Hongkong
Eskalation in Hong Kong - Mit Schlägertrupps gegen die Zivilbevölkerung?

Diese Gewalt außerhalb der Demonstrationen gegen friedliche Bürgerinnen und Bürger sei neu
Hong Kong
Die Menschen in Hong Kong gehen auf die Straße. © picture alliance/AP Photo

Bei den seit Wochen andauernden Protesten in Hong Kong soll es am Sonntag zu Ausschreitungen auf beiden Seiten gekommen sein. Die Demonstranten sollen das Verbindungsbüro der Kommunistischen Partei Chinas beschmiert haben. Unbekannten griffen Aktivisten in der U-Bahn auf dem Weg zurück nach Hause an. Armin Reinartz hat bei SWR Aktuell die Lage vor Ort eingeschätzt.

„Die Proteste haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. In den vergangenen Wochen haben wir friedliche Demonstrationen erlebt, an denen weite Teile der Bevölkerung teilgenommen haben. Darunter waren viele Familien mit Kindern, ältere Menschen und Berufsgruppen wie Sozialarbeiter“, erklärt Armin Reinartz, Leiter des Global Innovation Hubs in Hong Kong, im SWR-Interview. Die Menschen hätten gegen das Auslieferungsgesetz und die Regierung protestiert – und in der Folge weiter auch für mehr Demokratisierung.

Bei den Protesten am Sonntag sei es dann am Ende zu Ausschreitungen gekommen, als die Polizei angefangen habe, den Platz zu räumen. Teile des Protestzugs seien weitergezogen – nicht in Richtung Regierung, die sich weiträumig verbarrikadiert habe, sondern zur Vertretung der Pekinger Zentralregierung in Hong Kong. Und da kam es dann auch zu Ausschreitungen, als die Polizei versucht habe, die Demonstration aufzulösen.

Das wirkt sich auch auf die Lage vor Ort aus: „Die Stimmung ist extrem bedrückt. Das liegt daran, dass es an einer U-Bahn-Station zu Angriffen auf unbewaffnete Demonstranten gekommen ist. Demonstranten, die aus der Innenstadt wieder nach Hause wollten, sind dort ausgestiegen und von Schlägertrupps attackiert worden" , sagt der Hong-Kong-Experte weiter. „Dort haben die Schläger angefangen, auf Menschen einzudreschen – teilweise mit Stangen und anderen Gegenständen.“ Die Polizei sei sehr spät gekommen und habe in den Augen der Hong Konger nicht adäquat reagiert.

„Diese Gewalt außerhalb der Demonstrationen gegen friedliche Bürgerinnen und Bürger ist neu. Das kennen die Hong Konger eigentlich nicht. Hong Kong ist eine der sichersten Städte der Welt. Es gibt hier eigentlich keine No-go-Areas. Viele stellen sich die Frage, wer ein Interesse an so einer Eskalation hat und welche Schritte das nach sich ziehen wird", zieht Armin Reinartz sein Fazit.

 

Armin Reinartz ist Leiter des Global Innovation Hub in Hong Kong.

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