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Eine Kolumne von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Lesbos
Drama im Flüchtlingslager auf Lesbos

Die Situation im Flüchtlingslager „Moria“ auf der griechischen Insel Lesbos gleicht einer humanitären Krise
Lesbos Proteste
© picture alliance/ZUMA Press

Die Lage auf der griechischen Insel Lesbos spitzt sich zu. Es braucht politische Lösungen in der Flüchtlingsfrage.

Berge von Abfall wohin das Auge reicht, ein beißender Gestank liegt über den Hügeln. Dazwischen: 20 000 Frauen, Männer und Kinder, die unter improvisierten Zeltplanen in sengender Hitze oder im tiefsten Morast überleben müssen. Das alles geschieht nicht in Afrika oder Asien. Es geschieht hier, in der Europäischen Union, in unserem eigenen Wohnzimmer. Die Situation im Flüchtlingslager „Moria“ auf der griechischen Insel Lesbos gleicht einer humanitären Krise. Das unermessliche Leid der „glücklichen“ Flüchtlinge, die die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer überlebt haben, ist kaum zu beschreiben.

Der Großteil von ihnen floh vor den Kriegen in Afghanistan und Syrien, meist, um das eigene Leben und das der Familie zu retten, immer getrieben von der Hoffnung auf Frieden und Sicherheit. Hoffnung jedoch ist unter den Flüchtlingen von Lesbos nur noch wenig zu spüren. Entscheidungen über ihre Asylanträge werden über Monate ausgesetzt, sodass sie ihr Leben im Dreck verbringen müssen. Spannungen entstehen zwangsläufig und drohen zunehmend zu eskalieren. Die Flüchtlinge demonstrieren gegen die unmenschlichen Zustände in den Lagern und die Unsicherheit über die Zukunft, die Einwohner von Lesbos demonstrieren gegen die miserable Regierungspolitik in Athen. Die Regierung antwortet mit Tränengas und plant schwimmende Mauern zur Abwehr von Flüchtlingen.

Die verantwortlichen Politiker, ob in Athen, Berlin oder Brüssel, scheinen kaum gewillt, sich konstruktiv mit dem Problem auseinanderzusetzen. Dabei wäre Hilfe schnell möglich: In einem ersten Schritt muss ein medizinisches Sofortprogramm gestartet werden, das eine umfassende Versorgung von Kranken und Schwangeren gewährleistet. In einem zweiten Schritt müssen die Asylverfahren beschleunigt und den Flüchtlingen Zugang zu Bildung und einer trockenen Unterkunft eingeräumt werden. Diese Maßnahmen kann auch die deutsche Regierung einleiten und so ein starkes Signal an die europäischen Partner senden. Denn langfristig führt kein Weg an einer gemeinsamen europäischen Strategie vorbei. Erst, wenn sich die Mitgliedstaaten der EU gemeinsam für das Leben der Flüchtlinge einsetzen, können wir mit Fug und Recht behaupten: Wir sind eine Solidargemeinschaft.

Der Artikel erschien erstmals in der Mittelbayerischen und ist hier zu finden.

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Jordi Razum, Kommunikationsreferent
Jordi Razum
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