„Wir alle sind der Freiheit verpflichtet“

Michael Hüther, Direktor des IW Köln, hält in Düsseldorf die Rede zur Freiheit

Nachricht16.03.2017Anja Schorr
Michael Hüther hält die Rede zur Freiheit in Düsseldorf.
Michael Hüther hält die Rede zur Freiheit in Düsseldorf.Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Er gilt als einer der renommiertesten deutschen Wirtschaftsexperten – für ihn ist Freiheit nur im Kontext der Verantwortung zu verstehen, die mit ihr einhergeht – Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln hat nun im Alten Kesselhaus auf dem Areal Böhler in seiner Heimatstadt Düsseldorf eine Rede zur Freiheit gehalten.

„Wir haben offenkundig Schwierigkeiten mit der Freiheit“, erklärte Michael Hüther zu Anfang seiner Rede. Im industriellen Flair des Alten Kesselhauses auf dem Areal Böhler folgt ein kleiner Rundumschlag in freiheitstheoretischer Philosophie. Im Fokus die Frage: Warum macht uns die Freiheit, dieser Wert, für den wir nie aufhören zu kämpfen, in der Moderne so große Probleme?

Für Hüther steht fest: Die Freiheit lockt anscheinend nicht von selbst. Die Menschen hätten Furcht vor der Verantwortung, die sie mit sich bringe. Wenn wir über Freiheit nachdenken, müssten wir uns mit uns selbst befassen, mit der Freiheitsverpflichtung des Einzelnen. Sie fordere uns auf, dort zu entscheiden, wo es unbequem ist. Und das werde ziemlich schnell ungemütlich.

„Die neuere philosophische Anthropologie lässt uns freiheitstheoretisch nicht von der Angel“, schlussfolgert der Wirtschaftsexperte. So überfordert der Mensch durch sie auch sein mag, es gebe für ihn „kein Pardon für den Verzicht auf die Freiheit“.

hüther

Freiheit ist der Verzicht auf die Anstrengung, ohnmächtig zu bleiben.

Michael Hüther, Direktor des IW Köln

Wie können wir aber diese Überforderung bewältigen? Hüthers Antwort: Durch Ordnung und Gestaltung des öffentlichen Raums, denn dort fänden wir Entlastung von der Absolutheit der Freiheit. Der Mensch „braucht diese Entlastung um die Fähigkeit der Freiheit zu entwickeln.“ Dabei komme dem Staat eine tragende Rolle zu, der durch kluge Gesetze das natürliche Empfinden für Gerechtigkeit und Fairness stärken müsse. Daneben sorge die Marktwirtschaft für Wohlstand und moralische Orientierung.  

Wer jedoch erwarte, dass Freiheit glücklich mache und dem Leben einen Sinn gebe, liege falsch, denn daraus entstehe nur Enttäuschung. Hüther betonte, dass Freiheit erst dann als „Fehlen jedweder Hindernisse für das Handeln“, ihren Schrecken verliere, wenn wir nicht mehr versuchen, durch sie Sinn zu finden. Sein Fazit: „Freiheit ist der Verzicht auf die Anstrengung, ohnmächtig zu bleiben“. Das gelte besonders in Zeiten, in denen sich die demokratische Ordnung unter Druck befinde. „Wir alle sind und jeder einzelne ist zur Freiheit verpflichtet“. Dadurch, so Hüther, werden Selbstverantwortung, Vertragseinhaltung und Haftung umso wichtiger.

In seiner Einleitung hatte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung für die Freiheit, Karl-Heinz Paqué, nach dem „annus horribilis“ 2016 die Chance betont, dass 2017 das Jahr des Aufstiegs der Freiheit als Leitbild der demokratischen Gesellschaft werde. Gerade die jüngsten Entwicklungen, wie die Wahl in den Niederlanden oder auch pro-europäische Bewegungen seien dafür ermutigende Anzeichen: „Es gilt Bekenntnisse abzulegen: für den Rechtsstaat, für eine marktwirtschaftliche Ordnung und für eine offene Gesellschaft“, so Paqué.

In seinem Schlusswort warb Johannes Vogel, FDP-Generalsekretär in Nordrhein-Westfalen, für eine positive Sichtweise auf Veränderungen vor allem in der Arbeitswelt: "Ja, der Wandel bleibt anforderungsreich, auch für den Einzelnen: Weiterbildung wird noch mehr als bisher lebenslange Aufgabe. Abschalten und das Trennen zwischen Arbeit und Freizeit nimmt einem keine Stechuhr mehr ab." In diesem Zusammenhang kritisierte Vogel die aktuelle Agendadebatte: "Wir wünschen uns einfach die Welt von gestern zurück und befassen uns im Jahre 2017 immer noch mit einer Agenda, die das Jahr 2010 im Namen trägt." Deshalb wären dort Anpassungen als zentraler Teil einer Zukunftsagenda nötig, die den Sozialstaat fit für die moderne Arbeitswelt macht.

„Wir alle sind der Freiheit verpflichtet“

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