Midterm Elections

Führt Trumps Handelspolitik zum Stimmeneinbruch für die Republikaner?

Farmer könnten das Zünglein an der Waage sein

Analyse05.11.2018
Entscheiden die Stimmen der Landwirte die Midterms?
Entscheiden die Stimmen der Landwirte die Midterms?Haskew / iStock / Getty Images

Bei den Präsidentschaftswahlen 2016 haben viele Landwirte für Donald Trump gestimmt. Sein Wahlversprechen, Amerikas Landwirtschaft wieder profitable zu machen, hat sich bislang jedoch nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Unter dem Handelsstreit mit China und anderen Ländern leiden vor allem Amerikas Bauern. Die Quittung könnte Trump bereits bei den anstehenden Halbzeitwahlen erhalten.

Amerikanische Landwirte repräsentieren für viele die stereotypische konservative Basis: Sie sind weiß, männlich und im ländlichen Amerika zu Hause. Darüber hinaus verbindet man mit Amerikas Farmern die Mentalität und Arbeitsmoral, für die die Republikaner seit Jahrzehnten einstehen: hart arbeitend, fleißig und selbstständig. Vor dem Hintergrund ist es keine große Überraschung, dass Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2016 die Mehrheit der Wählerstimmen im sogenannten Agrargürtel des Mittleren Westens auf sich vereinen konnte. Trump erreichte die Wählergruppe der amerikanischen Bauern, indem er ihnen das Gefühl vermittelte, gehört zu werden und ihre Bedenken hinsichtlich einer Überregulierung des Agrarsektors und der unsicheren Zukunft der Landwirtschaft ernst zu nehmen. Seine Versprechen für die amerikanische Agrarindustrie – etwa die Erhöhung des Anteils am inländischen Markt bei gleichzeitigem Ausbau des internationalen Handels – überzeugte 2016 noch über 70 Prozent der Wählerschaft des Agrargürtels. Doch zu dem erhofften Aufschwung kam es bisher nicht. Stattdessen leiden Amerikas Landwirte unter den von Trump angezettelten Handelskonflikten und auferlegten Strafzöllen.

Bei den anstehenden Halbzeitwahlen am 6. November hat die ländliche Bevölkerung Amerikas nun die Chance, ihrer Stimmung in Bezug auf den Präsidenten und seine Politik Ausdruck zu verleihen. Werden sie sich für die von Trump unterstützten Kandidaten entscheiden oder werden sie dem Präsidenten einen Denkzettel verpassen? Bei der Beantwortung der Frage ist zu beachten, dass die Landwirte von Trumps Initiativen ganz unterschiedlich betroffen sind. Wie sich die Wählergruppe der Landwirte also letztendlich entscheiden, kann sich von Region zu Region oder sogar von Anbauart zu Anbauart unterscheiden. Würde es der Opposition gelingen, Teile der konservativen Wählerschaft des Agrargürtels umzustimmen, dann wäre es nicht undenkbar, dass auch andere Wählergruppen umgestimmt werden können. Den abschätzig genannten „Fly over“-Bundesstaaten, die Hillary Clinton in ihrem Wahlkampf weitgehend ignorierte, könnte somit erhebliches politisches Gewicht zukommen.

Auswirkungen von Trumps Politik auf die Landwirtschaft

Die Politik der Trump-Administration hat den Agrarsektor in drei verschiedenen Bereichen getroffen: Energie, Arbeit und Handel. Produzenten von Mais und Sojabohnen wurden durch Trumps Ausnahmeregelungen für Ölraffinerien im Bezug auf den Einsatz von Biodiesel beeinträchtigt. Gemäß dem „Renewable Fuel Standard“ aus dem Jahr 2005 muss Kraftstoff eine Mindestmenge von erneuerbaren Treibstoffen aufweisen. Trumps Ausnahmeregelung führte dazu, dass mit der Ölindustrie ein verlässlicher Abnehmer für Mais und Soja wegfiel, da bei der Herstellung von Biodiesel Rohbenzin mit Agrarprodukten vermischt wird.

Auch die Einwanderungspolitik bereitet den U.S. Farmern Sorgen: Seine harsche Rhetorik im Bezug auf Einwanderer führt zu einem ernstzunehmenden Arbeitskräftemangel. Zwar stieß Trump mit seinen „Amerika First“-Parolen bei der ländlichen Bevölkerung auf Gehör, doch vergaßen viele dabei, dass der amerikanische Agrarsektor auf Einwanderer mit oder ohne Aufenthaltsgenehmigung angewiesen ist. In der Einwanderungsdebatte prallen für republikanische Farmer Realität und Rhetorik aufeinander. Zwar wollen sie als treue Trump-Unterstützer sichergehen, dass die Jobs in ihren Betrieben an Amerikaner gehen. Gleichzeitig sind sie aber auf die billigen Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen, um ihre Existenz zu sichern. Eine Mauer zwischen den USA und Mexiko, wie Trump sie plant, würde auch Tausende von Arbeitsmigranten, die das Rückgrat der amerikanischen Landwirtschaft bilden, davon abhalten, ihren Weg in die USA zu finden. Für Betriebe, die ohnehin um hauchdünne Margen kämpfen müssen, hätte die Mauer erhebliche negative Auswirkungen.