Ländliche Regionen
Florierende Dörfer statt Großstadtwüste: Wie sieht eigentlich ein liberales Dorf aus?

Unser neues Policy Paper gibt Antworten

Die neue Studie „Urbane Dörfer – wie digitales Arbeiten Städter aufs Land bringen kann“ des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung belegt einen Trend zur Stadtflucht – auch im akademischen Milieu – von dem ländliche Regionen profitieren könnten. Diese Entwicklung zeigt sich insbesondere in ostdeutschen Regionen, die durch den Strukturwandel besonders vom Bevölkerungsrückgang betroffen sind. Voraussetzung für einen dauerhaften Bevölkerungszuzug in ländliche Regionen, ist laut der Studie jedoch ein konsequenter Breitband-Ausbau. Nur mit der notwendigen Infrastruktur könnten Unternehmer, Gründer und Privatpersonen zu einem Umzug aufs Land angeregt werden.

In unserem Policy Paper „Das liberale Dorf“ untersuchen wir, welche weiteren Maßnahmen notwendig sind, um ein Dorf mit den typischen Schwierigkeiten peripherer ländlicher Regionen in ein prosperierendes liberales Dorf zu verwandeln. Damit das Leben auf dem Land auch in Zukunft eine echte Alternative zum urbanen Wohnen bleibt, braucht es innovative Ideen und Konzepte, um mit den Schwierigkeiten fertig zu werden. Das Liberale Dorf zeigt, wie es gehen könnte:

1. Bürgerschaftliches Engagement ermöglichen

Damit sich freiwilliges bürgerschaftliches Engagement entfalten kann, werden im Liberalen Dorf alle bürokratischen Hemmnisse so gut wie möglich beseitigt. Ein ehrenamtlich betriebener Bürgerbus komplettiert das Mobilitätsangebot des ÖPNV und holt Fahrgäste auf Abruf an der nächstgelegenen Haltestelle ab und bringt sie bei Bedarf wieder dorthin zurück. Auf diese Weise können auch alle älteren Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes wieder größere Einkäufe in der Stadt tätigen und selbstständig Arztbesuche wahrnehmen. Auch der Dorfladen in der Ortsmitte entstand durch bürgerschaftliches Engagement der Bevölkerung. Durch den Laden konnte die wohnortnahe Versorgung sichergestellt und ein neuer Treffpunkt für die Dorfbevölkerung geschaffen werden. Das Ladenpersonal wird noch immer durch ehrenamtlich tätige Personen verstärkt, die durch ihre Hilfe das Dorfleben bereichern wollen.

 

Leben im Liberalen Dorf
Leben im Liberalen Dorf © Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

 

2. Schnellstes Internet auch im ländlichen Raum

Dem flächenden Glasfaser-Ausbau als auch der Ausbau schneller Mobilfunknetze kommt eine entscheidende Bedeutung zu. Um den Glasfaserausbau in ländlichen Gebieten attraktiver zu gestalten, erfolgen Ausschreibungen von nun an in Regions-Clustern. Diese bündeln förderbedürftige ländliche sowie attraktivere urbane Regionen. Um langfristig echte Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen, können inzwischen alle Provider Kapazitäten auf neuen Glasfaserleitungen mieten. Auch innovative Verlegetechniken werden gefördert, sodass der Glasfaserausbau bis zur Haustür Standard wird. Im Mobilfunkbereich erfolgte unabhängig vom Ausbau der 5G-Netze eine zügige Schließung bestehender Lücken bei der 4G/LTE-Flächenabdeckung. In den nächsten Jahren soll dann eine Aufrüstung aller 4G-Netze auf den 5G-Standard erfolgen.

 

Der Versorgungsstand ländlicher Räume bei der Breitbandversorgung ist mehr als ausbaufähig (in %)
Der Versorgungsstand ländlicher Räume bei der Breitbandversorgung ist mehr als ausbaufähig (in %) © Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

 

3. Smart Village – Vorteile der Digitalisierung nutzen

Das Liberale Dorf macht sich die Vorteile der Digitalisierung zunutze. Über die Dorf-App sind die Bürgerinnen und Bürger des Liberalen Dorfs untereinander sowie mit der Gemeindeverwaltung vernetzt. So können Beschwerden und Anregungen vorgetragen, Termine vereinbart und Dokumente ausgefüllt werden. Der Bürgerbus des Liberalen Dorfs kann ebenfalls über die Dorf-App angefordert und bezahlt werden. Selbst das Angebot des Dorfladens ist in die App integriert. Damit die gesamte Dorfbevölkerung die Vorteile der Digitalisierung nutzen kann, werden im Liberalen Dorf umfassende Schulungen für den Umgang mit digitalen Medien für alle Altersklassen angeboten. Zudem ist klar, dass die App lediglich ein Zusatzangebot zum „realen“ Dorfleben sein kann. Ziel der App ist es, die Gemeinschaft im Dorf noch weiter zu stärken.

 

Die Dorf-App des Liberalen Dorfs
Die Dorf-App des Liberalen Dorfs © Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

 

4. Gründungen im ländlichen Raum voranbringen

Um Gründerinnen und Gründer aus umliegenden Städten anzuziehen, setzt das Liberale Dorf auf einen modernen Co-Working-Space. Die zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze können von Selbstständigen sowie Arbeitspendlern auf Tages-, Wochen oder Monatsbasis angemietet werden. Es besteht Zugang zu High-Speed-Internet, gemeinschaftlich nutzbaren Seminarräumen sowie einem 3D-Drucker. In regelmäßigen Abständen finden in dennRäumlichkeiten des Co-Working-Spaces Netzwerkveranstaltungen und Themenabende statt, bei denen der Austausch mit regionalen Unternehmen vorangetrieben wird. Der Co-Working-Space befindetsich in direkter Nähe zur Gemeindeverwaltung sowie zur Kita des Liberalen Dorfs. Auf diese Weise ist sowohl eine unkomplizierte Kinderbetreuung als auch schnelle Hilfe bei bürokratischen Hindernissen gesichert. So wurde in der Verwaltung extra eine neue Stelle geschaffen, deren vornehmliche Aufgabe es ist, die Gründerinnen und Gründer bei auftretenden Fragen und Problemen zu unterstützen.

 

Start-ups sind in erster Linie in den Ballungsräumen zu finden
Start-ups sind in erster Linie in den Ballungsräumen zu finden © Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheitch

 

5. Kommunale Identität stärken

Das Liberale Dorf setzt auf eine Stärkung kommunaler Identität. Fusionen mit umliegenden Gemeinden sollen deshalb vermieden werden. Stattdessen setzt man im Liberalen Dorf auf freiwillige punktuelle Kooperationen mit benachbarten Dörfern und Städten, die die Eigenständigkeit des Liberalen Dorfs bewahren. Auch bei demokratischen Teilhabeformaten geht man neue Wege. So können die Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld von Gemeinderatssitzungen digitale Abstimmungstools nutzen, um ihre Meinung einzubringen. Mit der Dorf-App wurde bereits ein Weg gefunden, die Bürgerinnen und Bürger stärker mit der Gemeindeverwaltung zu vernetzen. Hierdurch erfährt die Dorfbevölkerung wieder hautnah, welche Leistungen durch den Staat erbracht werden.

 

Eine starke kommunale Identität hat positive Auswirkungen auf das Dorfleben
Eine starke kommunale Identität hat positive Auswirkungen auf das Dorfleben © Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

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Johann Ahlers
Johann Ahlers
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