Menschen mit Demokratie anstecken

Sonya Winterberg über das Schmalbart Network

Meinung05.05.2017
Schmalbart Network
Schmalbart NetworkSchmalbart Network

Das rechtspopulistische Breitbart News Network plant einen Deutschland-Ableger. Dem tritt mit dem Schmalbart Network ein "Netzwerk von Menschen" entgegen, das Medienangebote kritisch begleitet, mit dem Ziel Grenzen zu ziehen, wenn Unwahrheiten und Verdrehungen oder gar Fälschungen verbreitet werden. Am Rande der Veranstaltung "Fake News und Soziale Marktwirtschaft - Wie Lügen die Stabilität Europas gefährden", die von der Stiftung für die Freiheit in Kooperation mit dem Verband Deutscher Zeitungsverleger in Berlin durchgeführt wurde, sprachen wir mit der Publizistin Sonya Winterberg, die sich ehrenamtlich für das Schmalbart Network engagiert.

Frau Winterberg, Sie engagieren sich für das Schmalbart Network, das es sich zum Ziel gemacht hat Grenzen zu ziehen, "wenn Unwahrheiten und Verdrehungen oder gar Fälschungen verbreitet werden". Sie reagieren damit auf den Aufbau eines Deutschland-Ablegers des Breibart News Networks aus den USA. Wie sieht die praktische Arbeit des Netzwerkes aus? Wie treten Sie den sogenannten "Fake-News" entgegen?

Uns geht es nicht allein um "Fake News", die ja nur ein Phänomen des derzeitigen gesellschaftlichen Klimas sind. Schmalbart geht es darum, einen demokratiestützenden Diskurs zu stärken. Dabei geben wir keine Meinung vor, sondern setzen darauf, dass Menschen sich nicht ins Private zurückziehen, sondern sich mit Gesellschaft und Politik aktiv auseinandersetzen. "Fake News" und tendenziöser Berichterstattung begegnen wir mit Informationen und Fakten. Wir wünschen uns eine faire und sachliche Diskussion unterschiedlicher Standpunkte.

Sonya Winterberg

Wir setzen darauf, dass Menschen sich nicht ins Private zurückziehen, sondern sich mit Gesellschaft und Politik aktiv auseinandersetzen.

Sonya Winterberg

Praktisch arbeiten wir an und mit unterschiedlichen Werkzeugen, die sich auch danach richten, wofür sich Menschen, die sie bei uns engagieren, interessieren. Momentan arbeiten wir beispielsweise an einer Faktendatenbank, die transparente Informationen und Quellen zu umstrittenen Themen liefern soll und an einem Glossar populistischen Sprachgebrauchs. Beides kann dann in den Sozialen Medien verbreitet werden. Darüber hinaus gibt es unsere Blogs auf Schmalbart.de und Vox-Populisti.de. Wir schauen dabei keineswegs nur auf das Breitbart Network, sondern überhaupt auf populistische Medien.

Sie konzentrieren sich bei Ihrer Arbeit nicht nur, aber besonders auf Facebook, Twitter, Youtube und andere Soziale Netzwerke. Worin unterscheidet sich der Umgang mit Unwahrheiten auf diesen Kanälen im Gegensatz zu den klassischen Medien?
 

Zum einen in der Schnelligkeit, mit der Inhalte verbreitet werden, zum anderen in der Reichweite. Beides zusammen kann für Gutes wie Schlechtes genutzt werden. Im besten aller Fälle sollte es gelingen, sachliche Informationen in die Welt zu tragen, die helfen, unsere hyperkomplexe Zeit besser zu verstehen und sich ein eigenes Bild über das Zeitgeschehen zu machen. Uns geht es mit Schmalbart jedoch nicht um Konsens, sondern um einen pluralistischen Diskurs innerhalb des demokratischen Spektrums. 

Die gut besuchte Veranstaltung zum Phänomen "Fake News" in Berlin
Die gut besuchte Veranstaltung zum Phänomen "Fake News" in BerlinFriedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Nun ist Schmalbart noch ein sehr junges Projekt. Wie finanzieren Sie sich und wo wollen Sie, dass Schmalbart in einem Jahr steht? 
 

Unsere Arbeit wird von zwei Säulen getragen: Ehrenamtlichkeit und Spenden (u.a. über https://steadyhq.com/schmalbart). Schmalbart will die Zivilgesellschaft dazu anregen, Debatten im Internet nicht denjenigen zu überlassen, die am lautesten schreien. In den Sozialen Medien und den Kommentarspalten der Online-Medien sind Beleidigungen und Hassbotschaften allgegenwärtig. Diesen Formen von Gewalt wollen wir wirksam entgegen treten. Ich hoffe, dass wir unsere Arbeit in einem Jahr soweit professionalisiert haben, dass wir einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind und sie mit unserer Freude an Demokratie anstecken können.