"Für uns Mexikaner gehört Mexiko zu Nordamerika" 

Unsere Mitarbeiterin Diana Luna über Reaktionen in Mexiko zu Trumps Mauervorstoß

Meinung26.01.2017
Mexiko, USA, Mauerbau
iStock/vivalapenler

Wer dachte, auf Worte würden vielleicht keine Taten folgen, wird nun von Donald Trump eines Besseren belehrt: Gestern kündigte er den Bau einer 3.200 km langen Mauer an, die geschätzt 40 Mrd. US-Dollar kosten soll. Deren Nutzen für die Sicherheit wird stark bezweifelt. Ob es sich nur um einen PR-Coup handelt, weil der Kongress die Baukosten bewilligen müsste, steht noch nicht fest. Im Interview mit freiheit.org erläutert unsere Mitarbeiterin Diana Luna, die aus Mexiko stammt, wie ihre Landsleute auf diese Ankündigung reagieren.

Der mexikanische Präsident spricht laut deutschen Medien von einer "Kriegserklärung". Sind sich alle politischen Kräfte in dieser Bewertung einig und soll das geplante Treffen zwischen den beiden Präsidenten wie geplant stattfinden?

Zunächst ist es wichtig, festzustellen, dass das Wort „Kriegserklärung“ aktuell nur in deutschen Medien verwendet wird. Schaut man sich die mexikanischen Medien an, wird dort ein deutlich vorsichtigeres Wording genutzt. Die mexikanische Regierung hat mehrfach gesagt, dass man den Mauerbau zwar ablehnt, die Situation jetzt jedoch nicht eskalieren lassen möchte und proaktive Lösungen suchen sollte. Das Treffen der beiden Präsidenten wurde daher auch noch nicht abgesagt. Die Oppositionsparteien, vor allem die zwei großen Parteien PAN und PRI, sind sich jedoch einig, dass der Präsident sofort das Treffen absagen sollte. Dieser Meinung haben sich inzwischen auch viele Intellektuelle angeschlossen, die den geplanten Mauerbau als „Gewalt gegen Mexiko“ bezeichnen. Ich habe jedoch die Hoffnung, dass das Treffen trotzdem stattfindet, denn sonst würde eine wichtige Gelegenheit vertan, Mexikos Position gegenüber Präsident Trump zu vertreten.

Was bedeutet die Entscheidung rein praktisch für die Menschen in Mexiko, von denen ja viele direkte persönliche Verbindungen in die USA haben?

Ein großer Teil der mexikanischen Bevölkerung hat direkte Kontakte und Beziehungen zu den USA – häufig leben dort Verwandte von ihnen, sie haben dort studiert oder reisen einfach nur häufig in die Staaten. Die Bevölkerungen sind sehr verbunden miteinander. Die Entscheidung zum Mauerbau wird rein praktisch zunächst keine großen Änderungen im Alltag der Mexikaner haben. Insgesamt hat die Immigration aus Mexiko in die USA in den letzten Jahren stark abgenommen, inzwischen kommen sogar mehr Mexikaner wieder in ihr Heimatland zurück als ausreisen. Jedoch zeigt sich bereits jetzt, dass die mexikanische Währung, der Peso, weiter an Wert verliert. Das ist für die Mexikaner ein großes Problem. Was mit der Freihandelszone NAFTA und damit den wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder passieren wird, ist zusätzlich noch eine offene Frage. Was den Mexikanern besonders Sorgen macht sind mögliche Steuern auf Auslandsüberweisungen. Es gibt in den USA eine große Zahl an mexikanischen Immigranten, die Geld nach Hause überweisen – für viele mexikanische Haushalte ist dies eine der wichtigsten Einkommensquellen.

Diana Luna
Diana LunaDiana Luna

Wie wirkt sich diese Entscheidung auf die Stimmung gegenüber den Vereinigten Staaten und der amerikanischen Bevölkerung aus, insbesondere auch hinsichtlich der Aussage von Präsident Trump, dass Mexiko für die Mauer bezahlen soll?

Die Antwort in politischen Kreisen ist deutlich: Nein, wir werden nicht für den Mauerbau bezahlen. Wenn man jedoch überlegt, dass NAFTA abgeschafft werden soll und Steuern und Zölle eingeführt werden könnten, dann wird Mexiko indirekt doch dafür bezahlen. In der Bevölkerung konzentriert sich die Wut gegen Präsident Trump, nicht gegen die amerikanische Bevölkerung. Dies hat man auch bei den vielen Demonstrationen gesehen, die wir in den vergangenen Tagen bei uns hatten. Wir Mexikaner wissen ganz genau: wir sind Nachbarn und gehören zusammen. Die Mexikaner verbindet viel mehr mit den Amerikanern als etwa mit ihren Nachbarn in Lateinamerika. Das ausgesendete Signal, Mexiko zähle nicht zu Nordamerika, verbittert die Mexikaner in dieser Hinsicht schon sehr. Denn für uns Mexikaner gehört Mexiko zu Nordamerika. 

Welche Handlungsoptionen hat Mexiko, sich gegen die Abschottung zur Wehr zu setzen?

Hier muss man zunächst feststellen, dass die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko stark asymmetrisch sind. Aber trotz dieser Asymmetrie gibt es zwei Hebel, die die mexikanische Regierung einsetzen kann. Dies ist zum einen der mexikanische Anteil am Kampf gegen den Drogenhandel. Die Kooperation zwischen beiden Ländern ist auf diesem Gebiet sehr eng, was man zum Beispiel daran sieht, dass Mexiko den Drogenbaron El Chapo an die USA ausgeliefert hat. Neben dem Drogenhandel ist Mexiko auch ein wichtiger Brückenkopf nicht nur für Migrationsströme aus dem eigenen Land, sondern aus ganz Lateinamerika. Auch hier sorgt die mexikanische Regierung bislang dafür, die illegale Migration zu begrenzen und Terroristen von der Grenzüberquerung abzuhalten. Darüber hinaus ist eine wichtige Karte in der Hand der mexikanischen Regierung natürlich die wirtschaftliche Verflechtung. Auch in den USA hängen viele Jobs, das Wilson Center spricht von bis zu fünf Millionen Arbeitsplätzen, vom Handel mit dem südlichen Nachbarn ab.

Diana Luna arbeitet als Referentin Mittlerer Osten und Nordafrika bei der Stiftung für die Freiheit. Folgen Sie ihr auf Twitter: https://twitter.com/dianalluna00