Indonesien
Regierung reguliert Kleinstunternehmerinnen

Kleinstunternehmerinnen in Indonesien
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Indonesien ist zur größten digitalen Wirtschaft Südostasiens aufgestiegen. Bislang kann man über soziale Netzwerke wie Instagram oder Facebook frei Waren anbieten und verkaufen. Nun kommt eine Lizenzpflicht.

In die Ferne ziehen, um es dort zu etwas zu bringen: Viele Frauen aus Cirebon, einer indonesischen Hafenstadt an der Nordküste Javas, entscheiden sich für diesen drastischen Schritt, um die Familie in der Heimat zu unterstützen. Auch Dewi war eine von ihnen. Im Alter von 20 Jahren ging sie zum Arbeiten nach Kuwait. Ihre Kinder sah sie nur noch selten - ein hoher Preis. Inzwischen ist Dewi zurück. Und sie beweist, dass es auch anders geht: Sie eröffnete in Cirebon einen kleinen Heimbetrieb für Festtagskleider. Mittlerweile hat sie drei Näherinnen, die für sie arbeiten. Die Fotos ihrer Kleider lädt sie auf Instagram hoch. Dort nimmt sie auch Bestellungen entgegen – wie viele andere Kleinstunternehmerinnen in Indonesien. Neben Instagram sind Facebook, Google oder lokale soziale Netzwerke beliebt.

Digitalisierung des Handels gerade für Frauen von Vorteil

In Indonesien gibt es nach Angabe der Zentralbank knapp 58 Millionen kleine und mittlere Unternehmen. Mehr als die Hälfte davon werden von Frauen geführt - damit liegt Indonesiens Unternehmerinnenanteil über dem Weltdurchschnitt. Mehr als 10 Prozent dieser Kleinstunternehmen sind digital aufgestellt. In Indonesien hat sich in den vergangenen Jahren die Internetwirtschaft vervierfacht – das Land hat mittlerweile die größte digitale Wirtschaft Südostasiens. Das rasante Wachstum liegt an ausländischen Investitionen, an immer mehr Konsumenten, einer hohen Verbreitung von Smartphones und an einem für Online-Einkäufe vorteilhaftes Zahlungssystem.

Für Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen von Zuhause arbeiten wollen, war die Digitalisierung des Handels ein Segen. In den ländlichen Gegenden ist es normal, dass sich die Frauen nicht nur um den Haushalt und die Kinder kümmern, sondern auch noch darum, dass Geld in die Haushaltskasse kommt. Das funktionierte als Kleinstunternehmerin recht unkompliziert, etwa indem die Frauen Kleidung, Essen, Accessoires oder Dekoration herstellen und verkaufen. Zudem unterstützt der Staat Unternehmerinnen durch Darlehen oder durch Schulungen in Unternehmertum, Computernutzung und Vermarktung.

Verkauf nur noch mit Händlerlizenz

Allerdings häufen sich gleichzeitig die Fälle von Online-Betrug. Das will die indonesische Regierung nicht weiter hinnehmen und reagiert: Wer etwas auf Online-Plattformen verkauft, darf das ab Mitte November nur noch mit einer Händlerlizenz tun. Das mag ein probates Mittel sein, um Online-Betrügereien zu erschweren. Auch hat sich die Regierung vorgenommen, die Lizensierung unkompliziert und kostenlos anzubieten. Trotzdem sind etliche Probleme absehbar. Die Notwendigkeit einer solchen Lizenz hat sich besonders in den ländlichen Gebieten noch gar nicht herumgesprochen. Die Menschen dort sind noch nicht mit dem neuen Prozess vertraut.

Wohnt eine Kleinstunternehmerin nicht in einer Distrikthauptstadt, muss sie erst einmal dorthin reisen, um die Lizenz zu bekommen. Das allein kann schon sehr aufwändig sein. Manche Frauen aus besonders konservativen, ländlichen Gegenden müssen unter Umständen ein Schreiben ihres Ehemannes vorlegen, um ihre Lizenz zu bekommen. Auch wenn die Lizenzierung kostenlos sein soll: In Indonesien, wo Korruption verbreitet ist, kann sich kaum jemand vorstellen, dass man auf einem Amt tatsächlich ein Dokument bekommt, ohne nicht doch etwas dafür zu bezahlen. Insgesamt bringt die Lizenzpflicht Hürden für all jene, die einfach nur ein bisschen Geld hinzuverdienen wollen. Auch ist der Zeitpunkt denkbar ungünstig. Die Covid-Pandemie bringt Massenarbeitslosigkeit und zunehmende Armut. Die Lizenzpflicht wird Millionen von Menschen das Leben schwieriger machen, die sich bislang wirtschaftlich nur gerade so über Wasser halten können.

Was wird die Zukunft bringen?

Frauen wie Dewi bleibt noch etwas Zeit. Es dürfte etwa zwei Jahre dauern, bis die Regierung die Lizenzierungen abgeschlossen hat - eine Zeit, in der sich noch viel ändern kann. Was in Indonesien Schwarz auf Weiß steht, wird nicht immer umgesetzt. Weltweit reagieren die großen Online-Plattformen bereits auf die Bedürfnisse von Kleinstunternehmern. So hat Facebook einen „Marktplatz“ eingerichtet. Whatsapp will in Indonesien „Whatsapp for Business“ einführen. Alle Plattformen werden sich dabei nicht in der Pflicht sehen, die Lizenzierung ihrer Nutzer anzumahnen. Das ist die Aufgabe des Staates. So oder so wird die Haftung beim jeweiligen Händler liegen müssen, ganz unabhängig von jeder Lizenzierung. Dennoch würde man sich von der Regierung wünschen, Lösungen zu finden, die Online-Betrug eindämmen, ohne Kleinstunternehmerinnen Steine in den Weg zu legen.

Almut Besold leitet das Indonesien-Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Jakarta.