Ehrung

Hans-Dietrich Genscher: Freiheitskämpfer und Brückenbauer

Zum Todestag von Hans-Dietrich Genscher

Meinung31.03.2019Wolfgang Gerhardt
Hans-Dietrich Genscher bei der Stiftung für die Freiheit.
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Man sollte gelegentlich daran erinnern, dass heute geehrte und geschätzte historische Persönlichkeiten am Beginn der Verantwortungsübernahme nicht selten mit Vorurteilen und Häme überschüttet wurden. Hans-Dietrich Genscher, der heute vor 3 Jahren verstarb, hat Deutschlands Ansehen in der Welt vermehrt und unzweifelhaft einen ganz entscheidenden und großen Beitrag zur Überwindung der deutschen Teilung und damit auch der Teilung Europas geleistet. Aber er erlebte das auch, als er sein Amt als Bundesminister des Auswärtigen antrat.

Dass er nicht Englisch spreche, war noch der geringste Vorbehalt. Er konterte wirkungsvoll, dass er ja nicht als Dolmetscher im Auswärtigen Amt eingestellt werde. Gerade an seinem Todestag sollte daran erinnert werden, mit welchen Vokabular damals die neue Deutschlandpolitik, die auch mit seinem Engagement, und dem der gesamten FDP schon in den Jahren zuvor, eingeleitet worden war, belegt wurde: als Verzichtspolitik und Landesverrat, weil sie Grenzen überwinden wollte.

Vielleicht würden das einige unserer Mitmenschen, die damals so aggressiv argumentiert haben, gerne vergessen machen oder sogar bereuen, weil sie sehen, dass die von Ihnen so radikal abgelehnten Politik am Ende die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas so entscheidend befördert und erst möglich gemacht hat, dass die 18 Millionen Deutschen aus der DDR heute in Freiheit leben. Denen, die noch zu jung waren, aber heute mit ihrem Aufwachsen verständiger geworden sind, sei anempfohlen, sich nicht in ihrem Leben zu schnellen Urteilen und Vorurteilen leiten zu lassen.

Um der Vergesslichkeit vorzubeugen, ist darauf aufmerksam zu machen, dass Hans-Dietrich Genscher maßgeblich neben vielen außerordentlichen Anstrengungen, bei denen er seine Gesundheit nicht schonte, in Verhandlungen den zur Vereinigung Deutschlands grundlegenden 2+4 Vertrag mitgestaltete.

Er wurde in 392 Tagen nach dem Fall der Mauer ausverhandelt und unterzeichnet, er war nach den vertrauensbildenden Gesprächen, die vorher jahrelang von Hans-Dietrich Genscher und Walter Scheel geführt worden waren, überhaupt erst möglich geworden.

Der Vertrag gehörte zu den größten Leistungen deutscher Diplomatie, Verhandlungsfähigkeit und Verhandlungskunst. Es ist ein einzigartiges Dokument der Zeitgeschichte. Mitgestaltet von einem Mann, von dem viele verächtlich sprachen, dass er noch nicht einmal Englisch spreche, als er begann. Sein Name bleibt uns unvergessen: Hans Dietrich Genscher. Wir werden ihn nicht vergessen.

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Wie kaum ein anderer war Hans-Dietrich Genscher in der Lage, politische Ziele mit dem zu verbinden, was man immer als handwerkliche Fertigkeit beschreibt, um sie auch erreichen zu können. Seine Unerschütterlichkeit ist am Ende mit der Überzeugung vieler belohnt worden, dass er unser Land in Bündnisfähigkeit, europäische Integration und Weltoffenheit sicher und verlässlich steuerte. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat in Hans-Dietrich Genscher immer einen großen Unterstützer gehabt. Mehr