Mit dem Handy zahlen

Bank- und IT-Experte Barry van Huyssteen zum Erfolgsgeheimnis südafrikanischer Banken

Meinung26.07.2017Ekaterina Georgousaki
Handy als Zahlungsmittel
Das Handy als ZahlungsmitteliStock/ martin-dm (bearbeitet)

Kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone, innovative Prämienprogramme und Bank-Apps, über die Handyguthaben, Strom und andere alltägliche Einkäufe erledigt werden können – was viele Banken in Deutschland erst jetzt allmählich einführen, ist für die meisten Bankkunden in Südafrika bereits Alltag. Südafrikas Banken gehören zu den besten und innovativsten der Welt. Dies wird durch eine Vielzahl von internationalen Vergleichsstudien bestätigt, in denen die Banken des Landes regelmäßig die vordersten Plätze belegen. In der „Global Bank Quality“-Studie der Lafferty Group 2017 landete die südafrikanische Capitec-Bank auf Platz eins. Insgesamt erreichten die fünf großen Banken des Landes gemeinsam einen höheren Durchschnittswert als die Banken jedes anderen Landes weltweit. Die First National Bank (FNB) ist bereits mehrfach als eine der innovativsten Banken weltweit ausgezeichnet worden.

Im Interview erläutert Barry van Huyssteen, Bank- und IT-Experte, die Hintergründe des Erfolges südafrikanischer Banken und spricht über aktuelle Trends in der Branche.

1. Südafrikanische Banken schneiden in internationalen Studien hervorragend ab, in vielen Fällen besser als europäische und amerikanische Banken. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Der Finanzsektor in Südafrika ist seit jeher von Konkurrenz und Wettbewerb gekennzeichnet. In den vergangenen Jahrzehnten gab es einen massiven Konsolidierungsprogress, in dessen Verlauf sich aus einer Vielzahl kleinerer Banken schließlich fünf große Banken herausgebildet haben. Diese verfügten über viel Kapital und konnten zudem auf hochqualifizierte Bank- und IT-Experten zurückgreifen. Aus diesem Grund waren und sind die fünf großen südafrikanischen Banken (Anm. der Redaktion: Nedbank Group, Standard Bank Group, FirstRand Bank Group, Capitec Bank Holdings und ABSA Group Bank) im Bereich Digitalisierung sehr aktiv. Zudem befanden wir uns durch den strukturellen Wandel nach 1994 (Anm. der Redaktion: als Südafrika demokratisch wurde) in einer Situation, in der eine große Zahl ehemals benachteiligter Südafrikanerinnen und Südafrikaner in gut bezahlte Jobs in der Regierung und Wirtschaft aufstiegen und entsprechende Finanzdienstleistungen forderten. Auf diese Nachfrage mussten die Banken reagieren.

Eine Herausforderung, vor der wir in den letzten Jahren stehen, ist die Schwäche des südafrikanischen Rand. Es fällt uns zunehmend schwer, internationale Expertise nach Südafrika zu locken. In dieser Situation müssen wir uns gewissermaßen selbst das Nötige beibringen und „make a plan“, wie man in Südafrika sagt. Wir schauen uns an, was in anderen Ländern der Welt geschieht, und lassen uns davon inspirieren. Zusammenarbeit und Austausch gehören, insbesondere in einem multikulturellen Land wie Südafrika, einfach dazu und befördern Innovation und Fortschritt.

Als letzten Faktor würde ich gerne die südafrikanische Bankaufsichtsbehörde erwähnen, die technischen Innovationen gegenüber sehr offen ist und diese aktiv fördert. In manchen Fällen ist es sogar die Aufsichtsbehörde selbst, die die Banken zu mehr Innovation ermutigt. Dies ist momentan im Bereich cloud banking der Fall, der in den kommenden Jahren eine kaum zu überschätzende Rolle spielen wird.

Innovative Bankdienstleistungen in Südafrika
Innovative Bankdienstleistungen in SüdafrikaiStock/ YurolaitsAlbert

2. Südafrikas Banken sind insbesondere in den Bereichen Innovation und Sicherheit Vorreiter. Können Sie uns mehr darüber sagen?

