Internationale Tagung: Wo steht der Iran heute?

15.09.2008

Am Sonntagvormittag referierte Daniel Bernbeck von der Deutsch-Iranischen Handelskammer über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Seine Jugendzeit – zwischen dem 9. und 18. Lebensjahr – hat Bernbeck, dessen Vater als evangelischer Geistlicher in Teheran wirkte, im Iran verbracht und beherrscht seitdem auch die Landessprache, was ihm wiederum enormes Ansehen verschafft. Er legte dar, warum Iran trotz immenser Ölexport-Einnahmen dringend tragfähiger volkswirtschaftlicher Strukturen bedarf. Die staatsfixierte Ökonomie (Anteil ca. 85 %), die galoppierende Inflation in Höhe von 26 % (Reispreise 40 %!), die inoffiziell bei 25 % liegende Arbeitslosigkeit, die horrend hohen Mieten (die im Sommer meist zu einem Umzugs-Karussel führen): all das erschwert das Vertrauen in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, wobei deutsche Exporte (im Volumen von plusminus 4 Milliarden €) davon nur bedingt betroffen sind.

Philipp Schweers vom Düsseldorfer Institut für Außen- und Sicherheitspolitik (DIAS) ist im Juni diesen Jahres vom iranischen Außenministerium zu einer internationalen Sicherheitskonferenz nach Teheran eingeladen worden. Er referierte deshalb zum Abschluss der THA-Tagung über die Perspektiven der deutschen und europäischen Iran-Politik und zitierte dabei den Direktor der SWP (und Altstipendiaten der Stiftung) Prof. Dr. Volker Perthes: „Langfristig wäre Iran mit seiner gut ausgebildeten Bevölkerung, seinen Bodenschätzen, seiner urbanen Tradition und Kultur sowie seiner geopolitischen Position der natürliche Partner Europas in der Region“. Die einzelnen Analysen und Positionen von Schweers geben einen fundierten Überblick über die allgemeine Situation des Irans in der Region und in der Welt und sind daher diesem Bericht im kompletten Wortlaut angefügt.

„Ich betrachte die Ereignisse in Iran“, so der Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan einmal, „als einen vieldeutigen literarischen Text, der den Betrachter gelegentlich mit Momenten voller Unruhe, Furcht und Ambivalenz, Zweifel, Fantasie und Konflikten konfrontiert. Die Übertragung iranischer Realitäten in westliche Begriffssysteme ergibt kein klares Bild dessen, was in diesem Land vor sich geht.“

Die THA-Veranstaltung hat diesen Brückenschlag mutig gewagt und nach einhelliger Meinung einen wichtigen Beitrag zur Verständigung geleistet. Was in absehbarer Zeit jedoch dringend erforderlich ist für eine Öffnung des Landes, ist ein irgendwie geartetes Tauwetter zwischen den USA und Iran. Inch´Allah!

Klaus Füßmann, Leiter des Veranstaltungsprogramms der
Fotos: Jassin Göllmann, Düsseldorf