Menschenrechte International

Guatemala -Marcha de Orgullo“, Guatemala Pride – wir sind dabei!

Nachricht02.11.2018
Camila Juárez
Participants at the Parade for Sexual Diversity and Gender Identity in Guatemala City.Camila Juárez

Die Unterstützung der Pride-Bewegung bzw. des Christopher-Street-Day ist an vielen Orten ein wichtiger Teil unseres Einsatzes für die Rechte von LSBTI. So nun auch in Guatemala. Hier scheint die Situation der LSBTI-Community im lateinamerikaweiten Vergleich zwar zunächst nicht besonders kritisch. Dennoch ist man von der Ehe für Alle, einem modernen Adoptionsrecht oder Antidiskriminierungsgesetz noch weit entfernt. Homosexualität ist hier schon seit 1871 legal und Transsexuelle werden nicht durch gesonderte Strafrechtsparagrafen diskriminiert. Die legale Situation deckt sich jedoch – wie so oft – nicht mit der Realität. Denn Guatemala ist ein gefährlicher Ort für nicht-heterosexuelle Menschen: Der Staat vermag seine queeren Bürgerinnen und Bürger nicht zu schützen. Diskriminierung und Gewalt sind an der Tagesordnung. Aktivisten sprechen von über 20 gezielten Morden pro Jahr, aber die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher. Die Ursachen sind wie immer sehr komplex und haben mit ultrakonservativen Einstellungen in der Gesellschaft, dem Einfluss der katholischen Kirche im Bildungsbereich, patriarchalen Strukturen in der indigenen Bevölkerungsmehrheit und auch dem Vormarsch evangelikaler Gruppen zu tun.

Dennoch gibt es positive Entwicklungen – zumindest in der Hauptstadt: Langsam wird die Community sichtbarer, jedes Jahr nehmen mehr Menschen an der „Marcha de Orgullo“ (Guatemala Pride) teil. Wir unterstützen diese Entwicklungen durch politische Menschenrechtsbildung und veranstalteten mit der lokalen Organisation Guate Activa im Rahmen der „Marcha de Orgullo“ 2018 ein Forum in Guatemala-Stadt. Viele Herausforderungen, aber auch Hoffnung auf positiven Wandel – das war der Tenor hier! Trotz erbitterter Widerstände im strukturkonservativen Guatemala könnten die nächsten Jahre Fortschritte bringen. So hat die offen lesbische Abgeordnete Sandra Morán dem Kongress bereits einen Antrag für ein Antidiskriminierungsgesetz vorgelegt. Auch auf regionaler Ebene geht es voran: Anfang des Jahres entschied der Interamerikanische Menschenrechtsgerichtshof, dass die gleichgeschlechtliche Ehe anzuerkennen ist – eine Entscheidung, die für alle seine 20 Mitgliedsstaaten bindend ist!