Hatevertising und Fake News

Die Stiftung für die Freiheit auf der Social Media Week in Hamburg

Nachricht07.03.2017Gyde Jensen
Social Media Week Hamburg, Hamburg, Social Media, 2017
Malte Klauck

Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat die Abschluss-Session des Panels "Gesellschaft & Partizipation" bei der Social Media Week Hamburg 2017 gehostet. Unser Interviewpartner Gerald Hensel war Panelist. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Herr Hensel, Sie waren Gast beim Abschlusspanel der Social Media Week Hamburg, das von der Friedrich-Naumann-Stiftung gehostet wurde. Wie hat Ihnen die Veranstaltung gefallen?

Insgesamt sehr gut. Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass die Sphäre der Politik ein gutes Gefühl dafür bekommt, dass die Sphäre der Politikvermittlung eben nicht nur Fußnote sondern zentrale Aufgabe ist. Das Panel zeigte das.

Was macht Ihr Verein „Fearless Democracy“ und welchen Hintergrund hat seine Genese?

Wir gründen ja gerade. Unser Verein entsteht gerade erst formal. Aber wir haben einen guten, wachsenden Stab an Unterstützern und eine klare Programmatik. Wir sind im Gros Kommunikations-, Werbe- und Digital-Experten und wir glauben, dass die Gesellschaft sich zu sehr von systematisch produzierter Wut in Echtzeit unter Druck setzen lässt. Das hat viel mit mangelnder Medienkompetenz zu tun und der Tatsache, dass die Neue Rechte dieses Feld taktisch und technisch besser besetzt. Realitäten werden im Netz geschaffen und dann in die Echtwelt transferiert. Dafür braucht es Spezialisten, um der Zivilgesellschaft als Ansprechpartner und ein Stück weit auch als Coach beiseite zu stehen. Unser Fokus liegt auf Offenlegung abstrakter, meist digital produzierter Desinformationskampagnen, Unterstützung für Hassopfer und Stärkung zivilgesellschaftlicher Institutionen vor digitalen, meist populistischen Angriffen.

Social Media Week Hamburg, Hamburg, Social Media, 2017, Gerald Hensel

Die Gesellschaft lässt sich zu sehr von systematisch produzierter Wut in Echtzeit unter Druck setzen.

Gerald Hensel

Social Media – Fluch oder Segen?

Beides. Wir lernen gerade wieder einmal, dass jede Innovation beides in sich trägt. Ein Flugzeug bringt Menschen zueinander und kann Flächenbombardements durchführen. Die Zeit der naiven Zukunftsgläubigkeit ist vorbei und wir erkennen, dass es an uns liegt, was wir damit machen. Wie sagt man so schön? "A fool with a tool is still a fool."

Was kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass Social Media nicht immer mehr für „Hatevertising“ missbraucht wird?

Ehrlich gesagt differenzieren, was einfach eine andere Meinung ist oder wo systematisch das Wertesystem verlassen wird, das man auch als Verbraucher mit seinen Konsum-Euros stützt. Die Aussage "Wir sind unpolitisch", gilt nämlich in unserer Zeit nur noch bedingt für Marken. Jeder Euro, der in Bannergeldern auf einschlägigem Content ausgegeben wird, stützt diese Person oder Partei oder Institution. Das gilt für Terrororganisationen ebenso wie für Rechtsradikale. Die Aussage: "Wir wissen doch auch nicht so genau, was da alles passiert, deshalb sind wir lieber neutral", ist eine Kapitulation vor denen, die eine offene, empathische Gesellschaft zur Erosion bringen wollen - übrigens eine Gesellschaftsform, die die absolute Mehrheit dieses Volkes will.