6% wird die Präferenz der SPD-Wähler für eine Regierungskoalition aus CDU und SPD wohl ein Traum bleiben.

Die FDP gewann insbesondere Stimmen aus dem Nichtwählerlager sowie von ehemaligen CDU-Wählern, ihre Zweitstimmenanteile stiegen in 39 der 45 Wahlkreise. Sachlösungen standen für die Wählerschaft im Vordergrund, Hauptthema blieb die Wirtschaftspolitik. Die Stimmabgabe erfolgte knapp mehrheitlich aus Überzeugung, zu einem starken Anteil aber auch aus Enttäuschung über die Politik der anderen. Und doch reichte es knapp nicht zum Einzug ins Parlament.

Die Frage in Sachsen-Anhalt wird sein: Was geht gegen die AfD? Denn mit ihr, so hört man, will wohl niemand. Aber kann man sich Schwarz-Rot-Grün wirklich vorstellen?