Indonesien: Aufmerksamkeit für Klimawandel

Nachricht30.11.2015M. Husni Thamrin, Ingo B. Hauter
Indonesien: Aufmerksamkeit für Klimawandel
Brandrodung und Trockenlegung von Torfboden durch einen neuen KanalRainforest Action Network , Flickr

M. Husni Thamrin und Ingo B. Hauter, sind Mitarbeiter im Indonesien-Büro der Stiftung für die Freiheit in Jakarta

Vor allem durch Abholzung und Brandrodung ist Indonesien der viertgrößte CO2-Emittent der Welt. Trotzdem sind Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung für die meisten Indonesier Fremdwörter. Das liegt unter anderem daran, dass Indonesiens Medien jenseits von Umweltkatastrophen kaum über Umwelt- und Klimathemen berichten. Mit Klimaschutz-Bildungsveranstaltungen sensibilisiert die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Indonesien Studenten und Journalisten für Umweltthemen.

Seit 2011 organisiert die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit in Indonesien zusammen mit Studenten-Organisationen und Umwelt-NGOs Bildungsveranstaltungen zu Klimawandel. Die meisten Teilnehmer sind Studenten, aber zu jedem Seminar werden auch Journalisten eingeladen. Das jüngste fand im Oktober in der Stadt Bandung statt, sechs Wochen vor dem Klimagipfel COP21 in Paris. Nach Bandung eingeladen waren TV-Journalisten des Senders TVRI. Wie alle TV-Station des Landes berichtet TVRI in der Regel nur über Umweltthemen, wenn eine Katastrophe Anlass gibt. In diesem Jahr sorgten Brände in den Regelwäldern der Inseln Sumatra und Borneo für Aufsehen. Dort zünden Firmen nach Abholzung des wertvollen Holzes die Reste an, um Böden auf die Schaffung von Palmölplantagen vorzubereiten. Die Dimension ist gigantisch: Im September und Oktober brannte es auf einer Fläche, die zwei Millionen Fußballfeldern entspricht. In den beiden Monaten lagen Indonesiens tägliche CO2-Emissionen durch Brände über den täglichen Emissionen der gesamten Wirtschaft der USA. Indonesiens systematisch gelegte Waldbrände brachten zudem "Haze", einen fiesen Qualm, der Teile Indonesiens sowie die Nachbarstaaten Singapur und Malaysia vernebelte. Mehr als 40 Millionen Menschen waren betroffen, 500.000 ließen sich wegen akuter Atemwegserkrankungen behandeln, 19 starben.

Auch jenseits solcher Katastrophen Aufmerksamkeit für Umwelt- und Klimathemen zu schaffen, war Ziel des FNF-Seminars in Bandung. Während die TV-Journalisten eingeladen waren, mussten sich alle anderen Teilnehmer durch das Verfassen von Online-Blogs mit Artikeln zu Klimawandel bewerben. Von 50 Bewerbern wurden 28 ausgewählt und zu dem Seminar eingeladen, die die besten und die meistbeachtesten Artikel veröffentlicht hatten. In Bandung - eine Großstadt, die etwa vier Autostunden von Indonesiens Hauptstadt Jakarta entfern ist - wurden Ursachen und Folgen von Klimawandel dargelegt und diskutiert. Zudem ging es darum, wie man Berichte zu Umweltthemen aussagekräftig, interessant und glaubwürdig verfasst. Am zweiten Tag des Seminars befragten die Teilnehmer Passanten auf der größten Einkaufsstraße Bandungs zu ihren Klimaschutz-Ansichten. Aus den Antworten, die oft wenig Kenntnis und Anteilnahme wiederspiegelten, wurden Artikel verfasst, die über die Facebook- und Twitter-Accounts der Autoren verbreitet wurden.

Bewusstsein für Klimawandel zu schaffen ist ein wichtiger Schritt in Indonesien, wo Regierungs- und Oppositionsparteien Umweltpolitik selten Beachtung schenken. Vor der Klimakonferenz in Paris hat Indonesiens Regierung angekündigt, dass im Jahr 2030 die CO2-Emissionen des Landes 29% unter „business as usual“ liegen sollen, also unter dem Wert, der in den kommenden Jahren ohne Klimaschutz-Maßnahmen erreicht würde. Weil die CO2-Emissionen selbst bei Erreichen dieses Ziels höher sein werden als heute, hält das Klimakonsortium CAT, dem auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung angehört, Indonesiens Klimaziele für „inadäquat“.

Publikationen zum Thema

Indonesien: Klimaschutz: Bescheidene Ziele, schlimme Realität

Der G20-Staat Indonesien zählt mit geschätzten zwei Gigatonnen CO2-Ausstoß zu den sechs größten CO2-Emittenten der Welt. 2007 hielt der damalige Präsident Yudhoyono während der Klimakonferenz in Bali ein bewegendes Plädoyer für Klimaschutz. Später unterschrieb er Gesetze und Dekrete, die Indonesiens riesige CO2-Speicher - Regenwald und sein Torfboden - schützen sollten. Yudhoyono setzte ein Ziel: 2020 sollten Indonesiens CO2-Emissionen 26% unter dem Wert liegen, der ohne Klimaschutzmaßnahmen erreicht würde. Mehr