Meiner Ansicht nach ist einer der Hauptgründe dafür, dass unsere Banken in diesen Bereichen so fortschrittlich sind, unsere Bereitschaft von anderen zu lernen. Wir reisen regelmäßig nach Kalifornien, China und Europa und schauen uns an, wie Dinge dort gemacht werden oder auch nicht. Diese Ideen bringen wir zurück nach Südafrika und versuchen sie weiter zu verbessern. Diese Lernkultur und die fehlende Arroganz, alles selbst gewissermaßen neu erfinden zu müssen, spielen eine sehr wichtige Rolle.

Südafrikanische Banken setzen ferner auf die Kooperation mit business incubators und development hubs. Außerhalb von Stellenbosch im Westkap ist, um ein Beispiel zu nennen, das „Silicon Valley“ Südafrikas entstanden. Hier wurde unter anderem ein Sicherheitssystem entwickelt, das wir als MFA (multi-factor authentification) bezeichnen. Dies bedeutet, dass bei Online-Transaktionen mehrere Authentifizierungsmechanismen zum Einsatz kommen. Zusätzlich zur Abfrage des Passworts wird eine SMS an das Handy des Kontoinhabers verschickt, in der die Transaktion bestätigt werden muss. Dieses Konzept wurde von den Banken aufgekauft und wird heute flächendeckend genutzt.

In diesem Kontext sind auch alternative Bezahlformen zu betrachten. Sobald die Identität einer Person im System mittels MFA bestätigt worden ist, ist es sehr leicht, auf weitere Dienste, darunter Bezahlfunktionen, zuzugreifen. So arbeiten die großen Banken mit einem development hub bei Stellenbosch zusammen, in dem verbraucherfreundliche, leicht zugängliche digitale Bezahlformen entwickelt werden. Durch derartige Partnerschaften zwischen Banken und kreativen Zentren werden Innovation und Kreativität gefördert.

3. Während 98% der Haushalte Südafrikas Zugang zu einem Mobiltelefon besitzen, haben rund 30% der Bevölkerung kein Bankkonto. Wie gehen die Banken mit dieser Zielgruppe um?

Diese Aussage ist für weite Teile Afrikas richtig, aber die Situation in Südafrika gestaltet sich anders als in den meisten Ländern des Kontinents. Hier erreichen Bankdienstleistungen einen Großteil der Bevölkerung. Schauen wir zum Vergleich nach Kenia und Tansania, wo das von Vodafone und Safaricom entwickelte mobile Bezahlsystem M-Pesa einen Riesenerfolg erzielt hat. Als man versuchte, M-Pesa in Südafrika einzuführen, blieb dieser Erfolg jedoch aus. Dies liegt daran, dass der Finanzsektor in Südafrika viel weiter entwickelt ist als in anderen afrikanischen Ländern. Hier kann man einfach zur Bank gehen und problemlos Überweisungen von einer Person an eine andere vornehmen. Was in Südafrika besonders interessant ist und derzeit viel Aufmerksamkeit in der Branche erhält, ist die Frage, wie man den Zahlungsverkehr komplett digitalisieren kann. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Millionen von ausländischen Arbeitnehmern aus anderen afrikanischen Ländern, die Geld zurück an ihre Familie überweisen, von großer Bedeutung.

4. Was sind Ihrer Meinung nach die großen Zukunftstrends in der Branche? 

„It is all about mobile” – meiner Ansicht nach werden wir in den nächsten Jahren mehr Partnerschaften zwischen Mobilfunkanbietern und Banken sehen. Wir besitzen in Südafrika und anderen Teilen Afrikas recht gute 4G- und 5G-Netzwerke und darauf gilt es eher aufzubauen als auf physische Infrastruktur. Woran es den Mobilfunkanbietern mangelt, ist Sicherheit – und hier können die Banken mit ihren ausgeklügelten Sicherheitssystemen einspringen. Diese Konvergenz zwischen Mobilfunk- und Finanzdienstleistungen wird es auf lange Sicht den Menschen in Afrika ermöglichen, einfach, schnell und sicher all ihre Transaktionen online durchzuführen.

Barry van Huyssteen ist Bank- und IT-Experte in Südafrika.

Das Interview wurde geführt und ins Englische übersetzt von Ekaterina Georgousaki

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Jules Maaten
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