Friedrich Naumann und die Anfänge liberaler Frauenpolitik

Ein historischer Rückblick zum Internationalen Frauentag

Analyse08.03.2018Jürgen Frölich
Rede von Friedrich Naumann auf liberaler Frauenkonferenz, vermutlich 1919 | / ADL, Audiovisuelles Sammlungsgut, F2-258

Das Datum 8. März, wiewohl nicht unumstritten, lädt auch zum Rückblick auf die Anfänge der liberalen Frauenpolitik ein. Da stellt man dann schnell fest: Der „Internationale Frauentag“ hat dort nie eine wirklich Rolle gespielt, nimmt man einmal die weitgehend gleichgeschalteten „Liberaldemokraten“ unter der SED-Herrschaft aus. Doch die liberalen Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter sind älter als jener „Gedenktag“, dessen Einrichtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem vom linken Flügel der Sozialdemokratie vorangetrieben wurde und dessen heutiges Datum auf ein Ereignis während der russischen Revolution zurückgeht.

Zu diesem Zeitpunkt existierte in Deutschland längst eine bürgerliche Frauenbewegung, zu der die Revolution von 1848 den Anstoß gegeben hatte und die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stark anwuchs. Deren Bestrebungen stießen nun aber keineswegs auf sehr viel Gegenliebe bei den männlichen Zeitgenossen, auch bei den liberalen nicht. Die liberalen Vorkämpferinnen der Frauenrechte um Helene Lange, Gertrud Bäumer und Marie-Elisabeth Lüders mussten zäh und mühsam um emanzipatorische Fortschritte ringen. Dies gelang bis zur vorletzten Jahrhundertwende vornehmlich im Erwerbsleben und in der Bildung, aber noch nicht auf dem Feld der Politik: Das Frauenwahlrecht stand damals weder in Deutschland noch sonst in einem der großen europäischen Staaten ernsthaft auf der politischen Agenda.

Gruppenfoto der DDP-Frauen 1919/20, v.l.n.r. Gertrud Bäumer, Elisabeth Brönner-Höpfner, Marie Baum, Katharina Kloß, Elise Ekke | ADL, Audiovisuelles Sammlungsgut, FN1-14

Doch es gab auch weitsichtigere Politiker, die die Frauenemanzipation unterstützten. Zu diesen zählte zweifellos Friedrich Naumann: Bereits im von ihm 1896 gegründeten „Nationalsozialen Verein“ war der „persönlichen und wirtschaftlichen Stellung der Frau“ ein eigener Programmpunkt gewidmet. Und in seinen Publikationsorganen räumte Naumann der Frauenbewegung Raum zur Berichterstattung aus ihr und über sie ein.

An Naumann lässt sich auch sehr gut ein Einstellungswandel nachvollziehen: Während er 1896 das Frauenwahlrecht noch als unzeitgemäß verwarf, hielt er es 1903 bei einem Aufsehen erregenden Vortrag über „Die Frau im Maschinenalter“ für in naher Zukunft durchaus realisierbar. 1912 schließlich sah er die Forderung danach für „selbstverständlich“ und kritisierte dabei seine eigene Partei und deren „undeutlich geratene“ Frauenpolitik.

Druckschrift: Die Frau im Maschinenzeitalter, München 1903 | ADL, Bibliotheksbestand, A-83-188

In der Tat fiel es auch den Linksliberalen schwer, sich mit dem Gedanken der politischen Gleichberechtigung anzufreunden: Zwar hatten sie großen Anteil daran, dass Frauen ab 1908 zugestanden wurde, sich politisch zu betätigen. Über den Zuzug der neuen „Parteifreundinnen“ brachen aber längst nicht alle im freisinnigen Lager in Begeisterung aus. Und als kurz darauf ein neues Parteiprogramm verabschiedet wurde, konnte man sich nicht auf ein klares Bekenntnis zum Frauenwahlrecht einigen.

Das führte natürlich auch bei sehr liberal-affinen Frauen zu Enttäuschungen. Gerade auch Naumanns Wirken und Ausstrahlung war es dann auch zu verdanken, dass dennoch viele Protagonistinnen der bürgerlichen Frauenbewegung „bei der Stange“ blieben. 1919 kam dann der Lohn der Anstrengungen: Auf liberaler Seite zogen insgesamt sieben Frauen – sechs für Naumanns DDP und eine für die DVP Gustav Stresemanns – in die Nationalversammlung ein. Damit nahm die DDP unter den bürgerlichen Parteien die Spitzenstellung ein.

Dieser Anteil an weiblichen liberalen Abgeordneten sollte in Deutschland erst in den 1980er Jahren übertroffen werden. Insofern gibt der heutige Tag Anlass, an alle jene liberalen Vorkämpferinnen für Frauenrechte zu erinnern, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz nicht davon abbringen ließen, unter liberaler Flagge für Freiheit und Gleichstellung aller Bürgerinnen und Bürger zu kämpfen. Diese Kämpfe fanden beileibe nicht nur im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert statt. Durch ihren Namenspatron ist die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit geradezu verpflichtet, sich dieser Erinnerung besonders zu widmen.

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Dr. Jürgen Frölich
Archiv des Liberalismus