Stabwechsel

„Neue Wege braucht gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit."

Jürgen Morloks Rede anlässlich des Vorstandswechsels der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Meinung28.09.2018Prof. Dr. Jürgen Morlok
Prof. Dr. Jürgen Morlok während seiner Abschiedsrede
Wolfgang Borrs / franknuernberger.de

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Gäste,

ein herzliches Willkommen Ihnen heute allen anlässlich des Stabwechsels des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit!

Ich begrüße sehr herzlich den Bundesvorsitzenden der uns nahestehenden Partei und Fraktionsvorsitzenden der FDP im Deutschen Bundestag, Christian Lindner. Lieber Christian Lindner, herzlich willkommen!

Sehr herzlich begrüße ich unser neues Kuratoriumsmitglied, Anne Brasseur, Ehrenpräsidentin des Europäischen Rates und das Mitglied des Europäischen Parlaments, Wolf Klinz. Liebe Anne Brasseur, lieber Wolf Klinz, auch ihnen ein herzliches Willkommen!
Eine besondere Ehre ist es für uns, das Mitglied des britischen Oberhauses, Lord Stephen Green begrüßen zu dürfen. Lieber Lord Green, seien sie herzlich willkommen!
Gerne begrüße ich auch sehr herzlich die anwesenden ehemaligen Bundesminister: Lieber Daniel Bahr, lieber Rainer Brüderle, lieber Klaus Kinkel, lieber Rupert Scholz, ein herzliches Willkommen!
Begrüßen möchte ich auch sehr herzlich den Parlamentarischen Staatssekretär a. D. und Vizepräsidenten der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments, Ernst Burgbacher. Lieber Ernst Burgbacher, ein herzliches Willkommen!
Mit Ihnen begrüße ich auch insbesondere alle anwesenden ehemaligen Mitglieder des Bundestages und der Landesparlamente sehr, sehr herzlich. Stellvertretend dafür begrüße ich den ehemaligen Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt, Dieter Steinecke. Lieber Dieter Steinecke, herzlich willkommen!
Sehr herzlich möchte ich die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Politischen Stiftungen zu unserem Stabwechsel begrüßen. Lieber Roland Schmidt (FES), Dagmar Enkelmann (RLS), liebe Ellen Überschär (HBS), lieber Peter Witterauf (HSS): Seien Sie uns herzlich willkommen!
Begrüßen möchte ich auch sehr herzlich den stellvertretenden Vorsitzenden des Kuratoriums unserer Stiftung, Prof. Dr. Ludwig Theodor Heuss, und mit ihm alle Mitglieder des Kuratoriums und des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, sowie unser langjähriges Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, Rolf Berndt.
Auch begrüße ich Herrn Ulrich Scheel, den Sohn unseres verstorbenen Freundes und ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel. Lieber Ulrich Scheel, seien Sie uns herzlich willkommen!
Um Verständnis bitte ich auch, nicht alle anwesenden Gäste namentlich begrüßen zu können, aus den Bereichen der Verbände, der verschiedenen gesellschaftlichen Organisationen und unserer liberalen Familie. Seien Sie uns alle sehr, sehr herzlich willkommen!

In einer seiner letzten öffentlichen Reden 1919 hat Friedrich Naumann sein Anliegen noch einmal auf den Punkt gebracht: „Wenn wir Republikaner sein wollen, müssen wir ein anderes Bildungsideal haben als bisher. Vom Untertanen verlang man keine Staatskenntnisse, aber vom Bürger. Der Untertan zahlt Steuern, gehorcht und spielt Klavier oder Skat, der Bürger braucht noch etwas mehr.“ Oder in meinen Worten ausgedrückt: Demokraten wachsen nicht auf Bäumen, die man dann – je nach Bedarf – abpflücken kann, sondern zu Demokraten wird man herangebildet. Und gerade eine freiheitliche Gesellschaft braucht Staatsbürger, die einerseits die politischen Tugendwächter und Ordnungsrufer nicht zur Ruhe kommen lassen und andererseits den Denkfaulen und Patentrezeptinhabern den Schlaf rauben. Heute mehr denn je. Darauf wollte Wolfgang Gerhardt mit der politischen Bildungsarbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung reagieren, den Wert der Freiheit betonen und das Bewusstsein für ihre Gefährdungen neu verankern. Dies gilt für die Inlands- und Auslandsarbeit, die auf dem Grundsatz beruht, dass Freiheit Entwicklung und Frieden fördert. Sein Grundsatz: „Jeder Mensch braucht Freiheit, um seine Anlagen und Fähigkeiten entfalten und sich verwirklichen zu können. Ohne Freiheit ermüdet der menschliche Geist, verfallen Kulturen und Wissenschaft, stagniert die Wirtschaft. Geistiges Leben braucht Freiheit genauso, wie der der Körper die Luft zum Atmen.“Gleich nach Übernahme des Vorsitzes des Vorstandes 2006 durch Wolfgang Gerhardt hat die Friedrich-Naumann-Stiftung ihren traditionsreichen Namen um den zentralen Grundwert unserer Gesellschaft erweitert: den der FREIHEIT.

