Liberale Stichtage: 65. Todestag von Otto Keinath

01.10.2013

Die politische Karriere des langjährigen Reichstagsabgeordneten Otto Keinath weist sowohl programmatische Konstanten als auch organisatorische Sprunghaftigkeit auf: Der 1879 nahe Reutlingen geborene Württemberger wirkte zunächst als Realschullehrer, ehe er 1905 Geschäftsführer der württembergischen Nationalliberalen wurde.

Für diese wurde er gerade zweiunddreißigjährig 1912 im Wahlkreis Böblingen erstmals in den Reichstag gewählt. Seit 1916 saß er zudem im Präsidium des Zentralverbandes für den deutschen Großhandel. 1918 zur neugegründeten DDP gewechselt, gehörte er dort zum wirtschaftsnahen „rechten“ Parteiflügel und besaß seit 1920 erneut ein Reichstagsmandat.

Im Konflikt vor allem über koalitionspolitische Fragen verließ Keinath im Oktober 1924 gemeinsam mit anderen prominenten ehemaligen Nationalliberalen, darunter Eugen Schiffer (vgl. Liberaler Stichtag ), die Partei, wechselte jedoch als einziger von dieser direkt zur rechtsliberalen Schwesterpartei DVP, für die er sogleich wieder in den Reichstag einzog.

Eine führende Rolle konnte er jedoch dort nicht mehr einnehmen, obwohl oder vielleicht auch gerade weil er trotz allem für eine Zusammenarbeit der beiden liberalen Organisationen eintrat. Noch vor dem endgültigen Ende der DVP (vgl. Liberaler Stichtag ) wurde Keinath im Frühjahr 1933 Mitglied der NSDAP. Er starb mit knapp 75 Jahren in seiner württembergischen Heimat.

Otto Keinath in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten

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