Nachruf
Großer Liberaler und Europäer

Der FDP-Politiker Klaus Kinkel ist im Alter von 82 Jahren gestorben
Klaus Kinkel 2016 im ehemaligen Bundestag in Bonn.
Klaus Kinkel 2016 im ehemaligen Bundestag in Bonn. © picture alliance / Sven Simon Herunterladen

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit trauert um den großen Liberalen und Europäer Klaus Kinkel. Karl-Heinz Paqué, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Wolfgang Gerhardt würdigen den Menschen und Politiker Klaus Kinkel.

Karl-Heinz Paqué: „Klaus Kinkel hat die deutsche und europäische Politik geprägt. Als „rechte Hand“ von Hans-Dietrich Genscher im Auswärtigen Amt war die Ostpolitik sein zentrales Thema. Als Außenminister der Bundesrepublik war die europäische Integration seine Leidenschaft. Als Klaus Kinkel 1992 Hans-Dietrich Genscher als Außenminister nachfolgte, standen die Verhandlungen des „Europa der 15“ an. Der Beitritt Österreich, Finnlands und Schwedens wurde von Klaus Kinkel im Sinne seiner europäischen Vision eines geeinten europäischen Kontinents erfolgreich umgesetzt.  „Europa wächst nicht aus Verträgen, es wächst aus den Herzen seiner Bürger oder gar nicht“, so lässt sich sein politisches Erbe zusammenfassen.“

„Den Menschen Klaus Kinkel, besonders seine Herzlichkeit und seinen Humor, werde ich vermissen“. 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: „Als ich Klaus Kinkel als Justizministerin in Bonn nachfolgte, hatte er das Ministerium bereits 11 Jahre geprägt auch als beamteter Staatssekretär seit 1982. Er wurde zwar erst 1991 offiziell Justizminister, hatte aber bereits dort krankheitsbedingt die Geschäfte seines Ministers geführt. Sein Verdienst um die Deutsche Einheit, als er in einem kaum vorstellbaren Kraftakt das DDR-Recht in den Einigungsvertrag überführte, kann gar nicht genug gewürdigt werden. Klaus Kinkel war nicht nur ein Jurist aus Leidenschaft, den der Schutz der Grundrechte immer antrieb. Er war vor allem ein geradliniger Politiker, auf dessen Wort ich mich immer verlassen konnte. Als wir zusammen im Kabinett Kohl Ministerkollegen waren, erlebte die FDP wieder einmal eine Schwächephase. Und trotz einiger Anfeindungen hielt Klaus Kinkel immer Kurs. Er ließ sich nicht verbiegen und blieb seinen liberalen Grundüberzeugungen immer treu. Dazu gehörte auch nach dem Ende seiner Tätigkeit in der Politik sein Engagement für Bildung und Soziales. Klaus Kinkel hat immer ein besonderes Sensorium für die Menschen gehabt, die ausgegrenzt oder wenig Chancen in unserer Gesellschaft haben. Sein Engagement für Behinderte war ihm stets eine Herzensangelegenheit. Genauso wie sein Engagement für Bildungschancen benachteiligter Kinder. Der emphatische Liberalismus eines Klaus Kinkel ist ein Auftrag für kommende Generationen.“

Wolfgang Gerhardt: „Klaus Kinkel ist verstorben. Er war Außenminister und Vorsitzender der FDP. Für mich war er mehr als das, er war ein Freund - kein oberflächlicher. Als wir uns fragten, ob wir uns duzen sollten, erbat er einen Tag Bedenkzeit, dann stimmte er zu. Nach einigen Jahren sagte zu mir, er habe es nie bereut.
Klaus war ein zuverlässiger, ehrlicher und vertrauenswürdiger Mann. Es gab kein Gespräch zwischen uns, das nicht neben politischen Fragen auch Persönliches, Familiäres und allzu Menschliches beinhaltete. Wir waren beide politisch engagiert, hatten aber auch Abstand zur Politik und sprachen oft über das, was noch im Leben wichtig war.
Je älter wir wurden, desto skeptischer wurden wir gegen manche Entwicklungen, die weniger auf Argumente als auf Stimmungen setzten, gegenüber Verlust an Bewusstsein, auf was sich unsere Freiheit eigentlich gründet, und auch gegenüber Begehrlichkeiten, die geradezu alles vom Staat erwarten und von sich selbst recht wenig.
Wir hätten noch viel zu besprechen gehabt, nun ist Klaus gestorben. Ich verliere mit ihm auch ein Stück aus meinem Leben. Ich werde ihn nie vergessen.“

Mehr zum Thema