Ich selbst bin seit 1981 Mitglied in der Stiftung, seit 1996 Vorsitzender des Kuratoriums: Fünf Vorstandsvorsitzende (Hans-Wolfgang Rubin, Lord Dahrendorf, Wolfgang Mischnick, Otto Graf Lambsdorff, Wolfgang Gerhardt) habe ich erlebt.Aber ich habe auch keinen Vorsitzenden erlebt, der sich inhaltlich und zeitlich so um die Stiftung gekümmert hat, im In- und Ausland.Wolfgang Gerhardt hat richtungsweisende und imageprägende Entscheidungen herbeigeführt. Ich nenne Ihnen einige wenige Beispiele, und Sie werden erkennen, sie sind immer mit Freiheit verbunden:

Als erste Großveranstaltung unter dem Freiheitsthema fand im November 2006 am historischen Ort in der Frankfurter Paulskirche erstmals die Verleihung des Freiheitspreises der Stiftung vor mehr als 1200 Gästen an Hans-Dietrich Genscher statt. Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker hielt in Anwesenheit der früheren Außenminister Skubiszewski und Dienstbier aus Polen bzw. Tschechien die Laudatio. In den folgenden Jahren waren beispielsweise der Literaturnobelpreisträger und langjähriger Stiftungspartner Mario Vargas Llosa, die türkischstämmige Autorin Necla Kelek, der Philosoph Wolfgang Kersting sowie der frühere schweizerische Bundespräsident Kaspar Villiger Preisträger, und zum Ende der Amtszeit von Wolfgang Gerhardt im kommenden November erhält der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck den Preis. Es ist das Verdienst Wolfgang Gerhardts, diese solche Persönlichkeiten gefunden und zur Annahme des Preises bewegt zu haben. Die 2007 erstmals durchgeführte jährlich stattfinde Veranstaltung „Berliner Rede zur Freiheit“ am Brandenburger Tor fand ebenfalls bundesweite Beachtung. Erster Redner in dieser Reihe war der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichtes, Udo di Fabio, und zum Ende der Amtszeit von Wolfgang Gerhardt hielt der britische Historiker und Schriftsteller Timothy Garton Ash, Direktor des European Studies Centre am St. Antony´s College der University of Oxford, die 12. Berliner Rede zur Freiheit.
Ein Relaunch der Zeitschrift „liberal“ sollte ihr politisches Gewicht und ihre Attraktivität deutlich steigern und die Wirkung in anderen Medien stärken. Ein attraktiveres Design, eine dialogorientierte Internetplattform, ein intensiviertes Marketing und eine professionell arbeitende Redaktion waren dafür die Basis. Seit der Ausgabe 2/2012 erscheint „liberal“ mit wachsendem Erfolg. Die Auflage liegt aktuell bei ca. 80.000, wir hatten aber auch schon 220.000, und liberal ist heute ein beachtliches und beachtetes Debattenmagazin.
Im Jahre 2008 feierte die Stiftung vor großer Kulisse im Bonner Bundeshaus ihr 50-jähriges Jubiläum, an dem auch der damalige Bundespräsident Horst Köhler sprach. Lord Dahrendorf, in den 1980erJahren Vorsitzender der Stiftung, unterstrich in seinem Festvortrag die Notwendigkeit der Neuorientierung und Namensänderung. Bedeutsame Veranstaltungsreihen wurden 2010 mit dem Walter-Scheel-Kolloquium und der Dahrendorf Lecture in Freiburg – gemeinsame mit der Badischen Zeitung und der ZEIT-Stiftung & Bucerius Law School begründet. Wolfgang Gerhardt selbst begann eine Serie von eigenen Veranstaltungen unter dem Titel „Freiheit und Fairness“ in allen Regionalbüros in Deutschland.

