Freiräume ohne Zwang

Nachricht20.02.2017

Zustand

Das geltende Arbeitszeitgesetz stammt noch aus dem letzten Jahrhundert und damit aus einer Zeit, als mobiles und vernetztes Arbeiten noch eine Zukunftsvision war. Die darin festgelegte Ruhezeit von elf Stunden verhindert flexibles Arbeiten und insbesondere den Wunsch vieler Arbeitnehmer, Beruf und Privatleben zu vereinen. Menschen sind unterschiedlich und bevorzugen unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. Die Arbeit am frühen Nachmittag unterbrechen, um gemeinsame
Zeit mit der Familie zu Hause zu verbringen und später nochmal den Laptop aufklappen, ist für viele ein interessantes Modell. Nach heutigem Arbeitszeitrecht ist es allerdings nicht zulässig, am nächsten Morgen wieder ab 8 Uhr zu arbeiten.
Das aktuelle Weißbuch „Arbeiten 4.0“ erkennt zwar die sich verändernden Anforderungen moderner Arbeitswelten, verfällt jedoch in klassische Muster der Kontrolle und gesetzlicher Regulierung. Die vorgeschlagenen Experimentierräume schaffen keine Freiheit. Sie sind an zu viele Voraussetzungen geknüpft und müssen sowohl in einem Tarifvertrag als auch in einer Betriebsvereinbarung geregelt werden.

Update

  • Echte Flexibilität statt Tarifzwang: Das geplante „Wahlarbeitsgesetz“ soll nur für tarifgebundene Betriebe gelten. Weite Teile der Beschäftigten bleiben damit außen vor. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit darf nicht an die Frage eines Tarifvertrages gebunden sein.
  • Statt starrer Arbeitszeitregeln, die sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen fesseln, brauchen wir flexible Tagesarbeitszeiten, bei einer geregelten wöchentlichen oder monatlichen Höchstarbeitszeit.
  • Wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber verständigt haben, können Mitarbeiter künftig frei entscheiden, an welchem Tag sie wie viele Stunden arbeiten, um ihr Pensum zu erfüllen. Das Ausweichen in rechtliche Grauzonen ist nicht länger nötig.
  • Auch im Arbeitszeitrecht muss das Subsidiaritätsprinzip gelten: Zeitabsprachen finden zuallererst zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten statt. Die nächste Ebene sind betriebliche Vereinbarungen. Erst dann bietet sich eine tarifvertragliche Einigung an.

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