Finnische Ratspräsidentschaft

Grün, Grün und nochmals Grün - die finnische Ratspräsidentschaft

Der ehemalige Berater des finnischen Premierministers Jari Haapiaine im Interview

Meinung11.07.2019freiheit.org
Finnland EU
dpa

Seit dem 1. Juli hat Finnland für 6 Monate den Vorsitz über den Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs inne. Die finnische Ratspräsidentschaft ist der zweite Teil der sogenannten „Trio-Präsidentschaft“, bestehend aus Rumänien, Finnland und Kroatien. Die drei Länder stimmen sich über die Themen und wesentlichen Fragestellungen während ihren aufeinanderfolgenden Ratspräsidentschaften ab. Jari Haapiaine war von 2015 bis 2016 EU-Berater des finnischen Premierministers. Zur Zeit ist er leitender Berater der Außen-, Sicherheits-, Verteidigungs- und EU-Politik in der Fraktion der liberalen Centre Party im finnischen Parlament. Im Interview mit Freiheit.org bietet er einen Einblick in das Programm der finnischen Ratspräsidentschaft.  

English below. 

 

Das Motto der finnischen Ratspräsidentschaft lautet "Nachhaltiges Europa, nachhaltige Zukunft". Was sind die Prioritäten Finnlands?

Die Prioritäten der finnischen EU-Präsidentschaft sind die Stärkung der gemeinsamen Werte und der Rechtsstaatlichkeit, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der sozialen Integration der EU, die Stärkung der Position der EU als weltweit führender staatlicher Akteur im Klimaschutz sowie der umfassende Schutz der Sicherheit der Bürger. Finnland ist der erste Vorsitzende, der mit der Umsetzung der neuen strategischen Agenda der Europäischen Union beginnt. Wir werden mit den Mitgliedstaaten, der Kommission und dem Europäischen Parlament für ein nachhaltiges, sicheres und geschütztes Europa zusammenarbeiten. 

Welche Elemente könnten die Umsetzung des ehrgeizigen Programms der Präsidentschaft behindern?

Die Europäische Union steht vor einer Reihe interner und externer Herausforderungen, die gemeinsam und konstruktiv angegangen werden müssen. Die EU braucht einen ausgewogenen mehrjährigen Finanzrahmen, einen gemeinsamen Standpunkt zur Migrationspolitik und eine Reform der Wirtschafts- und Währungsunion, der die Eigenverantwortung jedes Mitgliedstaats für eine solide Wirtschaftspolitik berücksichtigt.

Das Problem Brexit muss so gelöst werden, dass die Rechte der Bürger und der Erfolg von Unternehmen und Handel sowohl in der EU als auch im Vereinigten Königreich geschützt werden. In der Außenpolitik ist der Iran ein Thema, bei dem die EU als Vermittler fungieren kann, um den Weg für eine friedliche Lösung zu ebnen und die Glaubwürdigkeit und Bedeutung des Atomabkommens wiederherzustellen. 

Was sind die Prioritäten der Ratspräsidentschaft für die liberale Finnische Zentrumspartei ‘Keskusta’? 

Die Zentrumspartei ist zufrieden mit dem Programm des finnischen EU-Vorsitzes, das auf Wachstum, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung abzielt. Zu den Prioritäten der Zentrumspartei gehören die Verbesserung der aktualisierten Bioökonomie-Strategie der EU, die den Übergang zu einer nachhaltigen und kreislauforientierten Bioökonomie unterstützen wird, die Vertiefung der Verteidigungspolitik der EU und die Übernahme einer führenden Rolle bei der Stärkung der Arktispolitik der EU. 

 

Green, green and green again – the Finnish Council Presidency

An interview with former EU Adviser to the Prime Minister of Finland Jari Haapiaine

Since 1st July 2019 until the end of the year, Finland holds the Presidency of the Council of the EU where the heads of state or government meet. The Finnish Presidency is the second part of a so-called “trio Presidency”, composed of Romania, Finland and Croatia. The three countries determine the topics and major issues that the Council shall address during 18 months. Jari Haapiaine, Former EU Adviser to the Prime Minister of Finland (2015-2016) and Senior Adviser in foreign, security, defence and EU policy at the Parliamentary Group of the Centre Party in the Parliament of Finland, gives an insight into the Finnish programme for the upcoming Presidency.

 

The motto of the Finnish Council Presidency is "Sustainable Europe, sustainable Future". What are the countries' priorities?

The priorities of Finland's EU Presidency are to strengthen common values and the rule of law, to make the EU more competitive and socially inclusive, to strengthen the EU's position as a global leader in climate action and to protect the security of citizens comprehensively. Finland is the first presidency to start implementing the new strategic agenda of the European Union. We will work together with member states, the Commission and the European Parliament for a sustainable, safe and secure Europe. 

Which elements might hamper the implementation of the ambitious Presidency programme? 

The European Union faces a number of internal and external challenges that need to be tackled together in a constructive manner. EU needs a balanced multiannual financial framework, a common view on migration policy and a reform of the Economic and Monetary Union taking into account every member state's own responsibility of sound economic policies. 

The issue of Brexit needs to be solved in a manner that protects the rights of the citizens and the success of businesses and trade both in EU and UK. In foreign policy, the case of Iran is an issue in which the EU can act as a facilitator to pave the way for a peaceful solution and to return the credibility and importance of the nuclear deal. 

What are the priorities of the Programme for the liberal Finnish Centre Party? 

The Centre Party is satisfied with Finland's EU Presidency programme emphasizing growth, security and sustainable development. The Centre Party's priorities include enhancing the EU's updated bioeconomy strategy that will support a transition to a circular and sustainable bioeconomy, deepening EU's defence policy and taking a leading role in strengthening the EU's Arctic policy. 

 

The questions were posed by Carmen Descamps from the European Dialogue of the Brussels office of the foundation. || Die Fragen stellte Carmen Descamps vom Europäischen Dialog des Stiftungsbüros in Brüssel. 

 

Für Medienanfragen kontaktieren Sie bitte

Daniela Oberstein
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Tel.: +49 30 288778 55