Innovationskongress 2018

Mehr Wagnis, weniger Perfektionismus

2. Innovationskongress 2018

Nachricht07.12.2018Petra Horstick
Prof. Dr. Andreas Pinkwart hielt die Keynote bei dem diesjährigen Innovationskongress 2018
Prof. Dr. Andreas Pinkwart hielt die Keynote bei dem diesjährigen Innovationskongress 2018MWIDE NRW/F. Wiedemeier

Innovation ist kein Selbstzweck. Innovation ist die Antwort auf die drängenden Fragen der Zukunft. Die globalen Megatrends geben die Richtung vor: Digitalisierung, demographische Entwicklung, Klimawandel und Ressourcenknappheit, Globalisierung und Migration, um nur einige zu nennen. Unser hochkarätig besetzter Innovationskongress 2018 der zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AIF) und dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) veranstaltet wurde, hat gezeigt, wie Deutschland die Herausforderungen angehen sollte.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart beispielsweise will  mehr Innovation wagen, um die eigene Marktführerschaft nicht zu verspielen: "Wir bauen perfekte Autos. Das ist die größte Gefahr, in der wir stecken." Gerade aber bei Industriezweigen wie Auto- und Maschinenbau sei Innovation dringend notwendig, um auch, in Zukunft zur Spitze zu gehören. Geld dagegen ist nach Auffassung von Pinkwart und den Teilnehmern des Innovationskongresses gerade nicht der entscheidende Faktor – sondern der Fachkräftemangel: "Kluge Köpfe – ‚Smart People‘ – sind immer Mangelware. Wir müssen uns verdammt viel einfallen lassen, damit wir die Köpfe haben“, führt Pinkwart aus. Mit dieser Keynote eröffnete er den Innovationskongress, der im Fraunhofer-Forum in Berlin stattgefunden hat. 

Kein Ort wäre passender für dieses Thema gewesen.  Wo doch im Zentrum der Fraunhofer-Gesellschaft das Leitbild steht: "Forschung und Entwicklung sind die Treiber für Innovationen, wie Maximilian Steiert Direktor für Politik und Internationales in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft", erläuterte. Die Diskussionen an dem Tag drehten sich um die Frage: Wenn wir uns in das Deutschland des Jahres 2030 versetzen und zurückblicken: Was sehen wir dann? Eine starke Wirtschaft, positiv gestimmte Unternehmen, eine gute Beschäftigungssituation. Aber: Haben wir richtig auf die Herausforderungen der Zukunft reagiert? Auf neue Produktionstechniken von Robotik bis 3-D-Druck? Auf eine Welt von „augmented reality“, in der die Produktion echter Waren überflüssig erscheint? Auf den Wandel der Arbeitswelten und veränderte Prioritäten von Unternehmen und Beschäftigten? Auf begrenzte Ressourcenreserven und das steigende Nachhaltigkeitsbedürfnis der Verbraucher? Es war ein eindrucksvoller Ritt durch all diese Themen.

Mit weniger Perfektionismus zu mehr Industrie-Innovation

Wie wird Deutschland innovationsfit? Geld sei nicht so entscheidend wie das Werben internationaler Fachkräfte, unterstrich Pinkwart. Er beschwor in seiner Keynote das Beispiel des Traditionsunternehmens Kodak, das 2012 Insolvenz anmelden musste, weil es keine Innovationen gewagt hatte.  Für ihn gehört eben auch dazu, den Anspruch an Perfektion herunterzuschrauben. Zu oft sei den Deutschen bei der Innovation noch die eigene Mentalität im Wege, meint Pinkwart: "Wir sind sehr vorsichtig, mal richtig Geld in die Hand zu nehmen um was zu wagen."

Fachkräftemangel durch weniger Bürokratie bekämpfen

Es sei  eine "Schicksalsfrage" für Deutschland, "die besten Rahmenbedingungen" im globalen Wettbewerb zu bieten. Die internationale Konkurrenz ist hart, daher müsse man auch in Deutschland akzeptieren, dass eine neue Generation von Forschern viel anspruchsvoller sei als bisherige und entsprechend darauf reagieren: "Noch ein paar Formulare mehr ausfüllen – das Akzeptieren kluge Köpfe jetzt nicht mehr." Und wer internationale Fachkräfte einmal nach Deutschland hole, der sorge auch gleichzeitig für ausreichenden Förderung, davon ist Pinkwart überzeugt: "Das Kapital folgt den Köpfen."

Außerdem gelte es, die Markteinführung von Innovationen zu beschleunigen. Dass bisher ein Genehmigungsverfahren in Nordrhein-Westfahlen zwei Jahre Zeit in Anspruch nehme, sei "in keiner Weise akzeptabel", sagt Pinkwart. Vielmehr können man direkt die Digitalisierung nutzen, um bisherige Verwaltungsprozesse zu beschleunigen.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde gingen die Teilnehmer mit den bisherigen Bemühungen der Bundesregierung hart ins Gericht. Die Agentur für Sprunginnovationen sei nicht marktnah genug, sagte Eduard Neufeld, Sprecher der AIF. Auch sei für spätere Wachstumsphasen etablierter Start-ups noch keine ausreichende Förderung in Deutschland etabliert.  "Bis 10, 20 Millionen geht viel in Deutschland, darüber wird es eng", erklärte Pinkwart.

Wer bei wirtschaftlichen Innovationen in Deutschland entscheidend sei, wurde unterschiedlich bewertet: Den Übergang in eine emissionsreduzierte Welt schaffe man nicht allein mit Start-ups und Mittelstand, sagte VCI-Geschäftsführer Utz Tillmann. Die wirklich intensive Forschung werde nicht bei KMUs betrieben. Eduard Neufeld sieht das anders: "Der Mittelstand ernährt dieses Land." Tillmann bezeichnet die steuerliche Forschungsförderung als Standortvorteil und fordert die Regierung dazu auf, etwa 3,5 % des BIP für Forschung und Entwicklung zu investieren. Er will steuerliche Forschungsförderung für alle Unternehmen - große und kleine!

Der Staat hingegen solle als "Enabler" auftreten, meint Ina Schieferdecker, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS). Für Innovation sei eine gute Infrastruktur elementar – nicht nur vor dem Hintergrund des Breitband-Ausbaus, sondern auch im Hinblick auf zukünftige Kommunikationsmöglichkeiten. Deutschland sei in vielen Bereichen exzellent aufgestellt, aber "genau nicht im Digitalen", plädiert Schieferdecker für mehr Innovationsfreude: "Alles geht, wenn man Mut und Risikobereitschaft hat."

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