 

Jürgen Morlok

"Demokraten wachsen nicht auf Bäumen, die man dann – je nach Bedarf – abpflücken kann, sondern zu Demokraten wird man herangebildet"

Prof. Dr. Jürgen Morlok

Wir haben uns beide in den 1970-er Jahren in der FDP kennengerlernt und wie selbstverständlich sofort verstanden. Klar: Wir sind beide in der Landespolitik groß geworden. Er Hesse, ich der Baden-Württemberger, also beide aus Genussländern. Er der Freund des Rheingauer Rieslings und ich des badischen Weißburgunders, und je nach Laune verbunden mit deftigem oder feinem Essen. Wir sind zutiefst davon überzeugt: Beides zu genießen – auch und gerade mit schwierigen Parteifreunden – baut Konfliktpotential ab und erleichtert sodann, entspannt politische Realitäten zu begreifen und darin liegende Probleme mit beschwingten Innovationen zu lösen. Wolfgang Gerhardt ist also zu verdanken, die Kulinaristik als Fortsetzung der Politik mit besonders subtilen legalen Drogen als friedenstiftendes Instrument praktizierter Politik zur Perfektion entwickelt zu haben.Lebenslust ist Basis für Liberalität. Dieses vermittelt zu haben, dafür will ich Dir danken ebenso wie für Jahrzehnte lange persönliche und politische Freundschaft. Und so soll es auch in Zukunft bleiben.

Noch unter dem Vorsitz von Wolfgang Gerhardt hat 2017 der Vorstand die strategischen Ziele für den Zeitraum bis 2022 erarbeitet und die notwendigen Maßnahmen zu deren Umsetzung bereits in Auftrag gegeben. Der neue Vorstand – unter Vorsitz von Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué – steht vor vielen neuen, reizvollen Aufgaben, die er mit einer von Wolfgang Gerhardt gut aufgestellten Stiftung und ihren engagierten und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angehen kann. Ich wünsche für die kommenden vier Jahre Glück und Erfolg! Das Kuratorium setzt auf die neue Mannschaft - das einstimmige Wahlergebnis drückt dies eindrucksvoll aus. Die Aufgabe ist nur zu bewältigen mit einer guten Vorstandsmannschaft und Kuratorium. Die Arbeit wird mit kritischer und loyaler Sympathie begleitet. Neue Wege braucht gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit. 

Ein Mitstreiter aus Deiner Vorstandszeit verlässt heute ebenfalls den Vorstand: Wolf-Dieter Zumpfort. Über zwanzig Jahre ehrenamtliche Arbeit an herausgehobener Position für die Stiftung für die Freiheit ist etwas, was man nur bewunderten kann und auf das Du, lieber Wolf-Dieter, stolz sein solltest. Seit 1994 stehst Du uns mit Rat und Tat zur Seite, davon zwei Jahrzehnte als stellvertretender Vorsitzender.

Du hast Deine Expertise und Tatkraft sehr kontinuierlich, vor allem aber an zwei Stellen eingebracht:
Einmal in der internationalen Arbeit, wo Du weltweit als Botschafter des Liberalismus und gern gesehene Verstärkung unserer Auslandsbüros unterwegs gewesen bist, von HonKong über Manila bis Südafrika, von Istanbul über Prag bis Mexiko. Es dürfte leichter sein, die Flecken auf unserem Globus aufzuzählen, wo Du noch nicht versucht hast, die liberale Botschaft zu verkünden, als die Stationen Deiner Reisen, deren Fokus sicherlich nicht zufällig im aufstrebenden und immer wichtiger werdenden asiatischen Raum gelegen hat.
Während der eine Schwerpunkt Deines Stiftungsengagements Dich weit herausgeführt hat, lag und liegt der andere gewissermaßen dicht vor der Haustür: Vor einigen Jahren hast du dankenswerterweise zusätzlich den Vorsitz der Karl-Hamann-Stiftung übernommen, sicherlich nicht nur, weil Du im Land Brandenburg inzwischen ansässig bist. Jedenfalls war es ein Glücksfall für uns, denn die liberale Bildungsarbeit im Berliner Umland brauchte damals dringend neuen Schwung, und das auf einem Terrain, wo liberale Ideen wahrlich kein Selbstläufer sind. Dafür vielen Dank und großen Respekt!

Der Stabwechsel, den wir heute hier begehen, bringt eine Zäsur in der Stiftung. Auch für mich ist dies ein Abend, der mich emotional berührt. Ich habe in der ganzen Zeit mit keinem Vorstandsvorsitzenden so lange zusammengearbeitet. Wir haben gemeinsam viel bewegt. Wir haben Erfolg und Ärger geteilt, kennen uns sehr lange. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist Wolfgang Gerhardt für seinen unermüdlichen Einsatz um die Profilierung und innovative Weiterentwicklung der Stiftung zu großem Dank verpflichtet, den wir – Kuratorium, Vorstand und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung – hier und heute respektvoll abstatten wollen.
Herzlich bedanke ich mich für Dein Engagement.