Ignatz Bubis - ein Mann des Ausgleichs

Liberale Stichtage des Archivs des Liberalismus

Nachricht12.01.2017Jürgen Frölich
Ignatz Bubis auf dem Jiddischen Liederfestival "Tacheles" der Friedrich-Naumann-Stifung im Margarethenhof 1993
Ignatz Bubis auf dem Jiddischen Liederfestival "Tacheles" der Friedrich-Naumann-Stiftung im Margarethenhof 1993ADL, Audiovisuelles Sammlungsgut, F2-198

Vor 90 Jahren wurde Ignatz Bubis (1927-1999) geboren. Von der zeitweise engen Beziehungen zwischen Judentum und Liberalismus in Deutschland ist immer wieder die Rede gewesen. Das politisch-gesellschaftliche Engagement von Ignatz Bubis steht für die Nachwirkungen davon in der Bundesrepublik.

1927 geboren, stammte Bubis aus dem jüdischen Kleinbürgertum Breslaus, 1935 floh die Familie nach Polen. Anders als etliche Familienangehörige überlebte er die deutsche Besatzungszeit und ging trotz der Erfahrungen mit Ghetto und Arbeitslager nach Kriegsende nach Deutschland zurück. Seine Händlertätigkeit in Dresden musste er allerdings auf Druck der sowjetischen Besatzungsmacht aufgeben und floh 1949 in den Westen. Hier arbeitete Bubis zunächst als erfolgreicher Kaufmann für Edelmetall, ehe er sich, seit 1956 in Frankfurt am Main ansässig, dem Immobiliengewerbe zuwandte.

Seit 1969 Mitglied der FDP, engagierte er sich in der örtlichen jüdischen Gemeinde, wurde dann aber wegen seiner Beteiligung an der Umgestaltung des Frankfurter Westends stark von linken Kräften angefeindet und sogar Gegenstand eines Theaterstücks. Dennoch wuchs das Ansehen von Bubis, der allgemein als Mann des Ausgleichs galt, so sehr, dass die FDP, deren Bundesvorstand er ab 1992 angehörte, ihren Wiedereinzug in das Frankfurter Stadtparlament nach langer Abstinenz 1997 seiner Spitzenkandidatur verdankte.

Sein wichtigstes gesellschaftliches Betätigungsfeld blieben aber die jüdischen Gemeinden: Ab 1983 stand Bubis der Frankfurter vor, als Mitglied des Zentralrates der Juden – seit 1982 – wurde er 1989 dessen stellvertretender Vorsitzende und 1992 dort an die Spitze gewählt. Diese Funktion hielt Bubis bis zu seinem Tod im August 1999 inne, zeigte sich aber am Ende von der Bilanz seines Wirkens für das deutsch-jüdische Zusammenleben eher enttäuscht, weshalb er auch verfügte, nicht in Deutschland, sondern in Israel beerdigt zu werden, wo sich sein Grab in Tel Aviv befindet.

In einem gewissen Gegensatz zu Bubis’ resignativer Haltung kurz vor seinem Tod stehen die zahlreichen Ehrungen, die er zu seinen Lebezeiten und postum erfuhr: So wurde in Frankfurt eine Brücke nach ihm benannt und die Stadt verleiht ihm zu Ehren einen Preis, während die Friedrich-Naumann-Stiftung, deren Kuratorium Bubis lange Jahre angehörte, seit 2001 ein nach ihm benanntes Stipendium für Doktoranden vergibt.